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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Thomas, Angie,     
Titel:
On The Come Up
ISBN:
978-3-570-16548-5  
Übersetzer:
Zeltner, Henriette
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
509
Verlag:
cbj / cbt, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Bri will den Durchbruch als farbige Rapperin schaffen, um aus dem Schatten ihres ermordeten Vaters, einer Rapp-Legende, zu treten, und um zum Einkommen der Familie beizutragen, damit der Strom nicht mehr abgestellt wird und genügend Essen da ist. Auf ihrem Weg muss sie viele Hindernisse überwinden, die Brutalität des Musik-Business erkennen, ihr Bild über Freunde und Bekannte revidieren, aber vor allem sich selbst erkennen, bevor sie gewappnet ist für den Weg nach oben.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Fremde Kulturen / Jugend / Adoleszenz / Musik / Rassismus
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der Rezipient begleitet Bri auf ihrem Weg, als 16-jährige Farbige eine bekannte Rapperin zu werden, erlebt mit ihr Erfolge und Rückschläge, bevor sich am Ende Möglichkeiten abzeichnen den Traum zu realisieren. Damit ist das Buch ein gelungener Adoleszensroman, auch wenn Vielen das Leben in amerikanischen Ghettos und die farbige Rapper-Szene unbekannt sein dürften. Aus dem Schatten eines Über-Vaters und intelligenten Bruders herauszutreten, sich in der Schule als „unsichtbar“ zu empfinden, erste Liebe zu erleben sind Themen, die interkulturell sind und damit vielen jugendlichen Lesern vertraut. Auch in der Eingangssituation, dass sich die Protagonistin nicht auf einen entscheidenden Vortest für ihre Prüfung konzentrieren kann, weil sie auf die für sie viel wichtigere Nachricht wartet, ob sie endlich im „Ring“ vor richtigem Publikum auftreten darf, können sich viele Rezipienten wiederfinden.
Deshalb dürften sie auch bereitwillig Lesehemmnisse überwinden in Form von Anglizismen, Fachjargon der Ghetto- und Musikszene (das Glossar am Ende erklärt nur die wichtigsten Ausdrücke) und sogar den ohne Übersetzung präsentierten Rapp-Texten. Sie einigermaßen zu verstehen, dürften sich viele bemühen, denn der titelgebende Rapp ist sinntragendes Moment für die Handlung, weil in ihm Bri ihre momentane Verfassung und Aggression nach den Regeln eines guten Rapps einfängt, ihre Rezipienten den Song aber als Selbstcharakterisierung missverstehen und sie auf die Rolle als brutale, gewaltbereite Rapperin festschreiben wollen.
Schon dieses Missverständnis deutet auf die vielen Spannungsmomente hin, die trotz eigenwilligem Stil und fast 500 Textseiten die Lesemotivation der meisten Rezipienten aufrecht halten wird. Dazu tragen auch die vielen Figuren der Familie und des Freundeskreises bei, deren Wege unterschiedlich umfangreich ausgestaltet werden in dem Maße, wie sie auch Bris Leben tangieren. So wird erst allmählich klar, dass Sonny, einer ihrer besten Freunde seit Kindertagen, schwul ist und sein erster Partner sich als Milez entpuppt, der Bri bei ihrem ersten Battle im Ring fast um den Sieg gebracht hat und der Sohn von Supreme ist, dem Manager ihres Vaters, dem auch sie sich anvertraut. Weil Milez die Kraft findet, sich seinem eigenen Vater zu widersetzen, sich als Schwuler zu outen und keine Karriere als Rapper anzustreben, wagt auch Bri, ihren eigenen Weg zu gehen.
Mit Aunt Pooh, Katricia Bordeaux Jay, der Schwester von Bris Mutter und nur wenige Jahre älter als Bri, und der Ermordung von Bris Vater kommen Elemente eines Kriminalromans in die Handlung. Denn Aunt Pooh dealt mit Drogen, hat deshalb genug Geld, um die Familie punktuell finanziell zu unterstützen, landet aber schließlich in Untersuchungshaft. Sie kämpft aktiv mit der verfeindeten Gang, die Bris Vater auf offener Straße erschossen hat, und kümmert sich um Bris Karriere.
Neben ihr und Bri ist Jay, Bris und Treys Mutter, die beeindruckendste Figur. Nachdem ihr Mann an ihrer Seite auf offener Straße erschossen wurde, wird sie drogensüchtig, findet aber selbst die Kraft eine Entziehungskur anzutreten. Dazu übergibt sie für drei Jahre ihre beiden Kinder der Obhut der Großeltern. Der Abschied von ihrer Mutter traumatisiert die kleine Bri und sie lehnt ihre Mutter ab, was sich auch daran zeigt, dass sie sie nach ihrer Rückkehr nie „Mom“ nennt. Erst am Ende des Romans begreift Bri, welche Leistung ihre Mutter vollbracht hat, dass ihr Leben immer noch ein täglicher Kampf ist nicht rückfällig zu werden, für den allein ihre Liebe zu ihren Kindern ihr Kraft gibt.
Auf Grund seiner Vielschichtigkeit, die erst durch den Umfang des Buchs ermöglicht wird, ist die Lektüre des Romans eine Bereicherung für alle Rezipienten und sehr empfehlenswert.
[Anmq 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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