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Autor:
Carreyrou, John,     
Titel:
Bad Blood. Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley
ISBN:
978-3-421-04823-3  
Übersetzer:
Dürr, Karlheinz
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
400
Verlag:
Deutsche Verlagsanstalt, München
Gattung:
Wirtschaftsthriller
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
24,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das 19-jährige Start-up-Wunderkind Elizabeth Holmes, Gründerin von Theranos, versprach die Medizinindustrie zu revolutionieren. Ein einziger Tropfen Blut sollte reichen, um Blutbilder zu erstellen und Therapien zu steuern. Namhafte Investoren steckten Millionen in das junge Unternehmen, bis es mit neun Milliarden Dollar am Markt einstieg. Es gab nur ein einziges Problem: Die Technologie hat nie funktioniert.
Eine wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall im Silicon Valley.
[Han 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Silicon Valley, Start Up, Management
       
Anmerkungen:
Für die Oberstufe empfehlenswert
       
Beurteilungstext:
Elizabeth Holmes gehört zur Gründergeneration wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
Die 19-jährige charismatische Stanford-Abbrecherin gründete 2004 das Biotechnologie-Unternehmen Theranos. Sie versprach die Neuentwicklung eines Bluttestverfahren mit einem kleinen handlichen Gerät für jeden. Ihre strahlende Vision, die medizinische Diagnostik mit einem Tropfen Blut vollkommen umzugestalten, scheiterte zehn Jahre später, weil das portable Gerät „Mini Lab“ schlichtweg nicht funktionierte und ihr Betrug aufflog.

In einer aufwendigen und detaillierten Recherche zeigt der Journalist John Carreyrou in dem Wirtschaftsthriller „Bad Blood“ in fesselnder Sprache die Hintergründe, Finessen und Verstrickungen der Mächtigen in allen Einzelheiten. Und er stellt die Mentalität und den Gründerglauben des Silicon Valley deutlich heraus: „If you can´t make it, fake it!“ ("Wenn du es nicht hinbekommst, tu so als ob").

Elizabeth Holmes ist wie geschaffen für eine Männerwelt mit Geld und Macht. Jung, weiblich, schön und mit unerschütterlichem Selbstvertrauen ausgestattet, bezirzte sie den ehemaligen US-Minister Henry Kissinger, James Mattis, George Shultz, den Verleger Rupert Murdoch, den Vizepräsident Joe Biden und den Ex-Präsident Bill Clinton. Selbst das US-Militär konnte sie für sich interessieren. Sie erlog sich Milliarden und alle waren erstaunlich froh, ihre Millionen dieser starken blendenden Visionärin zu übergeben.
So verführerisch sie um Investoren herumschwebte, so gnadenlos war sie in der Mitarbeiterführung. Von tiefem Misstrauen geleitet, schuf sie eine Atmosphäre von Angst und Unterwerfung. Theranos beschäftigte in seiner Hoch-Zeit immerhin 800 Mitarbeiter. Wer sich ihr/dem Unternehmen nicht ganz und gar unterwarf, Zweifel laut aussprach oder Kritik äußerte, wurde gefeuert. Das Personalkarussell drehte sich immer schneller. Doch Holmes verstand es meisterhaft, das System zu nutzen und bestimmte sogar die Spielregeln.
Und endlich kommt jemand, wie in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, und ruft: Der Kaiser ist doch nackt.
Das ist in diesem Fall der Journalist und Autor John Carreyrou. Er erzählt chronologisch vom Aufstieg und Fall einer besessenen jungen Frau, die sich als die weibliche Verkörperung Steve Jobs sieht. Dazu hat er viele Akteure der Firma interviewt und verwebt die Fakten mit einem packenden Schreibstil. Es gelingt ihm, sowohl die Faszination als auch den Wahnsinn auszuleuchten und die Grauzone zwischen Recht und Gerechtigkeit der innovativen Technologien aufzuzeigen.

John Carreyrou ist investigativer Journalist beim Wall Street Journal. Für die Enthüllung des Theranos-Skandals im Wall Street Journal erhielt er mehrere Journalistenpreise. Was nach der Lektüre bleibt, ist das Entsetzen über jegliches Fehlen von Verantwortung, Moral und Gewissen. Was bedeutet es, wenn diese Betrügerin als Milliardärin laut „Time“-Magazin zu den hundert einflussreichsten Menschen der Welt gehört?
Absolut lesenswert für Menschen ab 17 Jahren auch in der Oberstufe.
Hinweis für weitere Infos:
HBO-Dokumentarfilm The Inventor von Alex Gibney.
zahlreiche youtube Videos.
[Han 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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