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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Paulsen, Anna,     
Titel:
Wirf dein Herz voraus und spring hinterher
ISBN:
978-3-328-10315-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
364
Verlag:
Penguin, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
10,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Der Buchtitel ist Programm. Die Chefsekretärin Liane, 37-jährig, im Beruf absolut effizient, hat kein Privatleben. Sie achtet zwar sehr auf sich, was ihre Ernährung und ihre äußere Erscheinung betrifft, merkt aber kaum, dass sie kaum private, noch nicht einmal gesellschaftliche Kontakte hat.
[OAL 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Angst / Familie / Liebe / Mädchen / Frau
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Von daher auch kein Korrektiv, niemand, der mit ihr diskutiert oder ihr andere Interessengebiete aufzeigt. Eine absolut langweilige Person? Nein, denn als Leser verfolgt man sehr gespannt, wie sich ihr Leben auf einmal ändert, als sie neue Leute kennenlernt und sich an die Träume erinnert, die sie als junges Mädchen hatte. Liane ist taff, sie hat ihr Leben fest im Griff, jede Minute ist durchgeplant. Als Leser/in ist man sofort fasziniert und überlegt schon, ob man auch so leben wollte, leben könnte. Vor allem scheint ihr die Meinung anderer nicht viel auszumachen. Sie weiß, dass sie gut ist in ihrem Beruf als Chefsekretärin und dass die Eventagentur, für die sie arbeitet, ohne sie wohl kaum so erfolgreich wäre. Freundschaften? Fehlanzeige! Doch bereits im Prolog, in einer vom Haupttext abweichenden, an eine Handschrift erinnernden Schrägschrift, zeigt sich ihr Privatleben. Das sie eigentlich gar nicht hat. Sie spricht mit ihrer toten Mutter und hadert mit ihrem Schicksal. Aufgewachsen und liebevoll umsorgt in einer Pflegefamilie, hat sie erst später von ihrer leiblichen Mutter erfahren, diese jedoch nie kennengelernt und deswegen auch mit ihrer Pflegemutter gebrochen. Von daher ist es verständlich, dass sie sich nur auf sich selbst wirklich verlassen kann und merkt gar nicht, dass sie darüber zu einem echten Hypochonder geworden ist - hyperästhetisch in ihrer Erscheinung, Businesskostüm, bloß nicht auffallen, und hyperalgetisch mit regelmäßigen Terminen beim Hausarzt, der sie regelmäßig an Spezialisten weiterempfehlen muss, die ihr versichern, dass sie wirklich kerngesund ist. Als ihr nach Jahren der Brief ihrer Pflegemutter in die Hände fällt, erinnert sie sich an Vieles, was sie verdrängt hatte. Das ist alles sehr unterhaltsam und selbstironisch geschrieben, doch fast unmerklich - für die Hauptfigur wie für den Leser - ändert sich Lianes Welt, als sie nämlich fest davon überzeugt ist, krebskrank zu sein. Mit dem nahen Tod vor Augen ist sie plötzlich viel mutiger und traut sich auch im Privaten mehr zu. Der Kontrollfreak, für den feste Strukturen unverzichtbar waren, lebt plötzlich in den Tag hinein, schließt Freundschaften mit zwei Nachbarinnen: mit Erna, einer lebhaften 80-Jährigen, die gerne ausgeht, und der jungen Nora, die ihren Beruf als Altenpflegerin liebt. Gemeinsam stellen sie für Liane eine Bucket List auf und Liane wird immer lockerer und mutiger. Dass sie nun auch auf interessante Männer trifft, versteht sich fast von selbst. Der Unterhaltungsfaktor für den Leser ist hoch, fast meint man Liane zu kennen, möchte ihr gute Ratschläge geben, ist erleichtert, als sie endlich den Brief ihrer Pflegemutter liest, enttäuscht, dass sie für das Öffnen des Briefes ihrer leiblichen Mutter noch Zeit braucht, und ist gespannt auf jede neue Wendung. Dieses Buch ist bereits das zweite der Autorin und lässt auf weitere hoffen.
[OAL 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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