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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Say, Allen,     
Titel:
Großvaters Reise
ISBN:
978-3-946986-02-7  
Übersetzer:
Bracklo, Gabriela
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Say, Allen
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Edition Bracklo, Gräfelfing
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
29,80 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das Bild auf dem Leineneinband macht neugierig. Ein kleiner Japaner, in einen übergroßen doppelreihig geknöpften schweren Mantel gehüllt, steht an der Reling eines Überseedampfers und hält mit beiden Händen seinen Hut fest, damit der Wind ihn nicht davonweht. Er hat sich fein gemacht für die weite Reise nach Amerika, schwarzer Mantel, schwarzer Bowler, schwarze Schuhe und Krawatte, nur die Lederhandschuhe sind silbergrau. So mag er sich die offizielle Kleidung für die Bewohner des anderen Kontinents vorgestellt haben. "Großvaters Reise" führte ihn quer durch das Land, bis er sich mit seiner Familie in Kalifornien niederließ, ehe er im Alter nach Japan zurückkehrte. Sein Enkel hat seinen Lebensweg mit großformatigen Bildern nacherzählt.
[OAL 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
6 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Alter / Familie
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Nachdem Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. seine strenge Isolationspolitik aufgegeben hatte, wurde es üblich, Bildungsreisen nach Europa und Amerika zu unternehmen. Der Großvaters des Autors, der heute selber als Fotograf und Illustrator in Amerika lebt, wird von ihm auf dem ersten Bild im korrekten japanischen Männerkimono gezeigt, sepiafarben, wie es die Fotografien in den Ateliers damals waren. Daneben ist das farbige Bild vom Cover gestellt, eine steife Pose neben einer bewegten Aufnahme, bei der selbst die Betrachter den Wind zu spüren meinen.
Auch auf den nächsten Bildern finden sich gegensätzliche Eindrücke - die Weite des Ozeans bei Sonnenaufgang links und rechts daneben der junge Japaner, der nun vor einer wuchtigen Dampflokomotive steht - die Felsen in der Wüste neben einem Bild mit endlosen Getreidefeldern - riesige Städte mit Fabrikschloten neben hohen Berggipfeln.
Allen Say hat die Lebensgeschichte seines Großvaters nachgezeichnet, der nach Kalifornien auswanderte, seine Frau jedoch in der alten Heimat gesucht, lange Zeit mit seiner Familie in der Nähe von San Francisco gelebt hatte und mit Frau und großer Tochter wieder nach Japan zurückgekehrt war. Allen Say selbst wurde kurz vor dem 2. Weltkrieg in Japan geboren, wuchs mit den Erzählungen des Großvaters auf und ging ebenfalls als junger Mann im Alter von 16 Jahren nach Kalifornien, wo er heute noch lebt. Man blättert durch ein Familienalbum mit typischen Motiven in sanften Pastellfarben und kann die persönliche Entwicklung nachvollziehen. Ein vorletztes Bild zeigt den alten Großvater, weißhaarig, wieder im klassischen grauen Männerkimono, mit seinem Enkel, bevor dieser als junger Mann ebenfalls nach Amerika aufbricht.
Es ist schon eine absolute Bereicherung, wenn man sich nicht nur in mehreren Sprachen, sondern sogar in zwei ganz unterschiedlichen Ländern zuhause fühlen kann. Einerseits mag man sich als Brückenbauer fühlen, der zur Verständigung zwischen den Kulturen beiträgt; andererseits bestätigt der Autor in seinem Rückblick jedoch, dass man, in welchem Land auch immer man wohnt und arbeitet, man doch etwas aus der jeweils anderen Heimat vermisst.
[OAL 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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