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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Feldhaus, Hans-Jürgen,     
Titel:
Fünf auf Crashkurs
ISBN:
978-3-423-74036-4  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Feldhaus, Hans-Jürgen
Seitenanzahl:
272
Verlag:
dtv, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
12,95 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Was passiert, wenn fünf gänzlich unterschiedliche Jungen und Mädchen, die sich die letzten Schuljahre erfolgreich aus dem Weg gegangen sind, plötzlich zusammen einen Roadtrip zum Mittelmeer unternehmen? Eine Antwort darauf gibt Feldhaus in dem Jugendroman "Fünf auf Crahskurs", in dem er mit viel Witz und ein bisschen Ernst (des Lebens) das spannende Abenteuer der fantastischen Fünf erzählt. Ein perfekter Sommerroman für warme Tage, der Lust auf Urlaub in Frankreich macht.
[165 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
14 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Freundschaft / Gefühle / Jugend / Adoleszenz / Komik / Klassenfahrt / Humor / Liebe / Schule / Schüler / Spannung
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Bereits das Cover des Romans lässt erahnen, dass es sich bei diesem um eine Abenteuergeschichte handeln muss. In der farblichen Optik von Pappe sind darauf mit schwarzem Fineliner und blauem und gelbem Stift ein Fluss, zwei Kanus und die fünf Schüler abgebildet. Daneben finden sich auf dem Cover auch einige andere Details und Anmerkungen, die aber vor dem Lesen keinen Sinn ergeben und sich erst im Laufe der Geschichte erschließen. Alles in allem stellt das Cover einen Teil der Route dar, den die Fünf zurücklegen werden.
Aber worum geht es jetzt eigentlich? Fynn, der vom Erzähler als Schlüsselfigur ernannt wird, ist gemeinsam mit seiner Klasse und zwei Lehrern auf Abschlussfahrt in Südfrankreich. Die Einführung bildet eine Situation, die erst am Ende der Geschichte stattfindet: Fynn, Cem und Helge stehen an einer Klippe und wollen springen - in Fynns Fall eher: wollen nicht springen. Darauf aufbauend wird die Geschichte von vorne erzählt. Beginn: Ein Kanuausflug auf der Ardèche. Fynn hat schon auf die ganze Abschlussfahrt keinen Bock und noch weniger auf den bevorstehenden Ernst des Lebens, aber dann wird er auch noch mit zwei ihm fast völlig fremden Schülern (die beiden anderen Jungen) in einen wackeligen, alten Kanadier (Dreisitzer) gesteckt. Auch Judith und Thalia müssen sich widerwillig ein Kanu teilen. Im Gegensatz zu den Jungen kommen sie mit dem Lenken und Paddeln aber wesentlich besser klar. An einer Flussbiegung fahren sie dann spontan an dem Rest der Klasse vorbei, verstecken sich daraufhin vor ihnen am Ufer und das Abenteuer kann beginnen. Mehr aus einem Jux heraus entsteht dann ein Plan: Ab à la mer, ab zum Mittelmeer (sind ja nur ca. 180 Kilometer). Mit einigen Pannen und noch mehr Bekanntschaften kämpfen sie sich von Ort zu Ort. Und dann nimmt auch noch ihr Deutschlehrer, Doktor Schindler, der um sein Sabbatjahr fürchtet, die Verfolgung auf. Ob die fünf Schüler es rechtzeitig und vor allem, ohne sich vorher umzubringen, zum Mittelmeer schaffen? Ihr werdet es sehen.
Die Geschichte ist in einer für Jugendliche verständlichen Sprache geschrieben. Die Wortwahl und der Erzählstil sind an die Altersgruppe angepasst und erwecken oft den Eindruck, als würde ein guter Freund die Geschehnisse erzählen. Die Sprache und der Satzbau sind locker und es werden viele jugendtypische Begriffe verwendet. Diese entstammen allerdings eher der Zeit um 2000 und sind teilweise nicht mehr so aktuell (z.B. amtlich). Der Ich-Erzähler bleibt dem Leser bis zum Schluss unbekannt, ist also keine Figur des Romans. Der Erzähler weißt Merkmale einer auktorialen Erzählperspektive auf: Er weiß viel und hat auch einen Einblick in Gedanken und Gefühle der wichtigsten Charaktere, er kann in die Zukunft blicken, kommentiert und bewertet. Dies ist allerdings teilweise begrenzt, denn von bestimmten Sachverhalten, so gibt er offen zu, hat er keine Ahnung. Es lässt sich vermuten, dass der Erzähler gleich dem Autor ist, über den wir so in der Geschichte auch Einiges erfahren.
Gerade durch die Konstellation der Gruppe kommt es oft zu Situationskomik, die durch die eher kritzelartigen und humorvollen Zeichnungen sowie durch lustige Sprüche (insbesondere Cem) noch getoppt wird. Dennoch greift die Erzählung auch ernstere Themen auf: den Ernst des Lebens und unerfüllte Liebe. Fynn soll nach den Ferien eine Ausbildung beginnen, auf die er eigentlich keine Lust hat. Aber nicht nur er hat Probleme mit der Zukunft, wie sich später herausstellt.
Die Orte sind durchgehend realistisch, wenngleich viele Leser mit diesen vermutlich erst einmal nichts anfangen können. Aber gerade durch die Schilderung der schönen Umgebung, die selbst den coolsten Schüler zum Staunen bringt, entsteht beim Leser der Wunsch, selber ein solches Abenteuer in Südfrankreich zu erleben. Auch Orte aus der Lebenswirklichkeit einiger Leser werden erwähnt: der Möhnesee (an den viele Schulen in Nordrhein-Westfalen früher oder später eine Klassenfahrt oder einen Tagesausflug unternehmen), das Sauerland, das Kamener Kreuz, Essen und ganz allgemein der Ruhrpott. Weniger realistisch und eher idealistisch ist der Verlauf des Roadtrips (wie in den meisten Romanen dieser Art). Trotz vieler Pannen finden die fünf Jugendlichen immer wieder hilfsbereite und offene Personen, die ihnen Essen geben oder sie mitnehmen. Und das freut den Leser natürlich. Doch als sie es sich dann mit einer Gruppe Vespafahrer verspaßen, scheint ihre Glücksträhne vorbei...
Die fünf Jugendlichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, dienen hervorragend als Identifikationspersonen für die Leser. Fynn ist eher der unauffällige Typ, ‚Der-dessen-Name-nicht-gerufen-wird‘. Judith ist eine perfekte Streberin aus bestem Hause, Cem ein ‚cooler‘ Typ, der immer einen Spruch auf den Lippen hat und gerne Frauen aufreißt. Helge ist der ‚Boss‘, kommt aus reichem Hause und träumt von einer Schauspielkarriere. Und Thalia ist mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, schwärmt für ihren Lehrer, den Schindler, und ist abhängig von ihrem Smartphone und WhatsApp. Aber innerhalb des Abenteuers entwickeln sich die Jugendlichen auch weiter und zeigen andere Seiten von sich, die vorher niemand kannte. Im Laufe der Geschichte erweisen die Fünf sich aber nicht immer als Vorbildfunktionen. Es wird geraucht (nicht nur legales Zeug), es wird gestohlen und es wird gelogen. Der Erzähler, der als Vermittler fungiert, hat hierzu aber eine distanzierte Position und gerade beim Thema Drogen macht er die Leser darauf aufmerksam, dass diese nicht gut sind. Auch die negative Haltung einiger Charaktere hinsichtlich Rauchen und Klauen hat eine mildernde Wirkung.
Auch über den Lehrer, Kai Schindler, erfährt man Einiges. Hierdurch wird dem Leser erst so richtig deutlich, dass Lehrer eben auch nur Menschen sind, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie jeder andere auch. Dennoch wird Schindler teilweise sehr clichéehaft dargestellt als Lehrer, der den Beruf nur als Alternative gewählt hat und im Grunde keinen Bock auf ihn hat.
Das Buch bietet eine hervorragende Sommerlektüre, die sowohl witzig, spannend als auch ernst ist und Lust auf Abenteuer und Urlaub macht. Aufgepeppt wird die Geschichte durch die Zeichnungen, die eher an Kritzeleien von Jugendlichen erinnern (z.B. im Tagebuch oder in Schulheften), aber dennoch teilweise auch recht detailreich gestaltet sind. Das Lesen wird durch einen großen Zeilenabstand und Sondereinzüge erleichtert. Wegen der großen Themenvielfalt (Freundschaft, Zusammenhalt, erste Liebe, Zukunftsängste), dem teilweise informativem Inhalt und der interessanten und zugleich auch anspruchsvolleren Erzählweise (Sprünge, Rückblenden, Vorwegnahmen oder mehrfache Erzählung einzelner Geschehnisse aus anderer Perspektive) eignet sich das Werk nicht nur zum Lesen in der Freizeit, sondern hat durchaus Potenzial für eine Schullektüre. Gerade solche Romane können auch bei lesefauleren Schülern wieder das Interesse für Bücher und die Motivation zum Lesen wecken.
Und das Buch vermittelt eine sehr wichtige Aussage, die sich nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene zu Herzen nehmen können: Manchmal sollte man einfach im Hier und Jetzt leben und den Augenblick genießen, ohne sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Die Zukunft kommt früher oder später sowieso, aber man sollte das Leben auch ein stückweit genießen. Auf den Punkt gebracht!
[165 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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