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Autor:
Steckelmann, Petra,     
Titel:
Die Nachtschwärmer
ISBN:
978-3-943833-23-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Gaertner, Andreas
Seitenanzahl:
44
Verlag:
Edition Pastorenplatz, Aachen
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Nacht für Nacht schicken die Nachtschwärmer die Menschen in das Land der Träume. Doch aus unerfindlichen Gründen sind die Träume plötzlich in Gefahr, bedroht von der Zeit und ihren Schatten. Wird es den Nachtschwärmer gelingen, die Schatten zu besiegen und ihrer wichtigen Aufgabe weiter nachzukommen? Ein zauberhaftes Bilderbuch, das junge Kinder aber auch Erwachsene auf die Bedeutung und Faszination von Träumen aufmerksam macht. Besonders geeignet als Gute-Nacht-Geschichte.
[schr33 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch-märchenhaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Handlung des Bilderbuches dreht sich um die Nachtschwärmer, fantastische Wesen, die jede Nacht den Menschen die Reise ins Traumland ermöglichen. Denn sie (und nicht der Sandmann, wie viele fälschlicherweise annehmen) verteilen die Fahrscheine für die Reise in das Land der Fantasien, welche über einen Zaubersee führt. Doch plötzlich verändert sich etwas. Die Nächte werden immer kürzer und den Nachtschwärmern rennt die Zeit für das Verteilen der Fahrscheine davon. Urheber dieser Veränderung scheinen die Schatten zu sein, die das Träumen verachten. Sowohl die Nachtschwärmer als auch die Menschen sind verzweifelt, bis ein Nachtschwärmer durch Zufall die Lösung des Problems findet.

Das Bilderbuch erinnert durchweg an ein Märchen. Diese Wirkung entsteht vor allem durch die Art des Diskurses. Auf Text- und Bildebene findet sich ein heterodiegetischer Erzähler mit Nullfokalisierung, womit eine Außenperspektive eingenommen wird. Die Bilder haben meist einen weiten Bildausschnitt, erfassen ganze Häuserreihen und Landschaften und zeigen selten Nahansichten von Figuren oder Gegenständen. Die Perspektive ist frontal und wirkt passend zur Erzählinstanz wie ein Überblick über die erzählte Situation. Seine Allwissenheit legt der Erzähler auch durch vorausschauendes Erzählen für den Leser offen, wenn er z.B. sein Wissen über die Zukunft preisgibt oder das Gefühl vermittelt, als begleite er während seiner Erzählung jeden Nachtschwärmer gleichzeitig.

Des Weiteren wird das Präteritum als Erzähltempus und meist Erzählerrede anstelle von Figurenrede verwendet. Auch die Gestaltung der Figuren ist charakteristisch für Märchen. Die Nachtschwärmer tauchen meist als Gruppe auf. Sie sehen einheitlich aus, keiner unterscheidet sich durch Namensnennung o.ä. von den anderen. Dasselbe gilt für die Menschen oder die Schatten. Somit begegnen dem Leser keine Persönlichkeiten mit individuellem Charakter, sondern Typen oder Vertreter von Gruppen. Zudem werden die Figuren in einen eindeutigen Gut-Böse-Kontrast gesetzt, was ebenfalls den Märchencharakter verstärkt.

Die Bilder unterstützen den Gegensatz in der Figurenkonstellation durch ihre Farbgebung, ohne dabei zu scharfe Linien und Kontraste zu setzen. Die Nachtschwärmer heben sich durch ihre leuchtend weißen, glitzernden Kittel vom Rest des Bildes ab und sind auch so sehr lustig und liebevoll gestaltet. Dahingegen sind die bösen Schatten in kalten schwarz-blau Tönen gehalten. Der Hintergrund und die restlichen Bildteile sind meist in warmen Braun-, Gelb- oder Blautönen gestaltet, was eine wohlige Stimmung beim Lesen bzw. Betrachten erzeugt.

Bild und Text erzählen größtenteils symmetrisch die gleiche Geschichte, sodass die Bilder das Verständnis unterstützen und den Leser nicht zusätzlich herausfordern. Es gibt allerdings auch Seiten, auf denen eine Anreicherung des Textes durch die Bilder erfolgt, wenn diese detailreicher gestaltet sind und mehrere Ebenen darstellen, sodass der Leser mehr Informationen und Anregungen erhält, als im Text gegeben wird. Besonders hebt sich in diesem Zusammenhang die Doppelseite ab, auf der das Traumreich abgebildet ist. Dort sind verschiedenste fantastische Wesen zu sehen, welche jedoch auf Textebene keine Erwähnung finden. Diese Anreicherung hätte an mehr Stellen stattfinden können, damit die Bilder nicht nur eine Ergänzung zum Text darstellen, sondern sich expliziter als eigenständige Erzählebene hervorheben. Dadurch wird ihr Betrachten von einer Nebentätigkeit zu einer Notwendigkeit, die über den Text hinaus weitere Entdeckungen ermöglicht.

Insgesamt stellt das Bilderbuch eine anregende Geschichte dar, die jüngeren Kindern gut zum Einschlafen vorgelesen werden kann. Für Kinder, die älter als acht Jahre sind, müsste die Geschichte vielschichtiger und bezüglich Handlungs- sowie Bildebene komplexer gestaltet sein.

(Verfasserin: Maria-Louisa Papadopoulus)
[schr33 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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