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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Damjan, Mischa,     
Titel:
Der Clown sagte Nein
ISBN:
978-3-314-10583-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Kuhlmann, Torben
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Nord-Süd, Zürich, Switzerland
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wie lernt ein Kind „Nein“ zu sagen, wenn es etwas nicht will? Richtig! Spielerisch und durch Vorbilder, die diese Fähigkeit perfekt vermitteln können. Clown Petronius ist so ein Vorbild. Er sagte "Nein", verweigerte seinen Dienst im Zirkus. Er will lieber Geschichten erzählen, statt auf Kommando zu lachen oder zu weinen. Zirkustiere folgen seinem Beispiel. Sie gründen einen eigenen Zirkus.
[HiB 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / Streit / Konflikt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wir schreiben das Jahr 1961. Dimitrije Sidjanski gründet mit seiner Frau Brigitte den Nord-Süd Verlag. Der Verleger, 1914 in Skopje geboren, in Belgrad aufgewachsen, studierter Jurist, 1945 aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen, gibt zur Verlagsgründung das Buch „Der Clown sagte Nein“ heraus. Der Autor ist er selbst, sein Pseudonym lautet Mischa Damjan. Heute, genau 60 Jahre später, erscheint die neu illustrierte, vierte Auflage.

Es ist die Geschichte eines mutigen Clowns. Er reitet auf seinem Esel Theodor in die Zirkusarena. Die Zirkuskapelle spielt, das Publikum klatscht begeistert, doch der Clown und der Esel regen sich nicht. Die Kapelle hört auf zu spielen, das Klatschen verstummt. In diese Stille hinein sagt der Clown: „Nein!“ Theodor bewegt seine Ohren von links nach rechts und von rechts nach links, auch ein klares Nein. Das Publikum versteht dieses Statement als Teil der Show, der Zirkusdirektor als Rebellion, die er mit seiner Peitsche zu beenden versucht.

Petronius erklärt seinen Boykott mit der Unzufriedenheit seiner Rolle als lachender und weinender Clown und mit dem Geständnis, dass es ihm noch nie Spaß gemacht habe, den Narren zu spielen. Er will lieber Geschichten erzählen und verlässt die Manege. Das Programm soll weiter gehen, doch alle weiteren Akteure verweigern ihre Arbeit und kehren dem Zirkus den Rücken. Ferdinand, das tanzende Pony, will keine Dressur mehr. Die Giraffe Luise, der Löwe Gustav, der Hund Otto, sie alle spielen ihre Rollen nicht mehr. Gemeinsam verlassen die Aufständischen den Zirkus und machen sich auf den Weg in ein neues, selbst bestimmtes Leben.

Sie suchen sich, nach Neigung und Können, eine Arbeit, verdienen sich eigenes Geld. Davon kaufen sie ein Zirkuszelt und eine Trompete. Sie ziehen in eine größere Stadt, stellen ihr Zelt auf, malen Plakate und laden zur ersten Vorstellung in den „Zirkus für Kinder, Poetinnen und Poeten“ ein. Die Vorstellung wird ein großer Erfolg. Die Einmaligkeit ihrer Darbietungen wird den sechs Aussteigern von den begeisterten Kindern attestiert. Fröhlichkeit und Glück stellen sich bei allen Beteiligten ein.

Die vierte Neuauflage vom Nein sagenden Clown wurde von Torben Kuhlmann illustriert. Alle Bilder von diesem mehrfach ausgezeichneten Illustrator sind kleine Kunstwerke, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern werden. Auf dem Buchcover sehen wir die Zirkusarena, im Rampenlicht den Clown Petronius auf seinem Esel Theodor, davor den Zirkusdirektor mit der erhobenen Peitsche, dahinter Kinder, die sich gespannt und aufmerksam vorbeugen und konzentriert das Geschehen im Zirkusring verfolgen.

Der Vorsatz zeigt kleine Plakate vom Zirkus und den Akteuren auf einer gemalten Holzwand, ein Bekanntmachen, eine Einladung hin zum Zirkusareal, das auf einer Doppelseite anschaulich die Atmosphäre einer Zirkuswelt einfängt: Rot-weiß und blau-weiß gestreifte Zelte, die Tiere auf einer Weide, eine Menschenmenge begehrt Einlass, geparkte Autos, im fünfziger/sechziger Jahre-Stil, inklusive blauem VW-Käfer.

Im weiteren Verlauf der Geschichte zeigen sich die Akteure, vor oder knapp hinter dem roten Vorhang, die Trompeten der Zirkuskapelle, Symbole für Macht und Herrschaft, die aber letztlich das Ende der Herrschaft verkünden, wie wir aus der erzählenden Geschichte erfahren. Harmonie zeigt eine weitere Doppelseite: Die Sechs, gemeinsam an einem Lagerfeuer, strahlen Zufriedenheit und Ruhe aus. Ein friedvolles Bild.

Zuletzt Petronius, der Clown, sitzend vor einer Staffelei, ein Plakat malend. „Zirkus für Kinder, Poetinnen und Poeten“. Am rechten Fuß der Staffelei ein kleines Mäuschen. Eine neue, alte Bekannte für alle Kuhlmann-Fans. Warme heimelige Farben unterstreichen die Richtigkeit des Nein-Sagens und die Freundschaft der Tiere. Gern möchte man ein Teil dieser Gemeinschaft sein. - Der Kinderbuchklassiker ist heute so aktuell wie einst. Für Kinder geschrieben, aber mit erhobenem Zeigefinger in Richtung Erwachsene.
[HiB 18 Niedersachsen]
  
       

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