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Autor:
Vereecken, Kathleen,     
Titel:
Alles wird gut, immer
ISBN:
978-3-8369-6061-8  
Übersetzer:
Blatnik, Meike
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Völk, Julie
Seitenanzahl:
144
Verlag:
Gerstenberg, Hildesheim
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die kleine Alice lebt mit ihrer Familie in Ypern und berichtet davon, wie der erste Weltkrieg ihr Leben verändert. „Alles wird gut, immer“, tröstet die Mutter und doch müssen alle erfahren, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Die Familie erlebt Flucht, Angriffe, Krankheit und Tod. Alice muss lernen, immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Als sie nach Jahren der Angst und der Verluste wieder zu Hause ankommt, hat sich alles verändert.
[htd 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
10 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Krieg / Familie / Geschichte
       
Anmerkungen:
Erinnerungen an eine Kindheit im Krieg
       
Beurteilungstext:
Mit dem ersten Weltkrieg verbinden viele von uns Geschichten von kämpfenden Soldaten an der Front, von Bildern mit riesigen Gräberfeldern, versehrten Heimkehrern; Erlebnisberichte von Familien und Kindern sind dagegen weniger im kollektiven Gedächtnis verankert. Diese Geschichte der belgischen Grundschülerin Alice ermöglicht einen besonderen Blick auf diese Zeit.

Zu Beginn des Krieges lebt Alice mit ihrer Familie in der Nähe von Ypern. Es gibt das gemeinsame Spiel mit den vier Geschwistern und der besten Freundin, die Schule und den Kirchgang, die Kirmes, Verwandte und Nachbarn…, es ist eine ganz normale, behütete Kindheit. Doch mehr und mehr schleicht sich die Angst in den Alltag, die Eltern schweigen viel, bewegen sich langsamer. Das Wort „Krieg“ ist immer häufiger zu hören.

Zuerst ziehen Flüchtlinge aus dem Osten Belgiens durch den Ort, bald kann man das Donnern der Kanonen hören und ein orangenes Licht in der Ferne sehen, dann kommen die deutschen Soldaten. Der Krieg hat den Wohnort der Familie erreicht. Die Eltern beschließen, mit den Kindern ihr Zuhause zu verlassen, „dahin, wo es sicherer ist“ - „bloß für kurze Zeit“ - in den Norden des Landes.

Durch die Flucht wird das Leben jedoch für die Familie nicht sicherer; sie finden kaum einen Platz zum Schlafen, leiden Hunger, es fallen Schüsse, Menschen schreien, Häuser brennen, Kanonen donnern. Die Eltern beschließen, mit ihren Kindern umzukehren. „Nichts sei schlimmer, als zu fliehen, egal wie schlimm es zu Hause auch sein mag“, meint nicht nur der Vater. Aber Zuhause fühlt es sich nicht mehr so an wie früher. Immer häufiger muss der Vater als Tischler Särge herstellen, „große und manchmal auch ganz kleine“. Dann wird die Mutter auf dem Weg zum Bäcker durch eine Granate getötet. „In jeder Familie gab es Kummer und Leid“, es gibt Gasangriffe, zerstörte Häuser. Bei einem Beschuss wird der große Bruder Oscar schwer verletzt, der Vater und die Schwester Rosa erkranken an Typhus. Jetzt muss Alice für ihre kleinen Geschwister sorgen, zusammen mit ihnen wird sie in ein Kloster geschickt – auf eine weite, aufregende Fahrt an einen unbekannten Ort. Sie erfährt, dass Rosa gestorben ist. Mit dem Vater und dem Bruder aber gibt es ein Wiedersehen und am Ende des Kriegs eine Rückkehr in das Familienhaus.

Nein, das Versprechen der Mutter „Alles wird gut, immer“ ist nicht wahr geworden. „Das ist die liebenswerteste Lüge, die ich kenne.“ Aber Alice ist am Leben, auch der Vater, die Brüder Oscar und Jules, die kleine Schwester Clara, die Freundin Johanna. „Vielleicht heißt das doch, dass alles gut geworden ist. Jedenfalls so gut wie. Das ist viel.“

Der Geschichte von Alices Familie liegen die wahren Lebensgeschichten „echter Menschen, die damals Kinder waren“, zu Grunde, erklärt die belgische Autorin. Die Ereignisse werden durchgängig aus der kindlichen Perspektive erzählt, in altersgemäßer, anschaulicher Sprache. Die Gefühle und Gedanken der Menschen werden einfühlsam geschildert. Kathleen Vereecken bezieht sich auf zwei Bücher über den Ersten Weltkrieg in Belgien und auf Quellen des „Flanders Field Museum in Ypern“.

Die deutsche Ausgabe hat Julie Völk mit zarten, schwarz-weißen Zeichnungen illustriert. Sie gibt den handelnden Personen auf diese Weise ein Gesicht, fängt die Zuneigung in der Familie ein und verzichtet auf Bilder des Schreckens.

Auch wenn Alice ein Mädchen im Grundschulalter ist, sollte man das Buch eher Kindern ab etwa 10 Jahren empfehlen, bzw. als ergänzendes Unterrichtsmaterial zum Thema 1. Weltkrieg für Jugendliche einsetzen. Kathleen Vereecken ist für dieses Buch mit wichtigen Preisen in Belgien und in den Niederlanden ausgezeichnet worden. Es füllt eine Lücke in der Kinderliteratur, Bücher zum Thema „Erster Welltkrieg“ gibt es nur wenige. Dabei sind die geschilderten Erfahrungen und Erlebnisse nicht auf diese Epoche beschränkt. Flucht, Not, Krieg, Verlust sind leider auch heute noch aktuelle Themen.
[htd 18 Niedersachsen]
  
       

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