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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Fröhlich, Anja/Krause, Patrick,     
Titel:
Das ungeheimste Tagebuch der Welt. Wie mein bescheuerter Bruder Klassensprecher in meiner Klasse wurde
ISBN:
978-3-473-40848-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Nowothnig, Kristina
Seitenanzahl:
224
Verlag:
Ravensburger, Ravensburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Das ungeheimste Tagebuch der Welt
Jahr:
2021
Preis:
11,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Darf man ein geheimes Tagebuch lesen? Es ist doch tabu?!
Karline setzt sich darüber hinweg und schnüffelt nicht nur im Tagebuch ihres ungeliebten Patchwork-Bruders, sondern fotografiert auch noch die aktuellen Seiten und klebt sie in ihrem eigenen Tagebuch ein. So liest man nicht nur Karlines, sondern auch Pauls Ansichten zu Ereignissen in Karlines Klasse, in die Paul, zu seinem Leidwesen, gerade zurückversetzt worden ist.
[hu 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Gefühle / Schule
       
Anmerkungen:
Band 1 der Reihe
       
Beurteilungstext:
Es ist nicht einfach, in einer Patchworkfamilie mit neuen Geschwistern zu leben. Karline hat mit ihrer neuen Mutter, die sie ganz in Ordnung findet, auch einen Bruder bekommen. Diesen Bruder, Paul, findet sie nervig und nennt ihn einen selbstverliebten Idioten.

Zufällig findet sie sein verstecktes Tagebuch und kann nun seine geheimsten Wünsche und Ideen lesen. Sie fotografiert seine Eintragungen und fügt sie ihren eigenen Tagebucheintragungen hinzu. Während man nun die folgenschweren Ereignisse der nächsten Zeit aus der Sicht Karlines in ihrem Tagebuch miterlebt, muss man sich unmittelbar danach mit Pauls Meinung dazu auseinandersetzen.

Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Karline ist engagiert, agil und möchte Klassensprecherin werden. Sie hat sich ein anspruchsvolles Programm überlegt, das Umweltthemen, Fairness im Sport und angemessenes Verhalten gegenüber Mädchen umfasst.
Paul ist unsicher, pubertätsgebeutelt und lebt in seiner eigenen DJ-Welt. Sein Lebensziel ist es, DJ zu werden. Aber seine aktuelle Situation ist für ihn eine Katastrophe. Er wird nicht versetzt und landet ausgerechnet in der Klasse seiner Patchwork-Schwester. Die beiden können sich nun kaum aus dem Weg gehen, weder zu Hause noch in der Schule.

Aber alles kommt anders, als sie es sich vorgestellt hatten. Paul wird Klassensprecher, obwohl er keine Absicht hatte, es zu werden, geschweige denn ein Programm dazu im Kopf hat. Aber er muss seinen Platz in der Klasse finden und will ausgerechnet bei Karlines Freundin Roberta punkten.
Karline ist enttäuscht, versucht aber mit dem Geheimwissen aus Pauls Tagebuch, ihre Ziele auf Umwegen umzusetzen. Paul muss sich Karline annähern, schließlich handelt es sich bei ihr doch um eine potenzielle Verwandte, so seine Worte.

Das große Finale des Buches ist die wichtige Freitags-Demo, für Karline DAS wichtigste Umwelt-Ereignis und für Paul die ersehte Gelegenheit, sich triumphal als DJ in Szene zu setzen.
Der Bruder-Schwesterkonflikt wird dadurch nicht beendet. Aber der Leser kann hoffen, dass sowohl Karline als auch Paul neue Wege gehen werden. Vielleicht könnten sich auch neue Berührungspunkte entwickeln, die es beiden ermöglichen, sich in ihrer Verschiedenheit zu verstehen.

Das Buch ist in der Form eines Tagebuches geschrieben worden, das die besondere Weltsicht Karlines entwickelt. Wie in einem Tagebuch möglich, wird der Text durch kleine Zeichnungen und Kritzeleien illustriert. Wichtige Wörter werden, extra groß, extra fett oder in Schmuckschrift hervorgehoben. Wichtige Textabschnitte werden auf verschiedenste Weise eingerahmt oder schräg in den Kontext gesetzt.

Pauls Tagebuchseiten, die Karline abfotografiert und eingeklebt hat, sind selbstredend inhaltlich, aber auch optisch deutlich von Karlines Aufzeichnungen zu unterscheiden: Karline schreibt auf zart liniertem Papier, Paul auf blanken Seiten und Karline hat diese dann, deutlich erkennbar, mittels kleiner Klebestreifen befestigt. Ebenso wie seine Patchwork-Schwester illustriert auch er seine Aufzeichnungen; allerdings in gröberen, einfacheren Skizzen und er besitzt neben den bekannten Varianten auch eine sehr eigene Form der Hervorhebung der Wörter: er spielt mit der Groß- und Kleinschreibung innerhalb des Wortbildes.

Auf diese Weise ist dem Leser ständig bewusst, wessen Version der Ereignisse er nun gerade liest. Dies ist für das Verständnis unabdingbar.
Durch das Nebeneinandersetzen völlig verschiedener Interpretationen ein und desselben Geschehens, muss der Leser sich in zwei Charaktere einfühlen, erkennt die Subjektivität der Wahrnehmung und muss sich gezwungenermaßen ein eigenes Bild machen.
Das Buch spricht Jungen und Mädchen gleichermaßen an (diejenigen, die eigene Erfahrungen mit Patchwork-Geschwistern haben, sicherlich im besonderen Maße) und alle können über die offensichtlichen Missverständnisse gemeinsam schmunzeln.

Eine leichte Lektüre für 10- bis 13-Jährige, die gut im Klassenverband gelesen werden kann. Die lockere Aufmachung erleichtert das Lesen. Es bieten sich zahlreiche Gesprächsanlässe: der Tabu-Bruch zu Beginn, Konflikte in der Klasse und mit den Freunden/-innen, Aufgaben eines Klassensprechers, faires Verhalten im Sport, Umwelt-Demos und vieles mehr. Auch die Textgestaltung ist ein denkbares Thema.

Dieses Buch kann für die Schulbücherei einer weiterführenden Schule empfohlen werden.
[hu 18 Niedersachsen]
  
       

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