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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Kramer, Jackie Azúa,     
Titel:
Der Junge und der Gorilla
ISBN:
978-3-219-11891-9  
Übersetzer:
Stratthaus, Bernd
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Derby, Cindy
Seitenanzahl:
48
Verlag:
Annette Betz, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein einfühlsames und ehrliches Bilderbuch, das sowohl auf der Text- als auch auf der Bildebene mit großer Tiefe von der Sprachlosigkeit und der Einsamkeit erzählt, in der Kinder nach dem Verlust eines Elternteils leben.
[ame 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Sterben / Tod
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Dieses Bilderbuch geht unter die Haut. Ein kleiner Junge ist nach dem Tod der Mutter buchstäblich mutterseelenallein. Niemand ist da, der ihn versteht und der ihm seine drängenden Fragen beantwortet. Wo ist Mama hingegangen? Warum musste sie sterben? Müssen wir alle sterben? Wann wird es mir wieder besser gehen? Der Vater ist weit weg - gefangen in seiner eigenen Trauer, hilflos und überfordert mit Alltagsaufgaben.

In diese existenzielle Not setzen die Autorin Jackie Azúa Kramer und die Illustratorin Cindy Derby eine Gorillafigur, die ausdrucksstark alle Trauer und Verlassenheit verkörpert. Der Gorilla stellt sich den Fragen und antwortet aufrichtig ohne zu vertrösten. Er ist da und fühlt mit. Ihm kann der Junge alles sagen, was ihm auf der Seele liegt.

Die Bildebene erzählt, wie Vater und Sohn nebeneinander her leben und nicht miteinander reden können. Auch wenn sie Drachen steigen lassen, bleibt jeder für sich. Der Text des Buches ist rein dialogisch auf die Fragen und Antworten beschränkt. Zuerst sprechen nur der Junge und der Gorilla miteinander. Ganz behutsam schafft er es, dass sich Vater und Sohn einander annähern. Als der Junge sagt: „Ich wünschte, Mama wäre hier und würde mir vorlesen“, kommt der vorsichtige Hinweis, dass der Vater das Buch ja vielleicht auch mag.

Irgendwann kann der Junge zum Vater sagen, dass er die Mutter vermisst und auch der Vater kann seine Gefühle zeigen. Der Junge braucht den Gorilla nicht mehr, denn er kann er mit seinem Vater reden. Sie durchleben die Trauer von nun an gemeinsam. Jetzt gelingt es, miteinander in den veränderten Alltag zu finden und über die Mutter zu sprechen.

Der Autorin und der Illustratorin ist ein großartiges Bilderbuch gelungen, das sich mit Ernsthaftigkeit und Tiefe auf das Thema Tod und Trauer einlässt. Und es sind nicht zuletzt die Bilder, die in den Bann ziehen und am Anfang die Sprachlosigkeit sichtbar machen. Die Handlung setzt zunächst ohne Text direkt nach der Beerdigung der Mutter ein. Jede Bildseite erzählt eine eigene Geschichte davon, wie schwer der Alltag nach dieser familiären Katastrophe ist.

Nichts ist mehr selbstverständlich. So spiegelt sich das wider, was die meisten Kinder tatsächlich nach dem Tod eines Elternteils erleben. Niemand traut sich, mit ihnen zu sprechen, sich ihren Fragen zu stellen, ihnen Wahrheiten zuzumuten. Erwachsene tun das oft, weil ihnen die Worte fehlen oder weil sie glauben, Kinder damit zu schützen und ihnen damit zu helfen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Bilderbuch zeigt eindrücklich, wie ausgeschlossen und verlassen sich Kinder dadurch fühlen.

Die Aquarellbilder von Cindy Derby sind verhalten farbig. Sie unterstreichen die Seelenlage des Kindes. Und doch gibt es von Anfang an Lichtpunkte, die Hoffnung vermitteln. Unglaublich anrührend, wie der Gorilla gegen Ende des Buches Vater und Sohn umarmt und auf dem Schoß wiegt. Das Bild zeigt die große Trauer und strahlt gleichzeitig eine tiefe Geborgenheit aus. Das Leben wird weitergehen, wenn auch anders.

Das Buch ist sehr gut geeignet, um über Tod und Trauer ins Gespräch zu kommen und ein Bewusstsein für das Erleben gerade kleinerer Kinder nach dem Tod eines Familienmitgliedes zu schaffen und dafür, was in einer solchen Situation wirklich gebraucht wird. Besonders gelungen ist auch der Blick auf die schwierige Situation des zurückbleibenden Elternteils.
[ame 18 Niedersachsen]
  
       

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