AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

8451 aktuelle Rezensionen, weitere 78316 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Rundell, Katherine,     
Titel:
Feo und die Wölfe
ISBN:
978-3-551-31939-5  
Übersetzer:
Ahrens, Henning
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
240
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
6,99 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Feodora, genannt Feo, ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem abgelegenen Haus in den russischen Wäldern. Seit Generationen kümmert sich ihre Familie darum, zahme Wölfe, die von ihren adligen Besitzern abgegeben werden, auszuwildern – denn Wölfe darf man dem Volksglauben nach nicht töten. Doch General Rakow, der Beauftragte des Zaren, sieht in den Wölfen nur lästiges Ungeziefer, das er mit Gewalt beseitigen will.
[NIK 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
12 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / fantastisch / märchenhaft / Mädchen / Frau
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
So wird bald darauf Feos Mutter verhaftet und ins Landesgefängnis verschleppt, während das Mädchen selbst mit ihren Wölfen entkommen kann. Auf der Suche nach ihrer Mutter findet Feo Hilfe und neue Freunde bei den Menschen. Gleichzeitig entpuppt sich General Rakow immer mehr als skrupelloser Gewalttäter, der eine Spur gebrandschatzter Dörfer und misshandelter Menschen hinter sich lässt.

Aber während die Erwachsenen sich von ihrer Angst zur Untätigkeit lähmen lassen, finden Feo und ihre Freunde unter den Kindern und Jugendlichen Unterstützer gegen das Unrechtsregime. Mit einem zornestrunkenen General auf den Fersen muss sich Feo entscheiden, ob sie ihre Mutter befreien oder sogar Rakow und seinen Soldaten selbst die Stirn bieten will.

Schon mit dem ersten Satz versetzt die Autorin Katherin Rundell die Leser und Leserinnen in die märchenhafte Stimmung, die ihre Erzählung durchzieht: „Vor langer, langer Zeit, es ist bald hundert Jahre her, da gab es ein dunkelhaariges, ungestümes Mädchen.“ Verortet in der einsamen Weite der verschneiten russischen Wälder wird hier eine Welt erweckt, in der sich die Charaktere der Geschichte frei von Bezügen zur Erfahrungswelt der Leserschaft bewegen können.

Und auch die Hauptfiguren könnten einem Märchen entsprungen sein. Auf der einen Seite das Mädchen aus der Wildnis, das sich mit Wölfen umgibt und in ihrer naturverbundenen Kraft nicht nur innerhalb der erzählten Welt mit den gesellschaftlichen Erwartungen bricht. Ihr zur Seite steht ein jugendlicher Soldat, der mit dem Militär nichts zu tun haben will und stattdessen lieber Tänzer wäre – der standhafte Zinnsoldat und die angebetete Ballerina aus Andersens Märchen in einer Figur.

Auf der anderen Seite verkörpert General Rakow einen Gegenspieler mit dämonischen Zügen. Feuer, Gewalt und rücksichtslose Unberechenbarkeit bis zum Wahnsinn werden durch den fernen Zaren legitimiert. Die Erwachsenen stehen dem hilflos gegenüber, aber Feo nimmt nach der Verhaftung ihrer Mutter den ungleichen Kampf auf. Dabei bedient sie sich der Fähigkeiten, die sie im Umgang mit den Wölfen gelernt hat. Sie riecht im Wind den kommenden Schnee, verbirgt sich auf den zugewachsenen Wildpfaden und macht natürliche Gefahren zu Mitteln, um ihre Gegner abzuhängen. Gegen Ende versammelt sie sich mit ihren Helferinnen und Helfern in der Bibliothek eines verfallenen Schlosses, wo sie sich auf das entscheidende Aufeinandertreffen vorbereiten.

Auch wenn die Autorin eine auktoriale Erzählperspektive gewählt hat, folgt die Handlung deutlich dem Erlebnishorizont der Protagonistin Feo. Die Identifizierung mit den Protagonisten wird auch dadurch angeregt, dass wörtliche Rede einen großen Teil der Erzählung bestimmt. So sind Erzählzeit und erzählte Zeit häufig deckungsgleich, was das Tempo am Laufen hält. Die Gespräche treiben nicht nur die Handlung voran, sondern sie entwickeln vor allem auch die Beziehungen zwischen den Charakteren weiter, die sich zu Beginn des Romans noch nie begegnet sind. Diese Entwicklung ist neben der Haupthandlung eine zweite Ebene, auf der menschliche Motive wie Angst und Mut, Vertrauen, Zweifel und Freundschaft ausgebreitet werden.

Katherine Rundell legt mit diesem Roman eine spannende Erzählung über Heranwachsende in einer bedrohlichen Welt vor, die durch lebensechte Dialoge unterhält und aufgrund der klaren Sprache leicht und vergnüglich zu lesen ist.
[NIK 18 Niedersachsen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.