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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Danninger, Johanna,     
Titel:
Blue Sky Black. Ohne Dunkelheit keine Sterne
ISBN:
978-3-551-58435-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
384
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
In einer durch zahlreiche Naturkatastrophen zerstörten Welt bildet sich eine neue Regierung, die „Union“. Diese arbeitet zwar an „Safetowns“ für die Überlebenden, erlaubt den Zutritt jedoch nur ausgewählten Personen. Alle anderen werden sich selbst überlassen, was die restliche Bevölkerung zugrunde richtet. Außerhalb der Safetowns findet sich eine außergewöhnliche Gruppe von Personen zusammen, die dies verhindern möchte und sich aufmacht, um gegen die korrupte Regierung vorzugehen.
[18gast 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Spannung / Ungleichheit
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ein ehemals normales Teenagermädchen, ein Agent des Secret Service, ein Militäroffizier mit indigenen Wurzeln, eine ehemalige Feuerwehrfrau und eine ins Alter gekommene Hackerin: Was auf den ersten Blick wirkt wie eine chaotische Auflistung der unterschiedlichsten und vor allem nicht kompatibelsten Figuren, ergibt im Endeffekt eine hoch entschlossene und effektiv zusammenarbeitende Gruppe von Rebellen, um eine korrupte Regierung zu stürzen. Zumindest waren das die Leben der Figuren vor der Krise, die die ganze Welt erschütterte und zahlreichen Menschen das Leben kostete.

Zwei Jahre danach ist Mila kein Teenager mehr, sondern eine durchs harte Überleben gezeichnete junge Frau, die ihre komplette Familie verlor. Logan ist kein Agent mehr und Jack kein Offizier, sondern sie sind Leiter der inneren Sicherheit bei der Union – jedenfalls bis sie auf Informationen über die Taten und wahre Gesinnung ihrer Regierung stoßen, die sie nicht teilen, sondern komplett verabscheuen. Cait arbeitet nicht mehr als Feuerwehrfrau, sondern bei der Union als Mitglied der Versorgungstruppe im Außendienst. Und Doris, ursprünglich Hackerin, leitet mittlerweile eine sich selbstversorgende Gemeinde außerhalb der Unionsgebiete, in der auch Mila lebt.

Erst einmal zusammengefunden, sind diese fünf unterschiedlichen Menschen ein großartiges Team mit einem gemeinsamen Feind: der Union. Diese beging viele unaussprechliche Verbrechen, von der die Bevölkerung nichts weiß, auch nicht der Großteil der Safetown-Bewohner. Genau das wollen die fünf Rebellen ändern, was zwangsläufig (glücklicherweise) auch den Sturz der Regierung bedeutet. Doch das ist nur das grundsätzliche Ziel der fünf Hauptfiguren, der Weg dahin ist weit und hart. Es gibt viele Kämpfe und Wendungen, unvorhergesehene Geschehnisse, Leid und Schmerz. Aber auch eine plötzliche, schicksalshafte und sich schnell entwickelnde Liebe, die einigen unrealistisch erscheinen mag, aber in dieser von Katastrophen zerrütteten Welt zwischen Menschen, die harte Schicksale durchleben müssen, gerade richtig wirkt.

Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein, aber mich begeistert, wie gut sie trotzdem harmonieren und wie tiefgründig die Autorin sie alle gestaltet. Eine derart große Anzahl an Protagonisten ist sicher unüblich, doch Johanna Danninger schafft es überraschenderweise, dass dies nicht überfordert, sondern eher das Gefühl vermittelt, dass es genau so sein muss. Jeder Charakter hat seine eigene komplexe Hintergrundgeschichte, Wesenszüge, Wünsche und Ängste.

Vier der Protagonisten erzählen immer mal wieder aus ihrer Sicht, außer Doris, die eher bei allen anderen inkludiert wird. Anfangs findet dies klar abgetrennt statt, später und gerade in actiongeladenen Situationen sind die Übergänge fließend und bieten den Vorteil, dass man die Situation aus allen Blickwinkeln kombinieren und zu einem vollständigeren Überblick der Geschehnisse zusammenfügen kann. Doch auch die Sicht eines Antagonisten wird vereinzelt geschildert, was sich v.a. dann als gewinnbringend herausstellt, wenn sich beide Parteien in demselben Gebiet aufhalten. Das sorgt für mehr Erkenntnisse und eine spannende Dynamik.

Die übliche Zuordnung zu einem einzelnen Genre scheint mir für diese Geschichte nicht ausreichend. Man braucht eher eine Mischform. Die Einordnung als Dystopie bzw. Katastrophenroman ist offensichtlich, aber nicht genug. Man findet als Angabe: „Romantische Fantasy-Dystopie“. Doch auch das passt nicht ganz. Eine eigene Genre-Bezeichnung, die es gut trifft, wäre eher: dystopische Science-Fantasy. Denn: Es gibt eine eindeutig dystopische Handlung, das Fantasy-Element hat, aber eher Sci-Fi ähnliche, wissenschaftlich wirkende Hintergründe. Außerdem spielt es in der Gegenwart, statt in einer fernen Zukunft.

Das Buch hat mich deshalb direkt angesprochen, weil das Cover einfach großartig aussieht. Die rosé-golden glänzende Aufschrift mit gleichfarbigen Sprenkeln auf dem mysteriösen dunkellila Hintergrund hat mich sofort in ihren Bann gezogen - und annehmen lassen, es handele sich definitiv um Fantasy, was nicht so wirklich der Fall ist, weil das Fantastische eher wissenschaftliche Hintergründe hat.

Dennoch konnte mich die Erzählung als Ganzes mit ihren insgesamt so vielschichtigen und ungewöhnlichen Charakteren und Inhalten fesseln, weshalb ich sie wirklich weiterempfehlen kann. Als Einzelband stellt man sich keiner allzu großen Leseaufgabe, die spannende Handlung, außergewöhnlichen Charaktere und der angenehme Schreibstil der Autorin lassen viel Lesegenuss und keine Langeweile aufkommen. Außerdem schien mir auch als Vielleserin mal wieder Neues zu begegnen, das ich auf diese Art oder generell noch nicht aus anderen Werken kannte. Klare Leseempfehlung von mir - jemandem, der Dystopien für gewöhnlich nicht allzu viel abgewinnen kann.
(Susanne Nolte, Niedersachsen)
[18gast 18 Niedersachsen]
  
       

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