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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Trepsdorf, Daniel K.W.,     
Titel:
Aufstand der Umlaute und weshalb das Eszett sich diesem anschloss
ISBN:
978-3-356-02274-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Lassig, Kirsten J.
Seitenanzahl:
64
Verlag:
Hinstorff, Rostock
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Menschheit braucht Buchstaben und Wörter um sich die Welt zu erschließen. Was wäre, wenn es auch in der Phantasiewelt der Buchstaben Mobbing, Ausgrenzung und Intoleranz gäbe? Daniel K. W. Trepsdorf hält mit seinem „Vorlese- und Lernbilderbuch“ ein leidenschaftliches Plädoyer für ein tolerantes Miteinander im Zuge einer grundlegenden politischen Bildung.
[UlS 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Frieden / Gefühle / Ungleichheit / Politik / Rassismus
       
Anmerkungen:
Das Buch eignet sich für den Einsatz eines japanischen Kamishibai-Erzähltheaters. Bildungsinstitutionen können dafür benötigte großformatige Grafikblätter bei den Herausgebern des Buches erfragen.
       
Beurteilungstext:
Das vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Programmes „Demokratie leben!“ geförderte Buch ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches.

Der Autor Daniel K.W. Trepsdorf, in Mecklenburg-Vorpommern aktiv im Einsatz für Menschenrechte und Demokratie, hat sich in Fachbüchern intensiv mit Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt auseinandergesetzt.
Mit diesem Buch gelingt es ihm hervorragend, solch gewichtige Themen kindgerecht und mit lustigen Wortspielereien anzusprechen.
So unterstreicht die Art der Selbstvorstellung des Autors im Anhang diese Fähigkeit: „Daniel hat einige stinklangweilige wissenschaftliche Fachbücher für sehr ernste Erwachsene geschrieben, bevor er beim Geschichtenerzählen auf das Thema dieses Kinder- und Lernbuches gekommen ist“.

Die Illustrationen sind so konzipiert, dass sie in Kitas und Schulen für eine Verwendung durch ein Kamishibai-Erzähltheater genutzt werden können.

In diesem Buch geht es um das Wichtigste überhaupt: das friedliche Zusammenleben der Menschen auf der Erde.
Stellvertretend stehen dort die 26 Buchstaben des Alphabets. An diesem scheinbar so schönen System stimmt doch etwas nicht! Es fehlen tatsächlich die Umlaute und das ß, das aufgrund seiner Andersartigkeit und zum besseren Verständnis im Buch immer mit seiner Lautschrift auftaucht. Sie wohnen zwar auch im Haus der Sprache, jedoch unter schlechten Bedingungen im modrigen Kellergeschoss. Kein Wunder, dass es ihnen eines Tages zu viel wird und sie einen Plan aushecken. Beim nächsten Ausflug in das Land der Phantasie wollen sie den anderen Buchstaben eine Lektion erteilen und stürzen sie von einer Hängebrücke in die „düstere Höhle der Sprachlosigkeit“.

Die Sprachlosigkeit triumphiert: „... das habt ihr gut gemacht. Denn so konnte ich erwachen, aus dem Schatten der üblen Rede, des Mobbings, der Verleumdung, des Lästerns und der Ignoranz.“
Rettend kommen in dieser Situation das „i“ und die Phantasie der Kinder, der nichts unmöglich ist, zu Hilfe.
Das „i“ mit dem Punkt auf seinem Kopf zeigt Verständnis für die Umlaute und hält eine mutige Rede gegen die Ausgrenzung und Knechtung der Unterdrückten.

Auch die Umlaute oben auf der Hängebrücke merken, dass alle Buchstaben in ihrer Gesamtheit benötigt werden, sind doch die Giraffen ohne das „g“, „i“ und „r“ nur noch „***affen“.
Schließlich fassen sie den Entschluss, die anderen Buchstaben zu retten. Zwar dauert es eine Weile, bis alle wieder zueinander gefunden haben, aber dann können sie feststellen: „Hurra, Schwestern und Brüder, wir gehören zusammen.“

Die teils doppelseitigen bunten Illustrationen von Kirsten J. Lassig zeigen textbegleitend einzelne Stationen der Geschichte. Aber auch innerhalb des Textes tauchen Buchstaben in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen kleinformatig auf.
Zum einen gibt es die personifizierten Buchstaben mit Menschenköpfen und Gliedmaßen, die mit Hilfe von Sprechblasen immer wieder zu Wort kommen. Hier schafft es der Autor, Freude am Spiel mit Sprache zu wecken. Die lustigen Sätze der Buchstaben, in denen der eigene möglichst oft vorkommt, regen zum Nachahmen an.

Zum anderen gibt es zu Beginn neuer Abschnitte kunstvoll verschnörkelte Initialen zu bewundern. Auch das Fingeralphabet findet im Anhang seinen Platz, sorgfältig nach dem ABC geordnet und selbstverständlich ergänzt durch die Umlaute und das „ß“.

Gekonnt baut der Autor zwei in der deutschen Sprache weit verbreitete Pangramme in die Geschichte ein. Zu Beginn steht über dem Eingang zum Haus der Sprache der Satz „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern“. Die 26 Buchstaben des Alphabets sind dort vertreten, aber eben nicht alle. Am Ende wird dieser Satz ausgetauscht durch „Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich“, in dem auch die Umlaute und das Eszett ihren Platz haben.

Sprachlich ist dieses Buch recht anspruchsvoll und bedarf beim jüngeren Leser bzw. Hörer sicher des klärenden Gesprächs.
Bei aller Sprachspielerei ist die politische Botschaft auf jeder Seite präsent. Das Buch wirkt nach und gibt zahlreiche Impulse, sich gemeinsam mit anderen mit Themen wie Fairness, Mobbing und Ausgrenzung auseinanderzusetzen.
[UlS 18 Niedersachsen]
  
       

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