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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Grumberg, Jean-Claude,     
Titel:
Das Kostbarste aller Güter. Ein Märchen
ISBN:
978-3-96428-073-2  
Übersetzer:
Jacoby, Edmund
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Möltgen, Ulrike
Seitenanzahl:
128
Verlag:
Jacoby & Stuart, Berlin
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Deutschland 1943: Abgelegen im Wald wohnt ein Holzfällerehepaar. Während der Holzfäller durch seine Arbeitsverpflichtung "für das Allgemeinwohl" Kontakte zur Außenwelt hat, lebt die schlichte Frau in der totalen Abgeschiedenheit und großer Armut ohne Kenntnis über die Gräueltaten des Naziregimes in den Zeiten des Krieges. Ihr größter Wunsch ist ein Kind. Ihr Wunsch geht in Erfüllung, als eines Tages ein verzweifelter jüdischer Vater sein kleines Kind aus dem Transportzug zum KZ wirft. Dieses Kind verändert das Leben vieler Menschen.
[Fee 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
12 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / fantastisch / märchenhaft / Nationalsozialismus
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Frau des Holzfällers sieht täglich die Transportzüge durch den Wald fahren. Dass sie keinesfalls Güter transportieren, kommt ihr nicht in den Sinn. So nennt sie das Findelkind zunächst nur "das Gut". Es ist für sie keine Frage, dass Gott direkt es ihr geschenkt hat. Durch die Äußerungen ihres Mannes über das Kind erfahren die Leser*innen all die Vorurteile, die damals über die Juden verbreitet wurden. Aber das Kind verzaubert auch ihn schließlich. Er kann fühlen: auch "die Herzlosen haben ein Herz". Die Mutter geht über Grenzen, um das Leben des Kindes zu retten, der Vater verteidigt es schließlich mit seinem eigenen Leben. Der leibliche Vater überlebt das KZ auch deshalb, weil er innigst hofft, sein Kind wiederzufinden, hat er doch sonst alles verloren. Ein Kind ist "das kostbarste aller Güter".

Nicht nur der Inhalt der Geschichte ist, trotz aller trauriger Realität der Fakten, märchenhaft, auch der poetische Erzählstil und die besondere Erzählsprache geben dieser Geschichte eine Besonderheit, die zum Nachdenken und Innehalten auffordert. "Doch als er (der Zug) dieses Mal an ihr vorbeifährt, antwortet er. ... Und nicht durch ein einfaches Zeichen, sondern mit einer Geste. Keine dieser Gesten, die mit dem Werfen dieser mickrigen Kügelchen aus zerknülltem und in aller Hast von ungeschickten Händen vollgekritzeltem Papier einhergegangen waren, nein, einer richtigen Geste".

Zeit zum Nachdenken entsteht auch durch die komprimierten, kurzen Kapitel. Einige Kapitel stellen sehr eindrucksvoll auch das Schicksal der jüdischen Familie in den Mittelpunkt.
Zunächst verwirrend ist der Epilog. Hier werden die Fakten scheinbar zunächst negiert, durch weitere Beispiele erkennt man dies aber schnell. Der "Anhang für Liebhaber wahrer Geschichten" stellt die Fakten zu dem im Roman wichtigen Zug her.

Die eindrucksvollen schwarz-weißen Illustrationen sind der Thematik angemessen düstere Radierungen, die in jedem Kunstmuseum einen Platz finden könnten.
Diese ergreifende, anrührende, märchenhafte Geschichte ist ein Plädoyer für die Mitmenschlichkeit und gegen Krieg, Unmenschlichkeit, Verfolgung, Verblendung und Rassenwahn.
[Fee 18 Niedersachsen]
  
       

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