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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Vo, Nancy,     
Titel:
Der Outlaw
ISBN:
978-3-7725-2931-3  
Übersetzer:
Rosenstein, Richard
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Vo, Nancy
Seitenanzahl:
44
Verlag:
Freies Geistesleben, Stuttgart
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein gefürchteter Gesetzloser macht die Gegend unsicher und überfällt Reisende. In der nahegelegenen Stadt schließen die Geschäfte früher, aus Angst davor, ausgeraubt zu werden. Eines Tages enden die Überfälle abrupt. Jahre später kommt plötzlich ein Fremder in die Stadt und sorgt erneut für Aufsehen.
[18gast 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
6 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Außenseiter / Freundschaft
       
Anmerkungen:
Die Seiten des Buches sind aus Rising Stonehenge Papier gefertigt.
       
Beurteilungstext:
Bereits das Buchcover schafft mit der schemenhaften Darstellung eines Reiters am Horizont ein Ambiente des Wilden Westens. Dieses wird durch die Prägung des Titels untermalt, der in großen schwarzen Lettern ein sehr augenfälliges Merkmal bildet und durch die verwendete Clarendon-Schriftart unmittelbar Assoziationen mit typischen Wanted-Plakaten weckt.

Der Gesetzlose bleibt im ersten Teil des Buches weiterhin nur als schemenhafte Darstellung und als Hervorbringer von Unheil der nahegelegenen Stadt präsent, ohne dass Näheres über ihn bekannt ist. Jahre später kommt ein Fremder in den mittlerweile heruntergekommenen Ort und hilft, ihn wieder aufzubauen. Doch als dieser eines Tages als der frühere Gesetzlose wiedererkannt wird, zieht er den Zorn der Dorfbewohner auf sich. Diese stehen daraufhin vor der schwierigen Entscheidung, ihm eine zweite Chance zu geben oder ihn für seine vergangenen Missetaten zu bestrafen.

Es handelt sich um ein großformatiges, quadratisches Bilderbuch, dessen Seiten aus hochwertigem, etwas dickerem Rising-Stonehenge-Papier gefertigt sind. Die doppelseitig ausgerichteten Illustrationen tragen einen wesentlichen Teil zum Abbilden der Handlung bei, was u.a. durch die sehr sparsame Verwendung von Text deutlich wird, wodurch ein hohes Maß an Interpretationsspielraum erzeugt wird. Bestimmte Handlungsverläufe sind erst durch die Einbeziehung der Illustrationen zu verstehen, die wichtige Stimmungsträger darstellen und die Textpassagen sowohl unterstreichen als auch ergänzen. Ebenso wie auf dem Buchcover wird auch der restliche Text in der Clarendon-Schrift dargestellt. Diese schlichten Serifen unterstreichen den altertümlichen Charakter der Kulisse des Wilden Westens.

Die verwendeten Farben in den Illustrationen sind gekennzeichnet durch blasse Grau-, Braun- und Blautöne, die nur an wenigen Stellen durch den kontrastierenden Einsatz anderer Farben aufgebrochen werden. Besonderes Merkmal dieses Bilderbuchs ist der beeindruckende Collage-Stil, von dem insbesondere landschaftliche Darstellungen geprägt sind, die durch die Zusammensetzung von Tuschzeichnung und eingefügten Zeitungsdruckelementen eine außergewöhnliche Ästhetik erhalten. Die blassen Farben und der collagierte Einsatz von vergilbten Zeitungsfetzen in der Landschaft unterstreichen dabei das Ambiente des Wilden Westens.

Die verwendete Sprache im Buch ist durch ihre einfachen Satzstrukturen unmittelbar verständlich und es werden durch den Einsatz von wörtlicher Rede bestimmte Schlüsselsätze hervorgehoben.
Wie in einem Märchen beginnt die Erzählung mit den Worten: „Es war einmal ein Gesetzloser.“ Auch am Ende dieser Geschichte findet sich, ähnlich wie in einem Märchen, eine Moral in Form eines Denkanstoßes über den Umgang mit eigenen und fremden Fehlern. Dabei werden die vergangenen Missetaten des Gesetzlosen nicht genauer thematisiert und es wird Raum für eigene Assoziationen und persönliche Verknüpfungen mit diesem Thema geschaffen.

Es geht um Außenseiter in einer Gesellschaft, um die Courage, für andere einzustehen und um Möglichkeiten von Wiedergutmachung. Die Erzählung eröffnet den Lesenden in dem Text-Bild-Verbund Denkräume, in denen persönliche und herausfordernde Auseinandersetzungen mit diesen Themen angeregt werden, bei denen ein hohes Maß an Selbstreflexion möglich ist. Damit weist dieses Bilderbuch neben seiner ästhetisch anspruchsvollen Aufmachung auch auf pädagogischer Ebene ein großes Potential auf.
(Joanna Giesbrecht, Niedersachsen)
[18gast 18 Niedersachsen]
  
       

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