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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Liu Xun,     
Titel:
Zähnchen, Zähnchen, auf das Dach!
ISBN:
978-3-946986-05-8  
Übersetzer:
Weidel, Leonie
Originalsprache:
Chinesisch
Illustrator:
Liu Xun
Seitenanzahl:
36
Verlag:
Edition Bracklo, Gräfelfing
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
19,80 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das alte Viertel der Stadt irgendwo in China wird bald dem Bagger weichen müssen. Noch kann die kleine Niuniu voller Zuversicht das Haus verlassen, damit ihr Opa ihren ausgefallenen Milchzahn auf das Dach werfen kann. Die beeindruckenden Bilder bleiben nur farblich blass, wie es bald die Erinnerung sein wird.
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wenn man ganz allein ist und ganz still und sich konzentriert, dann kann man manchmal die Worte hören, die jemand sprach und die die Zimmerwände aufnahmen und konservierten. Hier sind es die Mauern der alten Siedlung, die schon immer hier stand. Die Straßen sind eng, selten verirrt sich ein Fahrrad, Mofa oder gar Auto hierher. Die Kinder spielen auf der Gasse oder gehen von hier nach dort, wo sie den Friseur, die Schneiderin, den Scherenschleifer oder den schwarzen Zottelhund von Onkel Wang wissen. Langsam, fast träge bewegt sich der Tag, werden die langen Schatten der Morgensonne kürzer.
Hier wohnt Niuniu, die heute Morgen ihren ersten Milchzahn verloren hat. Da sie noch klein ist, wird sie ihn nicht allein auf das Dach des Hauses werfen können. Jeder weiß, dass das Dach aufpassen wird, und man selbst nach erfolgtem Wurf schnell wächst und später ganz groß werden wird. Niuniu sucht ihren Großvater, der nach dem Friseurbesuch inzwischen den Schachspielern zuschaut.

Die Geschichte kommt daher, als beschwöre sie alte Zeiten, aber wer genau schaut, bemerkt, dass sich über den Mauern Hochhäuser erheben, noch blass und nicht sehr auffällig. Ein Fremdkörper, nichts weiter. Aber, Opa, was bedeuten die Schriftzeichen in den Kreisen auf einigen Mauern? Der Großvater redet nicht drum herum. Die Zeiten ändern sich. Dem ausgefallenen Milchzahn wird zwar bald ein neuer nachwachsen, aber in Bezug auf den bevorstehenden Abriss der Siedlung hält er sich nur mühsam zurück:"... das wird dann eine andere Art von Leben.".

Das erste Bild der Siedlung ist aus der Vogelperspektive gezeichnet. Grau und eng stoßen die Dächer und Mauern aneinander und lassen nur Raum für kleine Innenhöfe. Die wenigen Farben sind ausgeblichen, nur weniges Pflanzengrün schafft es in den Lebensraum. Die Einrichtung ist karg, dort lehnt ein Besen und eine Kehrschaufel an der Wand, eine Katze schleicht um die drei Käfige herum, in der je ein Singvogel nach Artgenossen ruft. Der elektrische Strom schließt das Haus durch freie Kabel an die moderne Welt, wenige Wäschestücke hängen über der gepflasterten Gasse. Der Kasten der Klimaanlage passt nicht recht in diese Welt. Die neue wird kommen.

Liu Xun schreibt mit einer gehörigen Portion Wehmut, belässt dem Mädchen Niuniu die letzte Zeit der Unbeschwertheit. Für Kinder, die mit dem Smartphone aufwachsen, könnte das auch eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten sein. Gut, dass der Wechsel wenigstens für ein Bilderbuch lang angehalten werden kann.

Was nicht ganz stimmig (und/oder verkaufsfördernd) ist, ist das Titelbild. Man sieht ein Kind mit Gebisslücke in einer Art Zahnplatte, das knapp an uns vorbei durch ein Aquarium mit Rot- und Schleierfischen schaut. Das Auge eines Fisches verdeckt ziemlich genau das rechte des Kindes. Beides hat mit der folgenden Geschichte wenig zu tun.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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