AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

9238 aktuelle Rezensionen, weitere 69809 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Minden, Karen & Kaschnitz, Marie Luise,     
Titel:
Eisbären
ISBN:
978-3-942795-82-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Minden, Karen
Seitenanzahl:
64
Verlag:
Kunstanstifter, Mannheim
Gattung:
Bilderbuch / Erzählung
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
22,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine schon ältere Geschichte um Liebe in einer Ehe, um Verborgenes und dem inneren Kampf, Wahrheit zuzulassen, wird beeindruckend mit Bleistift illustriert und ist liebevoll produziert. Die Bilder wie der Inhalt der Geschichte bleiben im Kopf. Anmerkung: Kein Bilderbuch für Kinder, für (junge wie ältere) Erwachsene umso mehr.
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
1966 veröffentlichte Marie Luise Kaschnitz (1901 bis 1974) die hier vorliegende Kurzgeschichte, die nunmehr durch die sehr eigenen Bleistiftzeichnungen von Karen Minden zusätzlich eine sehr beeindruckende Dimension erhält.
Beginnen wir mit dem Äußeren. Fast alle Bilder sind auf der rechten Seite, also die, die man nach dem Umblättern zuerst anschaut. Viele haben einen blauen Rahmen, stumpf und unaufdringlich, aber dennoch ein wichtiger Teil, der den Bildern Halt gibt oder sie einengt. Beides passt sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Der Text nutzt im Flattersatz mit sehr kurzen Zeilen mit 1,5-fachem Raum die andere Seite, zumeist oben beginnend und unten Platz lassend. Die einzelnen Absätze fangen eingerückt und lesefreundlich an. Auch Menschen, die ansonsten wenig lesen, werden nicht abgeschreckt. Eher werden sie mit einigen Begriffen, die heute nicht mehr Allgemeingut sind, wenig anfangen können (Überziehe, Kadaver, Kretonnevorhang, Toilettentisch, Kette der Nachttischlampe usw.), aber über die kann man hinweg lesen oder sich schlau machen.

Die Geschichte handelt von nur wenigen Minuten eines Ehepaares. Es ist stockdunkel. Sie hat schon geschlafen, ist aber wach geworden durch das Umdrehen des Schlüssels an der Haustür. Es ist ihr Mann, der an der geöffneten Schlafzimmertür stehen bleibt, sich vielleicht auf einen Stuhl dort niederließ. Fünf Jahre mit Unausgesprochenem ziehen vorbei, konzentrieren sich um die Frage, ob sie damals im Zoo vor dem Eisbärgehege beim ersten Zusammentreffen nicht doch auf jemand anderen wartete. Wir erfahren etwas von ihrer Seelenlage und versuchen zu interpretieren, warum sie - wie es wilde Zootiere in Gefangenschaft oftmals machen - mit Hals und Kopf hin und her wippte. Es bleibt unklar, ob der Kosename "Eisbär", den sie von ihrem Mann erhielt, als Vorwurf oder liebevoll gemeint ist.
Die Bilder folgen nicht nur - zumeist verzögert - dem Textinhalt, sie verstören auf andere Art. Mächtigen Körpern sind schmale Arme und Hände zugeordnet, viel zu kleine Köpfe auf entsprechendem Hals sitzen wie Flaschenhälse auf bauchigen Flaschenkörpern. Die Haare der Frau sind wie riesige weiße Watte, wie Wolken, wehen in eine Richtung oder wirbeln, ohne zu vereinzeln, die Gesichter bleiben unbestimmt, erhalten durch Licht- und Schattenbildung etwas Tiefe. Immer wieder wird die Frau durch einen Eisbären ersetzt, der sich der Klimaänderung erwehren muss.

Dass der Verlag gut daran tut, unter seinem Namen Kunst zu veröffentlichen, kann man sehr gut an diesem Buch nachvollziehen. Hoffen wir, dass es nicht nur dem Rezensenten so geht, sondern möglichst vielen Menschen. Das Buch hat es verdient.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.