AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

8976 aktuelle Rezensionen, weitere 69803 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Liao, Jimmy,     
Titel:
Das Kino des Lebens
ISBN:
978-3-905816-85-3  
Übersetzer:
Hermann, Marc
Originalsprache:
Chinesisch
Illustrator:
Liao, Jimmy
Seitenanzahl:
130
Verlag:
chinabooks, Uitikor Waldegg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
25,82 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine Geschichte in Bildern ist noch mehr als Bilder in einer Geschichte. Beide haben aber die zwei Begriffe Bild und Geschichte, und beide erzählen in dieser Reihenfolge. Sehr ungewöhnlich für uns, denn sie stammt aus Taiwan, dennoch sehr nachempfindsam, denn es gibt eine gemeinsame Sprache.
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ein Buch wie ein wuchtiger Film. Irgendwann muss man dann doch den Kinosaal verlassen und sich draußen der Wirklichkeit der gleißende Nachmittagssonne stellen. Kino muss man links liegen lassen oder man muss es lieben. Vom zweiten Fall handelt das Buch, immer auch ausgerichtet auf die Personen, die diese Liebe miteinander teilen.
Zunächst ist da die Mutter, die den Mann und ihre Tochter verließ, Genaueres erfährt man nicht. Aber immer, wenn das kleine Mädchen unglücklich ist - aber auch sonst - geht der Vater mit ihr ins Kino. Vielleicht treffen sie dort die Mutter wieder, an die sich das kleine Mädchen bald nur noch anhand des Geruchs des Schals daheim erinnert.
Später werden es Freunde sein, die die gleiche Obsession zur Welt des Films teilen. Einer wird selbst einen Film erstellen, der jedoch (wie wir heute sagen: total) floppt. Das angesparte Geld ist weg, der Freund, deren Eheschließung ebenfalls im Kino beim Anschauen eines Films und den entsprechenden Fragen stattfand, der Freund also hinterlässt - wahrscheinlich unwissend - ein heranwachsendes Kind. Die junge Mutter geht mit ihrem Kind nun den gleichen Weg, den sie selbst erfahren hat.

Die Geschichte ist rundum stimmig und sehr eigenständig, auch wenn sie voller Zitate aus anderen Filmen oder auch Bilderbüchern (zum Beispiel an Maurice Sendaks "Wild Things", dessen Statement, dass Kinder keine kleine Idioten seien, öfter zitiert wird).

Der Text ist eher sparsam, auf einigen Doppelseiten gibt es gar keinen. Die Bilder überwiegen deutlich. Das ist bei einem Buch über das Kino und die Filme nicht erstaunlich. Das ist dagegen der bildliche Umgang mit dem Kino. Die Hauptrollen wären nichts, wenn es nicht die Umgebung gäbe, und die ist geprägt von den je versetzten Reihen von Plüschsesseln, die nicht nur den Hintergrund für die Zuschauer bilden, sondern oft genug selbst zum Gegenstand werden, leben, altern, Stimmungen transportieren. Beinahe wäre sogar das Kind des erzählenden Mädchens / der jungen Frau im Kino geboren.
Wir werden immer wieder überrascht durch die bildliche Umsetzung von Gefühlen und Entwicklungen, die sich im Kino widerspiegeln: Ein Mädchen sitzt an einem von neun Tischen mit langen Holzbänken in einem Fast-Food-Restaurant, in das wir von außen aus der Vogelperspektive hineinschauen, um sie auf einer dieser Bänke zu sehen, wie sie vollkommen allein und versunken den Bildschirm an der Wand anstarrt, um "einen alten Film zu Ende [zu] sehen".
Man könnte viele der Bilder nicht nur (wie hier) andeutungsweise sehen, besprechen, Stimmigkeiten oder Gefühle erkennen oder nachleben. Man kann das Buch mit dem Schutzumschlag - eine Hülle um die Hülle - aber auch so nehmen wie es ist: Ein Hommage an die Welt, die das Kino in uns entwirft - den Abspann inbegriffen.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.