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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Liao, Jimmy,     
Titel:
Der Klang der Farben
ISBN:
978-3-905816-84-6  
Übersetzer:
Hermann, Marc
Originalsprache:
Chinesisch
Illustrator:
Liao, Jimmy
Seitenanzahl:
163
Verlag:
chinabooks, Uitikor Waldegg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
24,16 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Das Buch lebt von den Bildern und der Situation, in die uns der Text jeweils wirft - wobei die Bilder eindeutig den Vorrang haben vor dem je kurzen Text. Genauso eindeutig gilt aber auch: ein hervorragendes Buch für Erwachsene.
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Akkuratesse und der Fleiß bei gleichzeitiger Reduzierung der Grundformen im vielseitigen Bilderbuch für ältere Jugendliche und vor allem für Erwachsene erschlagen förmlich - unabhängig vom Inhalt, von dem später die Rede sein wird. Treppen und Aufgänge aus U-Bahnschächten bilden eins der Tableaus, das ab und zu mit einer stehenden U-Bahn, die den oben links abgesetzten Text mit den unterschiedlichen Wesen hinter den vielen Fenstern den Text mehr ver- als entwirrt.
Die Fleißarbeit findet ihren Widerhall in der Gestaltung der Flächen, die immer wieder formal gleich und inhaltlich je überraschend neu strukturiert sind. Die beiden Treppen, die oft den Ort der Bewegung bilden, zeigen zugleich auch das Auf und Ab der Gefühle des Mädchens. Mit ihren zu langen Armen und Beinen, die keine muskulösen Formen zeigen, und dem schmalen Körper wirkt sie noch sehr jung, beschreitet ihre Wege aber trotz der Sehbehinderung, die sie hinter einer dunklen runden Brille verbirgt, sehr forsch, zögert nicht, ertastet mit dem langen Bambusstock den Beginn einer Treppe. Ihr folgt auf (fast) allen Bildern ein kleiner, weißer Hund mit - für seine Verhältnisse - langem, zottigem Fell.
Keine textliche Beachtung finden die versteckten Tiere mit den großen Augen - dämonisch, neugierig, beobachtend.

Es gibt keine geradlinig erzählte oder durchgängige Geschichte. Das Mädchen mit dem Blindenstock und dem forschen Schritt der frühkindlichen dünnen Beine berichtet zu Beginn fast lakonisch, dass "der Engel am Eingang zur U-Bahn von mir Abschied nahm" . Sie benennt sogar Ort und Zeit, als sie erblindete - als wären beide von nun an nicht mehr wichtig. Und doch hält sie sich fast ausschließlich im Untergrund der U-Bahn aufhält - "auf der Suche nach dem Licht, das in meinem Herzen schimmert".

Das Buch fordert geradezu heraus, es sich gemeinsam anzuschauen und sich gegenseitig auf die vielen Dinge hinzuweisen, die auffallen. Und davon gibt es viele, die sich auf das eine Bild der Doppelseite beziehen oder auf einen Strang durch die Geschichte, Wiederholungen einerseits, Veränderungen andererseits.

Das Genre des Bilderbuchs für Erwachsene erfährt hier eine weitere Dimension. Das erste kommt aus der Struktur der Bilderbücher, wie sie für Kinderbücher oder Comics stehen. Das zweite erzählt eine Geschichte in einer Graphic Novel, das dritte liegt hier vor: Inhalt wie Bilder wie Text unterscheiden sich deutlich von den anderen, lassen sich weder konsumieren noch lassen sie eine deutliche Geschichte erkennen. Der Begriff muss spätestens am Schluss dieser Rezension fallen, denn der Titel "Der Klang der Farben" liefert keine eindeutige Zuordnung - weder zum Text noch zum Bild. Der wichtige Begriff also heißt: Interpretation. Es lohnt sich.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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