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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Godon, Ingrid & Tellegen, Toon,     
Titel:
Ich sollte
ISBN:
978-3-95854-130-6  
Übersetzer:
Erdmann, Birgit
Originalsprache:
Niederländisch
Illustrator:
Godon, Ingrid
Seitenanzahl:
96
Verlag:
Mixtvision, München
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
29,90 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ab einem bestimmten Alter wissen wir, was ‚Gut' ist und was _Böse'. Zugleich wissen wir, dass Gut besser ist als Böse. Also sollten wir unser Verhalten so einrichten, dass möglichst viel Gutes entsteht. Soweit die Theorie.

[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Ethik / Philosophie
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ein eher negativer Titel des Buches, denn er suggeriert, dass das, was (eigentlich) geschehen sollte, nicht geschah. In der Folge der anderen Bücher "Ich denke" (Mixtvision 2015) und "Ich wünschte" (Mixtvision 2012) von Illustratorin und Texter aber durchaus stimmig. Und schon die erste Aussage straft dem ersten Satz Lügen: "Ich sollte nicht denken, dass gestern alles anders war als heute. / Morgen sollte ich das denken, nicht heute." Das Denken, die Handlungen auch im Nachhinein infrage stellen, das eigene Zögern oder Nichttun immer wieder befragen. So denkt das Mädchen auf den ersten Seiten. Der Junge schaut mehr nach außen, auf die Grenzen aus Stacheldraht, die ihn umgeben. Danach wieder doch das Hinauszögern von Entscheidungen, das Warten auf Impulse von außen: "Aber das Leben sagt nie etwas. Der Tod, der sagt etwas, der spricht, liegt mir in den Ohren [...]"
Der niederländische Titel heißt wörtlich übersetzt "Ich muss". So beginnt auch sehr bald die Vorstellung eines Jungen im langen Bademantel. "Ich muss überhaupt nichts." Und direkt danach: "Das ist natürlich Unsinn. Ich muss schon irgendetwas." Und: "Eine Blume muss blühen. / Ein Fisch muss schimmern [...]"

Knapp 50 Personen werden uns mit wenigem Text und ganzseitigen Bildern unter dem Thema dargeboten. Mal steht der Text auf der linken Seite und das Bild rechts, mal umgekehrt. Beide halten ihren Abstand, keines greift in den Raum des anderen ein.
Der Text ist kurzzeilig in blauer Schrift gedruckt. Der Beginn (Ich sollte, ich muss) wird links herausgehoben und in einem Bordeaux-Rot gedruckt, der Rest dann herausgerückt, bleibt danach linksbündig. Oft sind es ganze Sätze ohne Einschübe, Aufzählungen, selten Absätze mit mehrzeiligem Text.
So ungewöhnlich kurz und nachdenkenswert der Text ist, so noch einmal mehr die Bilder, die sich fast alle auf eine Person konzentrieren. Keine ist "lieblich", das Umfeld zumeist nicht einmal deutlich zu erkennen. Seltsam starr stehen die Menschen, eingefroren der Akkordeonspieler vor dem Vorhang im Spot der Lichtkanone. "Es ist schon dunkel', sagte ich. ‚Dann schalte die Dunkelheit aus', sagten sie. Und ich schaltete die Dunkelheit aus. Es ist endlich still."
Die liebevolle Ausstattung des Buches mit der durchsichtigen Umschlagsfolie, die auch die Vorgänger ziert, zeigt, dass der Verlag mit dem Buch ausgesprochen einverstanden ist und dem Besonderen daran eine Chance geben will.
Das nehmen wir gern auf.

P.S. Gut, in Wirklichkeit ist es ein Buch, das sich an Personen mit viel Hintergrund richtet, an Erwachsene also, wenn auch nicht an alle. Wie aber sollen Jugendlich sich fordern können, wenn nicht mit Büchern, die einen hohen Anspruch haben? Ich kenne immerhin zwei, die sehr begeistert waren und das Buch nur nach Aufforderung zurück gaben.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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