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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Goldner, Colin & Valverde, Krystina & Manuel,     
Titel:
Lotte Siebengescheit geht in den Zoo und findet’s gar nicht toll
ISBN:
978-3-86569-297-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Valverde, Krystina & Manuel
Seitenanzahl:
48
Verlag:
Alibri, Aschaffenburg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein ungewöhnliches Bilderbuch mit Fotografien von gestalteten Situation und mit gereimten Texten macht uns klar, was wir eigentlich schon wussten. In digitalen Zeiten und dem Zugang zu Medien ist es bestimmt nicht mehr nötig, Tiere aus anderen Lebensräumen in einem Zoo-Gefängnis auszustellen.
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
6 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Tierliebe ist offensichtlich ein Antrieb für dieses Buch, der andere ist, eine andere Art von Bilderbuch zu erschaffen, auch wenn der zweite durchaus Vorgänger gehabt hat. Beides ist wunderbar gelungen.
Doch der Reihe nach. Zuerst die Geschichte. Oma kommt zu Besuch und will ihrer Enkelin Lotte den Zoo zeigen. Auf dem Cover sehen wir die beiden, aber auch ein Eingangstor, das (verteufelt!) erinnert an das eines Vernichtungslagers aus der schlimmen Zeit der Deutschen. Gut, das werden Kinder in dem Alter nicht assoziieren, umgekehrt später aber vielleicht wohl. Auf den Betonmauern neben dem Eingang sehen wir ein Graffiti ("Zoo ist Knast") und ein Hinweis auf das "Great Ape Project", das der Autor leitet.

Es gibt ein Anliegen vom Autor, das uns die Augen öffnen soll, was wir hier eigentlich tun in einer Zeit, in der eine Weitervermittlung vom Leben in anderen Gegenden der Welt absolut nicht mehr darauf angewiesen ist, Teile dieser Fremde in unser Land zu transportieren. Das ist selbstverständlich viel zu harmlos formuliert. Besser wäre wohl: Welche Sauerei tun wir den Tieren an, wenn wir sie hier bei uns in Käfigbereiche sperren - und seien sie auch noch so möglichst an das Leben von Vorgenerationen angepasst - um sie zu einem Wochenendbesuch von Großeltern und Enkeln an einem sonnigen Sommertag zu "besichtigen"? Helfen, schützen, Neuaufbau - das sind Maßnahmen, aber nicht: Voyeurismus auf Kosten von Lebewesen.

Die Art der Darstellung ist der zweite Aspekt, denn alle Situationen sind sehr sorgfältig mit unterschiedlichen Materialien und Bild für Bild gestaltet worden, bevor der Fotoapparat die Situation festhielt, damit die fertige Bilder den einen Teil der Geschichte auf den Doppelseiten des Buchs den Haltebereich bilden. Eine ausführlichere Besprechung dieses Teils verdiente einen weitaus größeren Anteil, aber wir wollen ja auch noch auf den Text eingehen.

Der ist paarweise gereimt ("... Oma denkt sich: "Irgendwo, / muss es doch auch Tiere geben / denen's gefällt, im Zoo zu leben"), aber selbst wenn man noch einmal zurück blättert, es wird nicht besser. Flugvögel sind beschnitten (weiß Lotte und sagt es ihrer Oma) und "Auch der Haifisch nebenan / nur kleine Kreise drehen kann". Selbst der Imbiss führt Lotte mit ihrer Oma nicht wirklich zusammen. Lotte weiß nämlich, dass viele Tiere als Fütterung von anderen Tieren im Zoo gezogen werden: "Ein Zoo ist", sagt die Lotte frei- / heraus, "hintenrum 'ne Metzgerei."

Negative Aspekte? Das Buch ist viel zu lang. Drei könnte man daraus machen, ganz sicher. Der Text, so eindrucksvoll er ist, ist viel zu lang. Die Vorbereitungszeit für die Fotos ist viel zu lang, aber hervorragend genutzt. Allerdings müssen sie den Textvorgaben folgen und sind somit viel zu langsam in ihren Wirkungen, nehmen der schrecklichen Aktualität durch die Künstlichkeit den Schrecken.

Das ist offensichtlich schwierig. Wir erkennen einen Missstand, aber wir sind nicht in der Lage, zu kürzen, denn damit würden wir diesem zugleich eine eventuell weltweite Bedeutung nehmen. Wollten wir sie berücksichtigen, nähmen wir durch die Masse ihre Gefährlichkeit. Ein sehr schwieriger Grenzlauf also, den die Macher des Buches beschreiten mussten.

Dennoch gibt es 5 von 5 möglichen Sternen. Das liegt besonders am Thema und den Besonderheiten an der Darstellung.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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