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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Mérimée, Prosper & Lacombe, Benjamin,     
Titel:
Carmen
ISBN:
978-3-946593-92-48  
Übersetzer:
Jacoby, Edmund (frz. Teile)
Originalsprache:
Spanisch
Illustrator:
Lacombe, Benjamin
Seitenanzahl:
176
Verlag:
Jacoby & Stuart, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
39,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Carmen steht für den ewigen Kampf der Geschlechter, der Ausnutzung von Abhängigkeiten, der Hörigkeit. Benjamin Lacombe schafft weitere Blicke, die Hauptpersonen verschieben sich, die Bilder sind verstörend. Mehr davon!
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Oper fremde Kulturen Geschichte
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Wie bei seinen historischen Stoffen üblich, hat Benjamin Lacombe auch bei Carmen intensiv recherchiert und lässt uns an seinen Ergebnissen teilhaben. Wer bei "Carmen" an eine Oper von George Bizet denkt, liegt nicht falsch, aber nur die mittleren der vier Kapitel der Novelle von Prosper Mérimée haben Eingang in die Oper (oder in Anlehnungen wie Carlos Sauras Tanzfilm gleichen Namens oder in Liedern von Lana del Rey, in weiteren Filmen, in Gedichten) gefunden. Lacombe hat außerdem einen von vier "Briefen" abdrucken lassen, der deutlich früher entstand als die Novelle, ein Anhang mit vielen Anmerkungen zu den Texten, "Biographien und Bibliographien" rundet das Bild ab.

Zum Inhalt: Im vorgeschobenen Kapitel beschreibt der Ich-Erzähler seine Reise durch das spanische Andalusien zu Beginn des 19. Jahrhunderts und seine Begegnung mit einem Räuber, der steckbrieflich gesucht wird, tot oder lebendig (vivo o muerto). 200,00 Ducados sind auf den Kopf von José María ausgesetzt. Ihn lernt der Autor nicht nur kennen, sondern sie achten sich gegenseitig fast freundschaftlich.
Soweit die Vorgeschichte, die in den bekannten Teil mit der ‚femme fatale' mündet: Carmen verdreht den Männern den Kopf, nimmt sich, was sie haben will und ist im nächsten Moment ganz anderer Meinung. Nein, festlegen will sie sich nicht, Geld und Schmuck sind ihr ebenfalls meist nicht wichtig, dass sie sich deswegen ihren freien Willen nehmen lässt. Die Erzählung ist gespickt mit vielen Hinweisen auf Gitanos, ‚Zigeuner' und ihren Charakterzügen - so wie sie auch unseren Vorurteilen entsprechen. Lacombe schreibt dazu im Vorwort: "... sind wir [...] abgestoßen von Bemerkungen, die als rassistisch zu interpretieren sind ..."

Benjamin Lacombe ist aber weniger Autor als vielmehr Illustrator. Seine Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert. Die Personen haben sehr große Augen, oft einen ebensolchen Kopf, während Arme, Hände, Beine und Füße zu klein und zu kurz sind. Seine Bilder sind zum Teil vollkommen ausgestaltet, mehrmals sind sie es in Teilen, einige Male erschienen sie wie Vorskizzen. Die Bilder nehmen oft die ganze oder gar beide Seiten ein, sind nicht nur Illustration, verstören dagegen oftmals, führen deutlich über die Handlung hinaus.
Sehr unklar bleiben die achtbeinigen Spinnen-ähnlichen schwarzen Tiere, deren Körper aus menschlichen Kopfdetails bestehen: Auge, Ohr, Mund. Hintergründig humorvoll dagegen sind die Schlussbilder, die Kastagnetten zeigen, deren Rückseiten man für stilisierte Totenschädel halten muss und deren Innenseiten für aufgerissene Mäuler, Auf der letzten Skizze dann liegen beide Teile der Kastagnette aufeinander, ruhend, still.

Ohne Bilder wäre es nur eine - wenn auch gute - Neuauflage einer Geschichte aus dem Süden Spaniens von vor 200 Jahren. So ist es ebenfalls ein Bilderbuch, wenn auch das typische junge Alter für Bilderbuchleser deutlich überschritten wird.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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