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Autor:
Frank, Astrid,     
Titel:
Enno Anders - Löwenzahn im Asphalt
ISBN:
978-3-8251-5122-5  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Kehn, Regina
Seitenanzahl:
160
Verlag:
Urachhaus, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Mit ihrem 2017 erschienenen Kinder- und Jugendbuch „Enno Anders oder Löwenzahn im Asphalt“ hat Astrid Frank ein tolles Buch über einen Jungen geschaffen, der einfach nur so akzeptiert werden will, wie er ist.
[iski 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Junge / Mann / Schule / Schüler / Gefühle / Komik / Humor
       
Anmerkungen:
Neue Auflage
       
Beurteilungstext:
Die Autorin entführt ihre Leser in die ganz besondere Welt des elfjährigen Enno Anders und lässt auf eine sehr einfühlsame Weise an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben. Sie beschreibt Ennos Welt aus der Ich-Perspektive so detailgetreu, dass der Leser richtig darin eintauchen kann. Dadurch erhält er einen direkten und unverstellten Einblick in die Betroffenheit und die seelische Folter des Jungen.

Mit diesem Buch ist es der Autorin gelungen, ein schwieriges Thema wie die Hochsensibilität von Kindern, in einer liebevollen Geschichte kindgerecht umzusetzen. Für diesen Roman erhielt Astrid Frank den Zürcher Kinderbuchpreis.

Der elfjährige Enno Anders heißt nicht nur Anders, sondern ist zum Leidwesen seiner Lehrerin und zur Sorge seiner Mutter tatsächlich anders als gleichaltrige Jungen: langsam, verträumt, ungeschickt und meist unfähig, ganz alltägliche Aufgaben zu meistern. Oftmals versteht er die Welt um sich herum nicht und die Welt versteht ihn nicht.

Enno selbst nimmt seine Andersartigkeit deutlich wahr und vergleicht sich mit blühendem Löwenzahnunkraut, das zwischen grauem Stein um das Überleben kämpft.
Dabei ist er gar nicht so anders, zumindest nicht im negativen Sinne. Denn Enno ist eine Orchidee unter ganz viel Löwenzahn, die viel Pflege und Zuwendung braucht- so jedenfalls beschreibt es sein Therapeut. Er nimmt 1000 Kleinigkeiten wahr - wie das Knacken der Heizung -, er kann sich in jedes Lebewesen hineinfühlen - wie es wohl ist, eine Ameise zu sein oder schafft eine Schnecke 100 m in 20 Minuten? - und er kann sich sehr fantasiereiche Geschichten ausdenken, die auf dem Planeten Mamojusave stattfinden. Enno kann vieles, nur eines kann er nicht: so sein wie die anderen. Und das macht ihn zu einem Außenseiter. Zum Glück hat er einen Freund, den Hochbegabten Olsen, der aufgrund seiner Andersartigkeit auch ein Außenseiter ist. Die beiden Jungs halten fest zusammen, geben sich gegenseitig Halt und helfen einander in jeder Lebenslage.

Durch seine besondere Art bekommt Enno schulische Probleme, die sogar so weit gehen, dass seine Lehrerin, die böse Frau Wolf, ihn auf eine Förderschule schicken möchte, wo doch für seine Eltern nichts anderes als die Gymnasialempfehlung in Frage kommt. Die Sorge um Ennos Schullaufbahn spitzt sich zu und führt zu einer großen Auseinandersetzung zwischen seinen Eltern.

Der Protagonist spürt die Enttäuschung und Sorge seiner Mutter und fühlt sich abgelehnt und fremd. Dabei versucht er doch einfach nur alles richtig zu machen. In dieser schwierigen Situation flüchtet sich Enno ein ums andere Mal in die oftmals skurrile, aber stets absolut liebenswürdige Welt seiner Gedanken und Fantasie. Er schreibt Briefe an seinen verstorbenen Opi, der ihm sehr ähnlich war und der der einzige Mensch in Ennos Leben gewesen ist, der ihn verstehen konnte.

Stellenweise liest sich das Buch sehr humorvoll und doch ist seine Botschaft sehr tiefgründig, ernst und berührend, denn Enno träumt von seiner eigenen Beerdigung und einer Reise zu „seinem Heimatplaneten“ Mamojusave, wo er endlich ganz normal sein kann.
Dass Enno alles anders wahrnimmt zeigt sich schon auf dem Cover, wo die Schule auf dem Kopf steht.

Ebenso feinfühlig und humorvoll wie Astrid Frank Ennos Konflikte zwischen seinem Seelenleben und der Realität darstellt, gestaltet die Hamburger Illustratorin Regina Kehn die Zeichnungen, mit denen sie den Text begleitet. Dabei beschränkt sie sich auf dezente Farbgebung und ergänzt so auf harmonische Weise den Text. Ennos wirkliche Umgebung vermischt sie behutsam mit den Gebilden seiner Fantasie. Sie illustriert dabei nicht nur einfach den Inhalt, sondern „interpretiert“ ihn auch.

Fantasievoll, humorvoll-schräg und zutiefst bewegend. Dieses einfühlsame Buch hilft Vorurteile abzubauen und ermutigt, jedes Kind in seiner Einzig- und Andersartigkeit so zu sehen und zu schätzen wie es ist. Eine klare Leseempfehlung für Kinder ab 9 Jahren aber auch für jeden Erwachsenen.
[iski 18 Niedersachsen]
  
       

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