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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Haberstock, Meike,     
Titel:
Anton hat Zeit. Aber keine Ahnung, warum
ISBN:
978-3-7891-3729-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Haberstock, Meike
Seitenanzahl:
112
Verlag:
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg
Gattung:
Erstlesebuch
Reihe:
Anton
Jahr:
2015
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein überaus unterhaltsames und reich illustriertes Sammelsurium an Geschichten und Gedanken, die Anton sich über alles macht, was mit dem Thema Zeit zu tun hat. Und schließlich hat doch alles irgendwie mit Zeit zu tun, oder etwa nicht? Ein Buch, das auch dem "klassischen Nicht-Leser" gefallen könnte!
[BSH 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
6 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Gefühle / Komik / Humor
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Dieses Buch, in dem es nur vordergründig allein um Zeit geht, spricht viele Kinderprobleme und Kinderfreuden an. Dies geschieht in einer tollen Mischung aus Text und Illustration, die sicherlich daraus resultiert, dass die Autorin gleichzeitig die Illustratorin ist, oder eher umgekehrt: Die Zeichnerin hat sich als Autorin versucht und dies ist ihr bestens gelungen.

Denn auch sprachlich macht dieses Buch einfach Spaß, selbst der erwachsene (Mit-)Leser kommt voll auf seine Kosten. Vor allem gelingt es der Autorin ganz wunderbar, die Perspektive des siebenjährigen Jungen für junge und erwachsene Leser gleichermaßen vergnüglich darzustellen.
Hier ein kleines Beispiel: Nachdem Anton am Feiertag leise den Frühstückstisch gedeckt hat, möchte er Mama weiter entlasten, indem er die Wäsche macht. "Er holte mucksmäuschenstill einen Armvoll schmutziger Wäsche aus dem Korb im Badezimmer und wollte gerade alle Teile in die Waschmaschine stecken, als er bemerkte, dass das Bullauge verriegelt war. Er wusste nicht, wie man es öffnete, aber er wusste, wie man die Spülmaschine bediente. Müsste auch gehen, dachte er. Ist vielleicht nicht ganz genau richtig, aber vielleicht noch nicht falsch. Und so steckte er die Socken in den Korb für das Besteck..."

Immer gelingt es Meike Haberstock, den guten Willen erkennen zu lassen hinter dem, was Anton tut - und was nicht selten zu chaotischen Zuständen führt. Das Grundproblem zwischen Mama und Anton ist aber schon eins, das mit Zeit zu tun hat, denn Anton hat immer genug Zeit für alles, was er gern tun möchte, während Mama ständig mit der Zeit kämpft und Anton zur Eile antreibt. Die Uhr fest im Blick, fühlt sie sich ständig gehetzt und treibt auch Anton an, sich zu beeilen. Klar, dass Anton und Mama manches Mal heftig aneinander geraten ... und gut, dass es Opa gibt! Denn Anton hat nicht nur viel Zeit, sondern auch viele Fragen! Und weil Mama viel zu wenig Zeit für seine Fragen hat, schreibt Anton diese Fragen für Opa auf, dann kann er mit ihm beim nächsten Besuch alles besprechen.

Am Ende des Buches kommt Opa dann auch tatsächlich einmal wieder zu Besuch, denn Anton feiert Geburtstag. Und er bekommt, wie sollte es anders sein, seine erste Armbanduhr von Opa! Seine zweite bekommt er gleich darauf von Mama, was Anton zunächst verwirrt. Aber die Mama-Uhr geht nicht, auf ihr bleibt die Zeit stehen. Es ist die Uhr für das Wochenende, denn Mama hat doch mehr mitbekommen von Antons Nöten als er dachte. Sie verspricht ihm, sich mehr Zeit für ihn zu nehmen, an den Wochenenden nämlich, da sei es ja möglich. Antons Kommentar: "Man kann sich doch auch in der Woche Zeit nehmen! (...) Wenn man die Uhr lesen kann!" Kluges Kind :)

Das Buch hat 16 Kapitel. Am Anfang jeden Kapitels wird der Leser mit herrlichen Ideen darauf hingewiesen, worum es gehen wird und wie lange man etwa braucht, um es zu lesen. Beispiel: "Alarmstufe 1. Dieses Kapitel hat 837 Wörter. Wer die liest, könnte in derselben Zeit auch seinem Kaninchen mit der Bastelschere eine neue Frisur verpassen."

In den Kapiteln selbst geht es um viele Themen, die Kinder beschäftigen. Da liegt zum Beispiel ein totes Eichhörnchen auf dem Hof, das Anton und seine Freunde begraben. Was ist das, der Tod? Müsste man eigentlich in Ruhe mit jemandem besprechen können. Und immer wieder geht es um ein besonderes Phänomen unserer Zeit: Die Mamili-Mutter. Das ist die Mutter von Marie, die meint ihre Tochter rund um die Uhr irgendwohin schicken zu müssen. Vom Klavierunterricht am besten direkt in die Chinesisch-Stunde!

Das Ganze ist eingebettet in eine Unmenge kleinster, kleiner und großer Illustrationen, kolorierte Zeichnungen im Comic-Stil, die mir sehr gut gefallen. Verbindendes gestalterisches Element ist eine Hinterlegung mit Packpapier, die sich sowohl in den Kapitelüberschriften als auch in den Illustrationen selbst findet, hier übernimmt das Packpapier die Rolle von Vorder- oder Hintergrund, Horizont, Wandkanten... Wichtige Textteile sind damit unterlegt, auch kleine Zeichnungen, sowie Einband und Vorsatz.

Das ist klasse gemacht und für mich gibt es da nur drei einfache Empfehlungen: Erstens: Kaufen! Zweitens: Lesen! Drittens: Verschenken!
[BSH 18 Niedersachsen]
  
       

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