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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Hannes Binder nach Lisa Tetzner,     
Titel:
Die schwarzen Brüder
ISBN:
978-3-7373-6485-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Binder, Hannes
Seitenanzahl:
144
Verlag:
Fischer Sauerländer , Frankfurt/Main
Gattung:
Graphic Novel
Reihe:
Jahr:
2013
Preis:
19,99 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Weil die Not so groß geworden ist, geben die armen Familien im Hochtal der Alpen ihre Söhne für Geld an Anwerber, die sie wiederum als Kaminkehrer verkaufen. Die Kinder erhalten wenig Essen, damit sie in die schmalen Kamine passen, und sie atmen den Rußstaub ein, der ihre Lungen kaputt macht. Hannes Binder illustriert in der aufwändigen Schabkarton-Technik eine 75 Jahre alte Geschichte, die vor 150 Jahren spielt.
[uhb Niedersachsen]
       
Lesealter:
10 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Beginnen wir mit dem Inhalt. Wir sind im Gebirge, in den Alpen, genauer: im Verzasca (Tessin), dem nach Süden, nach Italien geöffneten Tal der Schweiz. Im ersten Jahr kann sich die Familie gegen den Anwerber wehren, aber als die Mutter sich das Bein bricht, braucht sie einen Arzt. Geld ist nicht vorhanden. Das Angebot, ihren 12-jährigen Giorgio für den Beruf des Kaminkehrers mit hinunter zu nehmen nach Locarno, können sie nicht mehr ablehnen. Sie verkaufen ihren Sohn.
Wir folgen dem Kind, das weiter nach Mailand verkauft wird, als Sklave, denn er bekommt wenig zu essen (damit er nicht zu dick wird für den Kamin) und muss außer der Arbeit tun, was seine neue Familie von ihm verlangt. Er ist in der Hierarchie der letzte, muss sogar dem Sohn des Meister Rossi und der keifenden Ehefrau bei ihren Intrigen helfen. Die Arbeit, das ist das Reinigen der Kaminzüge, und wer jemals gerochen hat, was der Schornsteinfeger mit seinem Besen und der schweren Kugel aus der Esse herunter fegte, der weiß, wovon wir sprechen.
Unsere heutigen Schornsteinzüge sind erheblich enger und nicht mehr vergleichbar mit den Feueressen in jener Zeit vor 150 Jahren, in der diese Geschichte der Ausbeutung spielt. Der kalte Schauer beim Lesen steht im krassen Gegensatz zur Arbeit im Kamin.
Das Schreibgespann Lisa Tetzner und Kurt Kläbner (alias Kurt Held) verdichtet das Einzelschicksal, verallgemeinert. Immerhin lassen sie den Leser nicht hilflos. Giorgio darf am Ende seinen Peinigern entkommen.

Die über 180 Bilder von Hannes Binder mit dem sehr oft integrierten Text sind schwarz-weiß, in Art des Holzschnitts gestaltet. Das ist eine gute Art, um Gegensätze darzustellen, hoch und tief, Gebirge und Tal, gut und schlecht - auch wenn das Buch und seine Geschichte kein Urteil vorgibt. Uns allen ist klar, dass wir uns ein Leben als Kaminkehrer nicht oder nur sehr schwer vorstellen können. Den Schmutz, den Staub und Ruß können auch die Bilder nicht zeigen.
Was uns berührt, ist die Ausnutzung von Kindern aus ökonomischen Gründen. Auch heute können wir davon ausgehen, dass wir unsere niedrigen Preise von Artikeln mit dem schrecklichen Los von Kindern bezahlen lassen. Sie nähen für uns Fußballschuhe, knüpfen Teppiche, nähen Kleidung, sind an der Herstellung von Bilderbüchern beteiligt. Die Botschaft bleibt unausgesprochen, aber sie ist ununterbrochen da. SO DÜRFEN WIR NICHT, NIEMLAS, MIT UNSEREN KINDERN UMGEHEN. Wir müssen zuvor dafür sorgen, dass solche Nöte nicht auftreten.
Es gibt kein "sowohl als auch" oder ein "vielleicht". Das macht diese schwarz-weiße Graphic Novel sehr deutlich.

P.S. Warum der Verlag nicht angibt, dass das Buch (mit anderem Titelbild, aber beim gleichen Verlag) bereits schon 2002 im Handel war, ist nicht ersichtlich.

[uhb Niedersachsen]
  
       

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