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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Sonntag, Robert M.    
Titel:
Die Scanner
ISBN:
978-3-596-85537-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
190
Verlag:
Fischer Schatzinsel, Frankfurt
Gattung:
Zukunftsthriller
Reihe:
Die Bücher mit dem blauen Band
Jahr:
2013
Preis:
12,99 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Mehr als jeder moralischer Apell kann dieses Buch dazu führen, die Selbstbedienungsmentalität von Internet-Downloadern oder -Nutzern zu ändern. Sehr eindringlich wird anhand einer Handlung in naher Zukunft klar, was es bedeutet, wenigstens bedeuten kann, wenn Bücher gescannt und dann vernichtet werden. Da entsteht dann ein Monopol, das nicht mehr den "kostenlosen Zugang" zu Informationen im Sinn hat, sondern Macht, die nicht einmal an einzelnen Personen festgemacht werden kann.
[uhb Niedersachsen]
       
Lesealter:
12 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
digitale Welt
       
Anmerkungen:
Lehrerhandreichungen unter www.lehrer.fischerverlage.de
       
Beurteilungstext:
"Weitergedacht" wäre auch ein guter Titel für das Buch gewesen, aber auch "vorgedacht". Was uns angeht, wird werden in der spannenden Geschichte aus der nahen Zukunft zumindest zum "Nachdenken", zum "Mitdenken" angehalten.
Wir befinden uns im Jahr 2035, also nicht allzu fern von heute. Vieles kommt uns bekannt vor, einiges ist heute in der Entwicklung. Bücher sollen Allgemeingut sein und nicht Besitz von Einzelnen. Darum werden sie eingescannt und veröffentlicht, das nunmehr nutzlose Papier-Exemplar wird vernichtet. Bücheragenten erledigen die immer schwieriger werdende Aufgabe, noch existierende Papierbücher aufzuspüren und der Bestimmung zuzuführen. Dass die Bevölkerung, die in drei verschiedenen Zonen der Stadt leben muss, für das Lesen und eigene Denken, nicht einmal für das Nach-Denken, immer unfähiger gehalten wird, merken wir Leser sehr schnell. Wie in derzeitigen sozialen Netzwerken zählt nicht die Art der Freundschaft, sondern die Anzahl der Freunde. Alles wird öffentlich gemacht, das Mitleben wird durch das Tragen der Mobri, der Brille mit der interaktiven "Realität", zu einer Selbstverständlichkeit.
Rob ist einer der beiden Buchagenten, dem wir folgen, denn ihm geschieht etwas sehr Merkwürdiges, das sein Leben gehörig durcheinanderbringen wird. Er trifft einen alten Mann, der sein Buch partout nicht an die Agenten verkaufen will.
Das klingt harmlos, führt aber zu einem spannenden Abenteuer. Und es zeigt uns, was wir verlieren, wenn wir uns genauso "einlullen" lassen, wie wir es -vielleicht- bereits tun. Das beginnt mit der weitergedachten Art von Fastfood ("Pizza-Aroma statt Pizza. Tomaten-Salat-Aroma statt Tomatensalat" oder "Brotersatz mit Käse-Aroma"), dem Leben in einer Pseudo-Realität, der "Kommunikation" in Schlagworten mit leeren Worthülsen, der Erlaubnis, Geld von meinem Konto abzubuchen bis zur Veröffentlichung von persönlichsten Daten, Gefühlen.

Was jeder gute Geschichtslehrer im Sinn haben sollte, wird auch hier sehr deutlich: Macht nicht immer den gleichen Fehler. Wenn ihr nicht die kleinen Schritte stoppt, dann ist es irgendwann zu spät, die Summe der kleinen Schritte zu stoppen! Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Das Buch aktualisiert und zeigt den Weg, den wir - hoffentlich nicht - auf dem Ziel zur "totalen Vernetzung" gehen.

Als kleine Anmerkungen zum Schluss: Auch der Humor / kleine Anspielungen kommen im Buch nicht zu kurz: Der Discounter heißt "Neudi", das Pseudonym des Autors trägt den gleichen Vornamen wie die Hauptfigur und es könnte auch "Robert am Sonntag" gelesen werden, der (gute) Gegenspieler heißt "Bergmann" und das Mädchen heißt Fanni-2-Funni, was auch "funny to Fanni" gelesen werden könnte.
Der Hinweise auf drei Bücher hat es wohl leider schon wirklich bedurft: Huxleys "Schöne neue Welt", Bradburys "Fahrenheit 451" und Orwells "1984". Als der letzte sein Buch im Jahr 1948 schrieb, haben auch nicht viele Menschen geglaubt, dass es solch eine Welt wirklich irgendwann geben wird. Wir sind wahrscheinlich längst drüber.

[uhb Niedersachsen]
  
       

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