AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

7204 aktuelle Rezensionen, weitere 78287 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Briggs, Raymond,     
Titel:
Der Schneemann
ISBN:
978-3-8489-0164-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Briggs, Raymond
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Aladin, Stuttgart
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
14,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Neuauflage der 1978 erstmals erschienenen Erzählung "Der Schneemann" hat von ihrem Zauber nichts verloren. Der britische Autor und Illustrator Raymond Briggs schuf mit seinem Werk einen zeitlosen Klassiker, der Jung und Alt auch ohne Worte zu bezaubern vermag.
[Ling 17 Mecklenburg-Vorpommern]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch / märchenhaft / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Mit zarten Farben und nachvollziehbaren Buntstift-Strichen wird die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der, beglückt durch den ersten Schnee, mit viel Eifer einen Schneemann baut. In der darauffolgenden Nacht wird der Junge wach und bemerkt, dass sein Schneemann lebendig geworden ist. Er nimmt den eisigen Besucher mit ins Haus und erkundet mit ihm zusammen die Kuriositäten der Menschenwelt, wie Spülmittel, Lichtschalter und künstliche Gebisse. Danach nimmt der Schneemann den Jungen mit nach draußen in seine Welt und fliegt mit ihm durch die verschneite Nacht. Als der Morgen graut, kehren beide zurück: der Schneemann an seinen Platz im Garten und der Junge zurück ins Bett. Nach dem Aufwachen stürmt letzterer die Treppe herunter, vorbei an den bereits am Frühstückstisch sitzenden Eltern, die zum Schutz vor dem grellen Sonnenlicht die Jalousien heruntergelassen haben. Der kleine Junge rennt in den Garten und steht vor dem kleinen Haufen geschmolzenen Schnees, der von seinem Freund übriggeblieben ist. Der Zauber ist vorüber.
Das phantastische Erzählbilderbuch fällt vor allem durch zwei Besonderheiten auf: Textlosigkeit und eine Panelstruktur, die zu einer erzählerischen Dynamik wie bei einem Comic führt. Durch die Textlosigkeit bleibt der kindliche Protagonist der Erzählung zum Beispiel namenlos; diese Namenlosigkeit kann jedoch dazu führen, dass sich Leser*innen stärker mit der Figur identifizieren können, da sie weniger individuell erscheint. Die reduzierte Darstellung der Figur auf der Bildebene unterstützt diesen Effekt. Die Handlung bedarf keiner erklärenden Worte, da die enge Panelstruktur die Leser*innen durch die Erzählung leitet: Die Übergänge zwischen den einzelnen Panels tragen die Leser*innen teilweise von Augenblick zu Augenblick und erfordern deshalb nur wenig Induktion von Seiten der Rezipient*innen. Zu Beginn der Erzählung sieht die Betrachter*in zum Beispiel im ersten Panel den kleinen Jungen mit geschlossenen Augen im Bett liegen, im zweiten Panel sind die Augen geöffnet, im dritten Panel hat er den Kopf zum Fenster gewendet. Diese kleinschrittige Darstellung lässt der Leser*in Zeit, um die Situation in Ruhe zu erfassen und bietet Gelegenheit, sich dem Protagonisten zu nähern und Gedanken und Gefühle nachzuvollziehen. Diese sehr kleinschrittigen Übergänge werden mitunter abgelöst von Übergängen, bei denen die Leser*in einzelne Handlungen in Zusammenhang bringen muss, beispielsweise das Einsammeln von Kohlen und deren Anbringen an den Schneemann als Dekoration. Die Induktion, die zu leisten ist, ist jedoch stets einfacher Natur, sodass keine Verständnisschwierigkeiten über den Handlungsverlauf aufkommen. Die gewählten Bildausschnitte sind zudem jeweils so gewählt, dass sie den Fokus auf das wesentliche Handlungselement lenken: Die erwähnte Aufwachsequenz am Anfang erfolgt in Nahaufnahme, die den Protagonisten im Bett liegend zeigt, während im Hintergrund der rieselnde Schnee durch das Fenster zu sehen ist.
Ob der kleine Junge sein Abenteuer mit dem Schneemann nur geträumt hat? Während die Version von 1978 insgesamt länger ist, u.a. noch eine gemeinsame Fahrt mit einem Motorrad und den Besuch beim Weihnachtsmann inkludiert, und den Zweifel am Ende auflöst (es ist wirklich passiert!), lässt die Neuauflage diese Frage offen für die Interpretation der Leser*innen. Insgesamt handelt es sich um eine sehr schöne und lesenswerte Neuauflage des Klassikers, gleichwohl es schade ist, dass einige Teile sowie die Auflösung herausgekürzt wurden.
[Ling 17 Mecklenburg-Vorpommern]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.