AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

8765 aktuelle Rezensionen, weitere 78320 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Wildner, Martina,     
Titel:
Der Himmel über dem Platz
ISBN:
978-3-407-75848-4  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Horstschäfer, Felicitas
Seitenanzahl:
221
Verlag:
Beltz & Gelberg, Weinheim
Gattung:
Kinderroman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
13,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Jo, talentiert und fußballbegeistert, wechselt von ihrem Mädchenverein zu einem Jungenclub, um höherklassig spielen zu können. Nach den ersten Trainingseinheiten zweifelt sie an ihrem Entschluss.
[ilo 16 Hessen]
       
Lesealter:
12 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Sport / Mädchenfußball / Freundschaft / Gefühle / Mobbing / Gender/Geschlecht / Emanzipation
       
Anmerkungen:
Diskussionsanregungen über Leistungssport versus Breitensport, besonders im Hinblick auf Mannschaftssportarten und Geschlechterstereotypen
       
Beurteilungstext:
Jo spielt leidenschaftlich gerne Fußball. Ihr Traum ist es, einmal eine ganz große, eine weltbeste Fußballspielerin zu werden. In ihrem Mädchenfußballverein spielt Jo erfolgreich auf den Positionen Mittelfeld und Sturm. Sie ist ein Fan von Cristiano Ronaldo und im besten Sinne fußballverrückt!
Differenzen werden deutlich, als Jo von ihrem Mädchenfußballteam zu einer Jungenmannschaft wechselt. Wechseln muss, denn das ist eine Verbandsvorgabe für talentierte Spielerinnen, die in eine höhere Liga aufgenommen werden wollen.
Als Jo deshalb den Verein wechselt, erfährt sie von ihrem Mädchenteam abrupte Ablehnung, zwar eigentlich nur aufgrund des Gerüchts, dass Jo angeblich zu einem Mädchen-Konkurrenzverein wechseln würde. Zum Glück erweist sich dieses Gerücht als nicht zutreffend. Aber es liest sich schon wie eine erste „Vorwarnung“, was auf Jo noch alles zukommen wird. Jo wird also nicht zur Konkurrenz wechseln, sondern in einen Fußballclub für Jungs. Jo will einfach nur Fußball spielen – und zwar ganz oben!
Sie fiebert schon der Herausforderung im Fußballclub Blau-Weiß entgegen. Was Jo in den Trainingseinheiten mit den Jungs alles einstecken muss, ist eine psychische Belastung. Sie will es allen recht machen, ist völlig angespannt, und weil sie Angst hat, sich mit einem missglückten Torschuss vor den Jungs zu blamieren, zieht sich Jo auf die Verteidigerposition zurück. Aber je mehr sie sich zurückhält und sich damit selbst klein macht, desto mehr schwindet ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstzweifel wachsen. Sie spürt die Ausgrenzung und das Mobbingverhalten einiger Jungs. Besonders Niclas tut sich mit unverhohlener Aggressivität hervor – und keiner der Jungs wagt es, ihm zu widersprechen, weil er sich als wichtiger Stürmer aufspielt. Jo denkt ernsthaft daran, wieder zu ihrem Mädchenverein zurückzugehen.
Ausgerechnet Kubitschek, der skurrile, ziemlich geheimnisvolle Nachbar, gibt Jo wichtige Tipps. Kann er damit erreichen, dass Jo wieder das selbstbewusste starke Mädchen wird, das Tore schießt, ein Ziel vor Augen hat und nicht aufgibt?
Kubitschek ist von Jos Fußballtalent überzeugt und redet ihr zu, sich ein eigenes Unterstützer-Team zusammenzustellen: Wer hält zu Jo, wer ist von ihrer Begabung und ihrem Willen überzeugt? Jetzt merkt Jo, dass sie gar nicht alleine dasteht. Jurek, der junge Trainer, ist von ihrem Potenzial überzeugt. Jos Freundin Betty hilft sofort. Ahmeds Mama findet Jo toll. Eine Schiedsrichterin, rät Jo, ja nicht aufzugeben. Sie findet, dass Jo besser ist als alle anderen.
Interessant ist auch, dass Martina Wildner einen Gegenpart zu Jos Geschichte aufbaut: Ron spielt in Jureks Fußballmannschaft und auch er gehört zu denen, die Jo ausgrenzten. Ron steht auf Breakdance und Hiphop. Als Ron zum Ballett wechselt, wird er von den Ballettmädchen begeistert aufgenommen, bewundert wegen seiner tollen „Moves“ - für die Mädchen ist Ron ein gleichrangiges Mitglied des Balletts, kein Konkurrent. Wie sein Vater ob Rons Wechsel zum Ballett wohl reagieren wird, lässt sich nur vermuten. Dazu muss man wissen, dass Rons Vater ein bekannter Fußballspieler des Blau-Weiß-Fußballvereins war.
Einige unschöne Aspekte bleiben nicht verborgen: Nach einem Turnierspiel gibt es eine handfeste Prügelei zwischen den Vätern, chauvinistische und rassistische Anschauungen brechen auf.
Martina Wildner schreibt überzeugend aus der Perspektive einer jungen Fußballspielerin, die an einer wichtigen Stelle ihrer Karriere steht und sich entscheiden muss, ob sie dem Druck der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten standhält. Jo reflektiert ständig ihr Verhalten - sieht aber äußerst selbstkritisch und skeptisch ihre Aktionen auf dem Fußballplatz. Sie emanzipiert sich schließlich dadurch, dass sie ihre negative Selbstkritik überwindet, indem sie erkennt, dass sie Unterstützer braucht und findet. Sie lernt, wie wichtig es für ihr Selbstwertgefühl ist, die eigenen Stärken zu erkennen und sich darauf verlassen zu können.
Mit ihren einfühlsamen Schilderungen hat Martina Wildner es geschafft, Jos Geschichte authentisch und realitätsnah zu erzählen. Wie nebenbei vermittelt sie den Leserinnen und Lesern auch Hintergrundwissen über Fußballstars, Fußballtraining und Spielzüge rund um den runden Ball.
[ilo 16 Hessen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.