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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Zeise, Lena,     
Titel:
Das wahre Leben der Bauernhoftiere
ISBN:
978-3-95470-240-4  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Zeise, Lena
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Klett-Kinderbuch, Leipzig
Gattung:
Sachliteratur / Sachbilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wie leben die klassischen Bauernhoftiere wie Schweine, Rinder und Hühner, denen wir unzählige wertvolle Nahrungsmittel verdanken, heutzutage wirklich? In diesem Sachbilderbuch bekommt man realistische Einblicke in die gängigen, verbreiteten Formen der Nutztierhaltung. Diese geht mit einem hohen Grad der Mechanisierung/Technisierung einher und widerspricht dem gerade im Kinderbuch verbreiteten idealisierten Bild von glücklichen Tieren auf Wiesen und Weiden.
[SRAn 16 Hessen]
       
Lesealter:
6 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Ja
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Natur / Umweltschutz / Tiere / Arbeitswelt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Angestoßen durch heftige Kritik an der schonungslosen und ehrlichen Darstellung von Massentierhaltung in einem der Bücher des Verlages, wurde klar, dass es kaum ein „ehrliches Bauernhofbuch“ für Kinder gibt. Und ein großer Glücksfall war, dass sich die Künstlerin (Illustratorin und Designerin) Lena Zeise meldete, die laut Selbstauskunft bereits seit ihrer Kindheit Tiere zeichnet. So entstand dieses nicht sehr umfangreiche Sachbilderbuch, das in mehrerer Hinsicht besonders ist:
Zum einen überzeugt die Konzeption und Strukturierung: Den meisten Raum nimmt die Darstellung des (oft sehr kurzen und manchmal qualvoll beengten) Lebens der Tiere in konventioneller oder Massentier-Haltung ein. Gezeigt wird aber auch der Tiertransport zum Schlachthof. Das eigentliche Schlachten wird – glücklicherweise – ausgespart. Aber man erfährt in diesem Abschnitt beiläufig, dass auch die biologisch gehaltenen Tiere ganz genau so geschlachtet werden, wie die anderen. (S. 29) Ökologische Tierhaltung zeigt Zeise anschaulich und im Text immer im Vergleich zur Massentierhaltung an den Beispielen der Schweine,-sowie der Rinder- und Milchkühe-Zucht. Besonders der großzügigere Platz und Auslauf für die Tiere, sowie eine Haltung, die der Art besser gerecht wird ,kennzeichnen diese Tierhaltung. Z..B. behalten die Rinder ihre Hörner, die Schweine ihre Ringelschwänze, die Kühe säugen ihre Kälber und diese bleiben lange bei ihren Müttern. Während in der Massentierhaltung der Nachwuchs gleich von den Muttertieren getrennt wird und je nach Geschlecht sortiert und entweder direkt zur Fleischerzeugung gemästet oder auf das ebenfalls kurze Leben zur Milcherzeugung vorbereitet wird.
Zum anderen ist die sprachliche Gestaltung hervorzuheben: Zeise gelingt die Gratwanderung zwischen sehr sachlichen Informationen über die z.T. nur als unverantwortlich zu bezeichnende Tierhaltung auf der einen Seite und einer zurückhaltend formulierten Kritik, inkl. einer vorsichtigen Parteinahme für artgerechte Tierhaltung, Tierschutz und dem genaueren Hinschauen beim Kauf unserer Lebensmittel andererseits. Dabei bleibt sie immer nah an den kindlichen LeserInnen/BetrachterInnen, nimmt sie mit hinein in die Ställe und erklärt gut und angemessen, wie es dort zugeht. Fachbegriffe werden definiert und erläutert. Ein Beispiel: „Rinder leben meist in großen Herden auf einem Hof. Die weiblichen Tiere, die noch kein Kalb geboren haben, heißen Färsen. Hatten sie schon ein Junges, nennt man sie Kühe. Von ihnen kommt unsere Milch…. Kühe werden meistens morgens und abends gemolken, wenn das Euter voll ist…. Früher gab eine Milchkuh acht Liter am Tag, heute sind es 20 bis 40 Liter…“ (S. 13/14)
Dass es in der konventionellen Nutztierhaltung vor allem um Gewinnmaximierung der großen Massentierhaltungsbetriebe und ihrer Eigentümer geht, wird nicht explizit thematisiert, aber man kann dies zwischen den Zeilen im Subtext mitdenken.
Aber was vor allem echt der Hammer ist – das sind Lena Zeises fotorealistische Illustrationen, die bis in kleinste Details stimmig und naturalistisch die jeweiligen Tiere in Körperhaltung, Farbigkeit und Lebenssituation zeigen. Nicht nur die Tiere zeichnet sie trefflich, sondern auch die Lebensmittel, die wir durch sie gewinnen – die feine Maserung eines Koteletts erkennt man ebenso wie den geschnittenen Aufschnitt.
Ganz zu Recht ist Zeise Buch in der Kategorie „Sachbuch“ auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 zu finden. Die Jury-Begründung betont die Behutsamkeit, Offenheit und das Bemühen um ein differenziertes Bild, das dieses Buch von einem Themenfeld zeichnet, das seit vielen Jahren kontrovers in Gesellschaft und Politik und sehr emotional diskutiert wird.
Ich wünsche diesem Buch jedenfalls sehr viele aufgeweckte und neugierige LeserInnen, die – auch im schulischen Kontext – zum Nachdenken über Tierwohl/Tierschutz und den Speiseplan angeregt werden.
[SRAn 16 Hessen]
  
       

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