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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Hill, Will,     
Titel:
After the fire
ISBN:
978-3-423-65032-8  
Übersetzer:
Ströle, Wolfram
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
480
Verlag:
dtv, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
15,95 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
In dem Buch wird die 17-jährige Moonbeam darüber befragt, wie sie in dem Camp des religiösen Sektenführers Father John gelebt hat. Sie ist nach der gewaltsamen Befreiungsaktion aus dem Camp durch Polizeikräfte, bei der viele Sektenmitglieder gestorben sind, in einer Krankenstation interniert. Durch die Befragungen durch einen Psychologenwird Stück für Stück das ganze Ausmaß des perfiden Unterdrückungsmechanismus des Sektenführers und die physischen und psychischen Folgen für die Überlebenden offenbart. Es zeigt sich, welche weitreichenden Folgen die gestrengen Regeln in dem Camp für die Bewohner – Männer, Frauen und Kinder – hatten und wie nach der „Befreiung“ ihr Denken und Handeln immer noch beeinflusst wird. Ein Roman über die absolute Abhängigkeit im Glauben an einen heilbringenden religiösen Führer.
[PM 16 Hessen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Angst / Gewalt / Religion / charismatischer Führer / relogiöse Sekte
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Story beginnt mit einem Brand in dem abgeschotteten religiösen Camp, als bei der Befreiungsaktion durch Polizeikräfte viele Sektenmitglieder sterben. Die Hauptperson, die 17-jährige Moonbeam überlebt – genauso wie noch andere Kinder. Sie wacht in einem Krankenhaus auf, wo sie versucht, sich unter ständiger Bewachung neu zu orientieren. Jeden Tag erzählt sie einem Psychologen und einem Mitarbeiter des CIA ihre Erfahrungen, die sie in dem Lagermachen musste und welchen Zwängen und Unterdrückungen sie ausgesetzt war. Sie soll damit in einem Selbstfindungsprozess ihre Situation beurteilen. In einer Gruppentherapie trifft sie auch noch auf andere jugendliche Überlebende, was nicht ganz unproblematisch ist.
Der Roman ist in der Befragungssituation geschildert, wobei in vielen Rückblenden die ganze Geschichte Moonbeams aufgedeckt wird, ihre Ängste und ihre zunehmenden Zweifel an den strengen Regeln der Sekte, die in „Offenbarungen des Herrn“ festgehalten sind und gegen die es keinen Widerspruch gibt. Jedes Auflehnen oder Hinterfragen der Regeln werden mit Strafen bedroht, die durch sog. Zenturios durchgeführt werden; z.B. durch Schläge oder durch tagelanges Isolieren in dunklen Containern.
Der Schreibstil ist locker und die Spannung wird dadurch aufgebaut, dass die Protagonistin ihre Erlebnisse nur in Teilen erzählt. Nach jedem Kapitel erfährt man neue unglaubliche Erinnerungen, wobei das Mädchen mit der Zeit ihr Misstrauen verliert, selbstbewusster wird und immer offener ihre Zweifel an der charismatischen Führung äußert. Viele Ereignisse, die für Moonbeam normal sind, schockieren den Leser – und eben im Roman auch den Psychologen und einen hinzu gezogenen FBI-Agenten, beide werden sogar zu ihren Vertrauten
Auch die geschilderten Kinder, die fast alle in dem Camp geboren wurden und von daher nichts anderes kennen, werden vom Autor authentisch geschildert.
Es ist schwer nachzuvollziehen, wie Menschen auch heute noch charismatischen Führern bedingungslos folgen können und z.T. ihr ganzes Leben dafür hingeben oder ihr gesamtes Vermögen spenden. Der Auslöser der Geschichte waren für den Autor die Belagerung und schließlich die Stürmung des Lagers der Sekte Branch Davidians 1993 in Texas.
Insofern ist der außergewöhnliche Roman fesselnd und spannend verfasst und eine Warnung, sich auf dubiose Führerfiguren einzulassen. In der heutigen Zeit mit vielen merkwürdigen Verschwörungstheorien ist das Werk also höchst aktuell.
[PM 16 Hessen]
  
       

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