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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Baltscheit, Martin,     
Titel:
Ben und Teo. Zwei sind einer zu viel
ISBN:
978-3-407-75548-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
128
Verlag:
Beltz, Weinheim
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
12,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Dieses Gedankenexperiment hatten womöglich schon viele Zwillinge: Einmal Einling sein! Kein Verwechseln, kein Vergleichen. Einfach mal für sich sein, die Eltern für sich haben. Doch Einzelkind sein bedeutet auch: einsam sein. Ben und Teo, die Zwillingsbrüder in Martins Baltscheits (autobiografisch geprägten) Kinderroman machen diese Erfahrungen und geraten in ihr bislang aufregendstes Bruderabenteuer.
[friste 16 Hessen]
       
Lesealter:
8 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Gefühle / Kindheit / Streit / Konflikt / Zwillinge / fantastisch / märchenhaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ein Konzert, nach dem Zwillingsbruder Ben sich als der bessere Klavierspieler empfindet, löst einmal mehr Gezanke zwischen ihm und seinem Zwilling Teo aus. Am nächsten Tag finden die beiden am Straßenrand einen Spiegel, der zu verschenken ist. Den Brüdern ist sofort klar: Der muss mit, könnte ja magisch sein! Und tatsächlich, der Spiegel kann die Zukunft zeigen. Er präsentiert den Jungs ihre gemeinsame Zukunft als Zwillingspaar, das miteinander Karriere am Klavier macht, das miteinander alt wird – miteinander verschmelzend, ihre Unterschiede aufgebend, bis keiner von ihnen mehr weiß, wer eigentlich wer ist. Ben gefällt diese Aussicht nicht sonderlich. Als sich die Brüder kurze Zeit später darum streiten, bei wessen Beerdigung wohl mehr Gäste wären, passiert es: Ben fällt rückwärts in den Spiegel. Und damit in ein Parallelleben ohne Zwillingsbruder; Teo bleibt auf der anderen Seite. Und so testen sie zwangsläufig, wie es ist, ohne den anderen zu leben. Während es beiden zunächst genial vorkommt, die Eltern und deren Aufmerksamkeit und Zuneigung nicht teilen zu müssen, sehen sie bald ein, dass es schmerzhaft sein kann, auf die Unterstützung des jeweils Anderen zu verzichten. Doch gerade als sie feststellen, dass sie zu zweit besser sind und wieder miteinander in der echten Welt vereint sein wollen, funktioniert der Spiegel nicht mehr! Mama hat das alte Ding reparieren lassen und jetzt ist nichts mehr mit Zauberspiegel … Da die Eltern sich nicht daran erinnern können, jemals zwei Söhne gehabt zu haben, ist das Verständnis für Bens Sorge gering. Als der Spiegel dann auch noch zu Bruch geht, ist brüderlicher Zusammenhalt dringend erforderlich. Ob die Inhaber des Spiegelgeschäfts wohl dabei helfen können, die Brüder wieder zu vereinigen?

Sandra Brandstätter, deren Illustrationskunst jüngeren LeserInnen von "Trudes Tier" ("Sendung mit der Maus") her bekannt vorkommen dürfte, verleiht den Buchszenen gekonnt Leichtigkeit. Die Illustrationen haben ein gutes Timing und lassen so eine ausgeglichene Harmonie zur Sprache Baltscheits entstehen. Elemente des Comic werden an passenden Stellen platziert, ohne zu dominant zu werden, wohl aber, um die Stimmung im Text zu unterstreichen.

Der Spiegel als traditionelles mittel der Schwellenüberschreitung in der Phantastischen Literatur bietet sich förmlich dazu an, ein anderes Leben, ein Leben ohne Geschwisterkind, zu betreten. Martin Baltscheit erschafft für sein Was-wäre-wenn-Szenario eine Parallelwelt, die es jedem Zwilling ermöglicht, einmal ohne den Anderen Erfahrungen zu machen, quasi Einling zu sein. Die Jungen kommen dabei zu der Erkenntnis, dass der Untertitel des Buchs („Zwei sind einer zu viel“) nicht der Wahrheit entspricht und sie nur als Paar funktionieren. Sich dennoch der eigenen Identität bewusst zu werden, die Besonderheiten der eigenen Persönlichkeit kennenzulernen, ist eine fundamentale Erfahrung für alle Kinder. Für Zwillinge stellt sich diese Aufgabe als besonders herausfordernd dar. Denn eines bleibt gewiss: Das Leben als Zwilling dürfte immer magisch sein – auch ganz ohne Zauberspiegel.
[friste 16 Hessen]
  
       

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