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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Gratz, Alan,     
Titel:
Amy und die geheime Bibliothek
ISBN:
978-3-446-26211-9  
Übersetzer:
Piel, Meritxell Janina
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
248
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die Bibliothek ist das zweite Zuhause der neunjährigen Amy Anne Ollinger. Während sie angeblich die Schach-AG besucht, verbringt Amy die Zeit mit dem Schmökern von ausgeliehenen Büchern. Doch plötzlich lichten sich die Regalreihen, denn die Bücher werden verbannt.
[magic 16 Hessen]
       
Lesealter:
8 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Schule / Schüler / Streit / Konflikt / Zensur / Literatur
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Amys absolutes Lieblingsbuch trägt den Titel ‚Gilly Hopkins – Eine wie keine‘, sie hat es bereits mehrfach ausgeliehen, häufiger als alle anderen Bücher, die zu ihren Favoriten in der Schulbibliothek gehören. Als der mit der Bibliothekarin, Mrs. Jones, vereinbarte Pausen-Zeitraum, in dem ein Buch nicht zum zweiten Mal ausgeliehen werden darf, um auch anderen Kindern eine Chance zum Lesen zu geben, vorüber ist, sucht Amy vergeblich ihr Buch. Mrs. Jones erklärt ihr, dass die Elternbeiratsvorsitzende, Mrs. Spencer, bewirkt habe, das Buch aus der Bibliothek zu verbannen, weil es für die Grundschulkinder ungeeignet sei. Noch in dieser Woche solle der Schulausschuss tagen und entscheiden, ob es bei der Verbannung bestimmter Bücher bleibe oder nicht. Mrs. Jones bittet Amy, dort vorzusprechen und mit ihr gemeinsam überzeugende Gründe zu nennen, warum dieser Beschluss der Eltern rückgängig gemacht werden solle. Spontan stimmt Amy zu, aber trotz optimaler Vorbereitung bekommt sie vor dem Schulausschuss keine Silbe heraus – die Verbannung bleibt bestehen und erweitert sich sogar auf andere Bücher.
Mit Unterstützung ihrer Freundin Rebecca, die in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und Rechtsanwältin werden will, und Danny, einem Mitschüler, richtet Amy in ihrem Spind die Geheime Schließfachbibliothek (G.S.B.) ein. Schon bald entsteht eine rege Ausleihe, manche Schüler bringen Bücher zum Entleihen mit, andere leihen aus. Selbst Trey, Mrs. Spencers Sohn, bittet Amy eines Tages um ein Buch. Diese ist unsicher, ob sie sich auf einen so gefährlichen Schritt einlassen solle: Einerseits hat Trey sie im vergangenen Schuljahr mit einer Zeichnung beleidigt, andererseits lernte sie ihn im Rahmen einer Partnerarbeit über Grundrechte als Mensch mit Humor und Witz sowie mit einer großen Begabung, Comics zu zeichnen, kennen. Schließlich gibt sie Treys Bitte nach und leiht ihm ein ‚verbanntes‘ Buch aus. Doch schon am nächsten Tag muss sie erkennen, dass das Schicksal ihrer G.S.B. an einem seidenen Faden hängt: Die Direktorin lässt Amys Spind aufbrechen und findet dort nicht nur die Bücher, die Mitschüler zur Verfügung gestellt haben, sondern auch Bücher, die Amy, Danny und Rebecca aus der Bibliothek vor der Verbannung ‚gerettet‘ haben. Wie immer schweigt Amy, denn sie hat sich schon vor langer Zeit in ihre eigene Gedankenwelt geflüchtet und spricht nie aus, was sie bewegt. Dieser Vorfall hat Folgen: Amy erhält drei Tage Unterrichtsausschluss, Mrs. Jones muss die Schule verlassen. Ihre Ansicht, dass Eltern das Recht hätten, zu entscheiden, was ihr Kind lesen dürfe oder nicht, diese Entscheidung aber nur für das eigene Kind gelten könne, widerspricht dem Vorgehen des Schulausschusses, pauschale Aussagen zu treffen. Weiterhin wird der Bibliothekarin ein Zusammenhang zu Amys Vorgehen unterstellt. Doch das ‚Ende‘ wird gleichzeitig zum Neustart: Die Grundschulkinder nehmen den Kampf gegen die Zensur durch die Eltern auf, Amy wächst über sich hinaus und erkennt, dass das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ nicht für alle Lebenslagen passt.
Im Nachwort wird darauf hingewiesen, dass die im Buch thematisierte ‚Zensierung‘ von Büchern bzw. Schulbibliotheken die Realität in den USA widerspiegelt. Die Freiheit der Lektüreauswahl fällt zunehmend den Beschwerden von Eltern zum Opfer, die die Bücher als ‚ungeeignet‘ einschätzen. In einer Zeit, in der das Lesen sowieso in erschreckendem Maße abnimmt, sollte der Ruf nach ‚Leseförderung‘ laut und nicht das Recht auf freie Meinungsbildung durch zensierende Maßnahmen unterbunden werden. Um diese Aspekte mit Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Unterrichts zu diskutieren, bietet das Buch eine sehr gute Basis.
[magic 16 Hessen]
  
       

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