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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Witte, Tanja,     
Titel:
Die Stille zwischen den Sekunden
ISBN:
978-3-401-60474-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
288
Verlag:
Arena, Würzburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wie es sich anfühlt, wenn man fast gestorben ist? -Das wollen alle wissen, seit Mara nur knapp ein Bombenattentat mit vielen Toten und Verletzten in der U-Bahn überlebt hat. Sie sorgt sich aber hauptsächlich um ihre beste Freundin Sirin, die abgetaucht zu sein scheint. Nur über das Handy gibt es noch Kontakt. Was ist bloß los?
[SRAn 16 Hessen]
       
Lesealter:
14 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Sterben / Tod / Trauma
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Mara ist 16 und lebt mit ihrer jüngeren Schwester Lilly mit ihrer liebe- und verständnisvollen Mutter und deren Lebensgefährten Thorsten zusammen. Mara ist ein zurückhaltendes Mädchen, das wenig gibt auf all die Aufgeregtheiten der anderen in der Schule. Sie hat wenige enge FreundInnen und die Wichtigste von allen ist die kurdischstämmige Sirin, mit der sie alle geheimen Wünsche und Gefühle teilt. Zusammen betreiben die beiden einen Kochblog mit dem hübschen und sehr passenden Namen „Blickwechsel“ – sie machen aus dem Besten was die kurdische und die deutsche Küche zu bieten haben eigene Kreationen und begeistern damit eine ganze Menge Follower im Internet. Fast ununterbrochen sind sie über Chats und das Handy im Kontakt.
Bis zu diesem Tag im November, der für beide alles verändern wird.
Nicht nur, dass Mara ihre Mutter als „Verräterin“ empfindet, weil diese versehentlich das Geheimnis der beiden Mädchen gegenüber Sirins Eltern ausgeplaudert hat, sondern auch weil sie irritiert ist angesichts des Schweigens ihrer Freundin nach der verhängnisvollen U-Bahn-Fahrt: „Was fing man mit einem Tag an, wenn es niemanden gab, dem man Nachrichten schreiben konnte? Selbst Youtube machte keinen Spaß.“ Und dann ist da noch Chriso aus der 12. Klasse, der von gefühlt jedem zweiten Mädchen als Video-Blogger (im Text jugendsprachlich nur als „Vlogger“ benannt) angehimmelt wird. Seit einer kurzen Begegnung vor einiger Zeit geistert er immer wieder durch ihre Gedanken und richtet ein Gefühlschaos an. Und jetzt hat er etwas von dem Anschlag mitbekommen und möchte mit ihr sprechen. Zunächst ist sie misstrauisch und entzieht sich. Sie will glauben, dass Sirins Eltern ihr den Kontakt zu ihr verboten haben oder sie sogar im Irak verheiraten wollen. Die Chats mit der Freundin werden immer seltsamer und auch der Leser/die Leserin des in der Ich-Perspektive aus der Sicht Maras erzählten Romans bekommt zunehmend das Gefühl, dass Mara sich etwas vormacht und Sirin vielleicht etwas passiert ist, wie es deren Bruder Adyan behauptet. Als sie sich endlich zu einem Treffen mit Chriso entschließt, muss sie die furchtbare Wahrheit erfahren und nach diesem Schock langsam zurück in ein Leben ohne Sirin finden.
Tania Witte erzählt die Geschichte einer Traumatisierung zugleich fesselnd und authentisch. Es gelingt ihr überzeugend in Erzählhaltung und Tempo sowie in der Sprache des Textes (sowohl medial als auch real jugendsprachlich), nah bei ihrer Heldin zu sein, Ihre Charaktere, allen voran Mara und Sirin, sind in ihren Handlungen, ihren Gedanken und Gefühlen differenziert gezeichnet. Familiäre Hintergründe, wie auch gesellschaftliche und kulturelle Aspekte der Lebensverhältnisse der Jugendlichen kommen unaufgeregt zur Sprache und bilden eine glaubwürdige Folie für die Entwicklung der engen Freundschaft der beiden Mädchen.
Im Layout finden sich Chatverläufe und Nachrichten als Sprechblasen und Emojis erkennbar abgesetzt, was dem Habitus oder der „Ättitjuhd“ (von Sirin so gesprochen) der hier gezeigten Kommunikation zwischen den Jugendlichen entspricht.
Im letzten Kapitel des Romans versucht Mara in einem fiktiven Brief an Sirin, die Seelenverwandte, die Schwester, den Abgründen ihres Traumas, ihrer unendlichen Trauer zu nähern und sie zu bearbeiten.
Ein unbedingt lesenswerter Roman, der facettenreich, stimmig und überzeugend von einer besonderen Freundschaft und dem Schrecken eines elementaren Verlusts erzählt.
[SRAn 16 Hessen]
  
       

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