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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Gratz, Alan,     
Titel:
Vor uns das Meer
ISBN:
978-3-446-26613-1  
Übersetzer:
Piel, Meritxell Janina
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
300
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
17,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Danach bist du nicht mehr dieselbe – eine packende Erzählung durch die Jahrzehnte von Jugendlichen auf der Flucht.
[AHM 15 Hamburg]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Flucht /Coming-of-Age
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Hoffnung. Es ginge darum, die Hoffnung und die Möglichkeiten zu zeigen, die sich aus einer gelungenen Flucht ergeben, sagte Arash T. Riahis anlässlich der Aufführung seines Films „Ein Augenblick Freiheit“ 2008. Hoffnung ist ein besonderes Motiv in der Erzählung über Flucht, weil sie so eindringlich wie kaum ein anderes Gefühl beschreibt, warum Menschen sich in Gefahr begeben, um einer anderen Gefahr zu entrinnen. Als Motiv ist sie ein literarisches Mittel, das Schreckliche außerhalb der Literatur zu bearbeiten. Alan Gratz ist es gelungen, diese Hoffnung in seinen Figuren lebendig zu machen.
Als Referenzfolie dient ihm eine atemlose Spannung, die die Flucht dreier Jugendlicher in unterschiedlichen Jahrzehnten bestimmt. Josef, der 1939 aus Deutschland nach Kuba flieht, Isabel, 1994 auf dem Weg von Kuba nach Miami und Mahmoud, der sich 2015 mit seiner Familie aus Syrien nach Europa begibt – sie alle befinden sich auf einem Weg, der die Hoffnung immer wieder im Warten münden lässt. Dieses Warten ist kein ruhiges, kein kontemplatives – Gratz lässt seinen Figuren keine Zeit zum Luftholen, im wahrsten Sinne des Wortes. Egal, ob sie auf dem Schiff vor Kuba, vor den USA oder vor Europa verharren – ihr Warten ist rasant, ständig in Bewegung, springend und ruhelos, weil es die Protagonist*innen pausenlos in Angst und Gefahr versetzt. Stehen bleiben bedeutet ihnen den möglichen Tod.
Damit schafft Gratz eine Atmosphäre, welche die Lesende selbst in Unruhe und in eine dauerhafte Spannung versetzt – eine empathiebildende Glanzleistung dieses Jugendromans. Verstärkt wird diese Unruhe durch das Hin- und Herhüpfen zwischen den jeweiligen Erzählungen der drei Protagonist*innen und damit zwischen Raum und Zeit. Und so schafft dieser Roman ein Bild von Flucht, in dem eine kulturell-emotionale Konstante von Flucht und ihren Menschen entsteht: Das gehetzte Warten, dieses nicht-verweilen und ausruhen können, weil sonst das eigene Leben oder das der Familie in Gefahr ist und das ohne die Hoffnung nicht auszuhalten ist.
Nicht von ungefähr ist deshalb der Ort, auf dem sich die drei Protagonist*innen befinden, das Meer. Sein Raum wird in Gratz Erzählung zum Ort der Flüchtlinge, zum Raum, der ihnen gehört - über Jahrzehnte hinweg. Symbolisch und faktisch wird dieses Meer für Isabel, Josef und Mahmoud zum Ort des hastigen Wartens, des Sterbens aber auch der Hoffnung, dass es die Kinder irgendwann lebend ans Land spült.

Astrid Henning-Mohr
[AHM 15 Hamburg]
  
       

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