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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Wilpert, Bettina,     
Titel:
Nichts, was uns passiert
ISBN:
978-3-442-71890-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
165
Verlag:
Goldmann, München
Gattung:
Sonstige
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
19,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Anna übernachtet nach einer Party bei Jonas. Er wird später sagen, dass die beiden einvernehmlichen Sex hatten. Anna wird eine Vergewaltigung zur Anzeige bringen.
[mma 15 Hamburg]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Vergewaltigung / Sexualität / Gender / Geschlecht / Emanzipation / Gewalt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der im Teaser aufgeworfene Kontrast zwischen Annas und Jonas' Rückblick auf die verhängnisvolle Nacht prägt den ganzen Roman. Jeweils abwechselnd bekommen die Lesenden ihre und seine Vorgeschichte und die verschiedenen Folgen des Vorfalls präsentiert. Der Reiz des Buchs liegt dabei auf der Ebene des Inhalts und weniger in der sprachlichen Gestaltung begründet.
Besonders beeindruckt das realistische Setting im progressiven Connewitz zur Hochzeit links-antideutscher Subkultur. Dass gerade hier einem reflektierten und umgänglichen Doktoranden eine solche Tat vorgeworfen wird, spitzt die Perspektiven auf die Geschehnisse anhaltend zu. Auf Seiten Annas erscheint mir der Umgang mit der schrecklichen Nacht als nachvollziehbar und realistisch: das erfolglose Googeln, das Anvertrauen gegenüber Bezugspersonen und die erlebte Stigmatisierung als Opfer. Jonas bleibt dagegen allein und wird von seinem Umfeld von nun an als Täter abgestempelt. Er verliert seinen Freundeskreis und seine Doktorandenstelle.
Das Buch liefert keine einfachen Lösungen, keine simplen Schuldzuweisungen, sondern stellt die Komplexität des gesellschaftlichen Umgangs mit solchen Verbrechen bzw. Anschuldigungen dar.
Irritierend ist dabei die sprachliche Darbietung. So fangen unzählige Sätze mit "Dass" an, ohne in einem anschließenden Hauptsatz aufgelöst zu werden. Dieses Gedanken ausdrückende Stilmittel findet sich bei mehreren Figuren und wirkt auf mich etwas zu stark beansprucht. Schließlich denken nicht alle Menschen in dieser syntaktischen Struktur. Dies passt natürlich zur ganz bewusst schmucklos gehaltenen Sprache. Die Nähe zum dargestellten Milieu wird dabei also durchaus glaubhaft evoziert.
Führt man sich vor Augen, dass die wenigsten Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht werden, aber sehr viele Frauen Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen, kann man das Buch nur als absolut notwendig bezeichnen. Wir müssen über diese Dinge sprechen. Der Roman bietet die Möglichkeit, für ältere Jugendliche hierfür einen Schutzraum zu schaffen, in dem über den Umgang mit sexueller Gewalt reflektiert werden kann.
Marco Magirius
[mma 15 Hamburg]
  
       

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