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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Poznanski, Ursula,     
Titel:
Cryptos
ISBN:
978-3-7432-0050-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
444
Verlag:
Loewe, Bindlach
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
19,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann. Doch dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook ein Verbrechen. Und Jana ist gezwungen, zu handeln.
[est 15 Hamburg]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Ja
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Computer / Arbeitswelt / Ethik / Klima / Science Fiction / Thriller
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Für keine meiner Welten musste ich vorab so intensiv recherchieren. Ich würde alles an der Kreidezeit ausrichten. Die im Englischen Cretaceous heißt, was deutlich besser klingt. Die Vielfalt der Lebewesen war in dieser Periode großartig und optisch unbezahlbar. Ich habe alles hier angesiedelt, was spektakulär und wissenschaftlich korrekt ist. Anzukommen ist jedes Mal ein kleiner Schock – die Hitze und die Gerüche machen einen schwindelig.“
Beim Lesen von Cryptos entstehen sofort Bilder im Kopf. Das zwölfte Jugendbuch der preisgekrönten Autorin Ursula Poznanski wirkt wie ein literarischer Weltenwechsel, der weit über Computerspiele hinausgeht.

Also willkommen in den virtuellen Welten des Weltkonzerns Mastermind: Für jeden ist etwas dabei. Ob am Strand abhängen, Monster töten, im Mittelalter oder 2021 so zu leben, wie die Urahnen, ob im Dschungel oder im Sinfonieorchester, alles macht Mastermind möglich. Mit Weltenpässen, Bonuspunkten, mit Wunschgesicht und Wunschfigur, und häufig mit gutem Essen. Wer virtuell stirbt, transferiert sich in eine andere Welt. Denn die reale Welt ist in 200 Jahren nicht mehr lebenswert: zu heiß, zu trocken, teilweise untergegangen und vielen Klimakatastrophen ausgesetzt. Die 10 Milliarden Menschen schlafen nachts allein in ihrer Fünf-Quadratmeter-Kapsel, kaum einer bleibt tagsüber in der realen Welt.
Zu den wenigen gehört Jana, die stolz darauf ist, zur Designerin neuer Welten ernannt worden zu sein. Als in ihrem irischen Dorf Kerrybrooks ein realer Mord passiert, gerät Jana selbst in Schwierigkeiten. Sie flüchtet vor der Bedrohung durch viele Welten, bis sie nach Cryptos gelangt, eine Welt, die Mastermind verborgen ist, wo sie mit Gleichgesinnten das Ausmaß der Verschwörung entdeckt.

Eine beklemmende Dystopie. Schon jetzt verbringen viele Menschen viel Zeit in virtuellen Welten, kümmern sich nur um ihr eigenes Wohlergehen und halten den Klimawandel für ein Gerücht. Schon jetzt konzentriert sich zu viel Macht bei wenigen Firmen.

Es macht Spaß, der Ich-Erzählerin Jana lesend durch die fantasievoll ausgemalten Welten zu folgen. Der Roman wird flüssig im Präsens erzählt. Eine Zukunft, wie sie in Cryptos von der Autorin gut durchdacht beschrieben wird, ist sehr gut vorstellbar, weil vieles bereits heute aktuell ist. Es fällt leicht, in die virtuellen Welten einzutauchen, sich zu überlegen, wo man selbst sich am liebsten aufhalten würde, seine Glieder in der Hitze zu entspannen oder seinen Nacken in einer wilden Verfolgungsjagd anzuspannen.

Eine Taube von einem Pfeil durchbohrt. Das ist das Symbol des Widerstandes: Wie David gegen Goliath wirkt der Kampf der kleinen Cryptos-Gruppe gegen den Konzern Mastermind. Es wirkt spannend, nach und nach immer mehr Details über Machtverhältnisse, das Projekt Minus3 oder auch über den Alltag in Overalls mit einer Nährlösungszuleitung und einer Exkrementeabsaugung zu erfahren. Die Spannung steigt bis zum Ende. Während die Gedanken und Gefühle der mutigen und selbstlosen Protagonistin klar zum Ausdruck kommen, wirken ihre Verbündeten und Gegner zum Teil klischeehaft und blass.
Cryptos als die Guten, die Alphas vom Konzern Mastermind als die Bösen; alle sind klar definiert. Trotz der Schwarz-Weiß-Malerei eine spannende Klimafiktion, die nicht nur für Jugendliche interessant ist.
[est 15 Hamburg]
  
       

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