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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Jäger, Sarah,     
Titel:
Nach vorn, nach Süden
ISBN:
978-3-499-00239-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
223
Verlag:
Rowohlt, Reinbek
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wir alle starren auf den Liegestuhl, der so fröhlich gestreift in unserer Mitte steht. Und ich muss plötzlich an all die Kindergeburtstage denken, an immer wieder nach Jerusalem. Doch diesmal ist es anders. Wer sich zuerst auf den Liegestuhl setzt, der ist raus. Wer sich zuerst setzt, der hat verloren, der hat diesen Sommer für immer verloren.
[est 15 Hamburg]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
„Will ein Mensch dazugehören, dann muss er im Hinterhof abhängen. Aber es gibt Momente, da merkt man, dass das nicht reicht… Wir spielen nicht im gleichen Team. Vielleicht ist es gar nicht die gleiche Sportart. Die spielen Fußball. Ich spiele Pingpong. Und ich wundere mich, dass ich die Regeln nicht kapiere. Wie auch. Im Pingpong gibt es kein Abseits, glaube ich zumindest, ich habe absolut keine Ahnung vom Pingpong. Aber auf dem Hinterhof ist das meine Position.“
Auf dem Penny-Hinterhof verbringen die Aushilfen ihre Pausen. Marie, Vika, Unser Pavel, Jo, Otto, Yasmin, Can - nur die Ich-Erzählerin wird Entenarsch genannt. Sie hasst Jo, der ihr diesen Namen verpasst hat. Sie mag Can, der immer so gute Einfälle hat. Sie sucht nach Anerkennung, aber “niemand hebt den Kopf, nicht jeder wird im Hinterhof vermisst“, wenn sie dazu kommt.
Als Jo verschwindet und Marie sich Sorgen um ihn macht, ist Entenarsch die einzige mit Führerschein und einem Corsa. Ohne jegliche Fahrpraxis. Ein ganz besonderes Roadmovie: ein heißer Sommer ohne Klimaanlage, in dem ein Musikfestival mit den Blümchenschlüppers, ein Corsa-Wrack, eine Erbsendose, ein Kleinkind, Fulda, viel Penny-Atmosphäre, ein Wohnmobil, Lady Gaga T-Shirts und Pistazieneis ihre Rolle spielen.

In diesem Roman tauchen die Lesenden in die Welt des Penny-Hinterhofes ein: Kein Plan, kein Geld, zusammen abhängen, alles fidschi. Der Hinterhof als Familienersatz für Jugendliche mit einer eher schwierigen Familiengeschichte, deren Hauptgemeinsamkeit der Job bei Penny ist. Die einzelnen Charaktere und die Gruppendynamik kommen klar zum Ausdruck.
Hinter dem Penny-Markt gibt es nicht nur besondere Namen, sondern auch eine besondere Sprache und die Penny-Markt-Poesie in Elfchen:

Marie
Du wunderschöne
Königin der Erbsen
Ich denk an dich
Jo

Die Hitze des Sommers ist allgegenwärtig. Immer weiter geht es nach Süden.
„Wieviel Uhr ist es, neun? Und schon verschissene fünfzig Grad. Das wird heute geschmeidig aus dem letzten Loch, meine Freunde“, findet Can. „Er zieht sein T-Shirt über den Kopf und wischt sich mit Lady Gaga den Schweiß vom Gesicht.“ Am Ende heißt es: „Wir sind nur noch ein Häuflein Dörrobst“

Die Geschichte lebt durch ein schnelles Erzähltempo und viele originelle Dialoge, die auch mal komisch oder philosophisch wirken. „Als mein Bruder gestorben ist, das war wie so ein Tornado, der einem Haus das Dach wegreißt. Ich hab versucht, ein Dach zu sein, aber es regnet durch, weil ich nun mal kein Dach bin. Ich bin eine Wand oder eine Tür.“

Die Ich-Erzählerin schmeißt ihr Studium, opfert ihren Corsa, ihre Zeit und sogar das Geld auf ihrem Sparbuch, um endlich dazuzugehören. Einige Momente lang gelingt das. Doch zurück auf dem Hinterhof ist sie doch wieder nur der Entenarsch, die geduldete Außenseiterin, die man leicht übersieht. Bis es ihr reicht und sie alleine mit dem Wohnmobil über die gefürchtete Autobahn abhaut. Nicht nach Süden, sondern nach Norden.
Sie erkennt, dass der Wille ihrer Eltern nicht ihr Weg ist. Sie findet Jo, und ganz am Ende des Buches erfahren wir endlich ihren richtigen Namen.

Der Debütroman von Sarah Jäger wurde im Mai 2020 als Jugendbuch des Monats von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet und im März 2020 mit dem LUCHS-Preis von DIE ZEIT und Radio Bremen.

Ein Sommer-Roman, der das Lebensgefühl einer Jugendclique perfekt zum Ausdruck bringt.
[est 15 Hamburg]
  
       

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