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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Kissel, Vera,     
Titel:
Frei Schwimmen
ISBN:
978-3-570-31110-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
253
Verlag:
cbj, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
9,99 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Es ist Sommer in Berlin. Lukas hat zwei Wochen sturmfrei und könnte eigentlich machen, was er will. Doch es gibt etwas, was Lukas nur erledigen kann, solange seine Mutter nicht da ist - das Geheimnis um seinen Vater lüften, über den niemand reden will.
[est 15 Hamburg]
       
Lesealter:
12 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Angst / Gefühle / Pubertät / Tod / Katastrophe
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Lukas ist in den Ferien zum ersten Mal allein zu Haus. Er hängt rum, trifft sich mit seinem Freund Birol, der wie ein älterer Bruder ist, traut sich nicht, Kontakt zu Annika aufzunehmen und schwimmt wie ein Besessener jeden Tag drei Kilometer. Im Hallenbad, so wie es auf dem Cover zu sehen ist.
Die Welle kommt und ich und ich. Steck fest. Lukas träumt häufig von der Welle, die seinen Vater vor zehn Jahren in Thailand getötet hat. Seinen Vater, der mit ihm ein rotes Modellflugzeug hat steigen lassen. Zuerst kommt Papa immer zu mir, wusste Lukas. Anja, die Mutter, schweigt den Vater tot. Die-kann-mich-mal. Die-kann-mich-mal. Die-kann-mich-mal. In der Schule sagt Lukas manchmal, er sei ein Kind aus der Retorte.

Lukas findet einen Brief in einem alten Buch, er entdeckt, dass sein Vater nicht allein in Thailand war. Er findet Kim und ist geschockt, dass Kim ein Mann ist. „Du schwule Sau!“, schreit er ihn an. Trotzdem sucht er seine Nähe. Jedes Mal bei Kim entdeckt Lukas mehr von seinem Vater. Wie er starb. Dass er keine Erdbeeren mochte und Stühle gelb bemalte. Kim zeigt Lukas die Humboldthöhe, den Lieblingsplatz seines Vaters, und schenkt ihm Fotos.
Als Anja entdeckt, dass Lukas sich mit Kim getroffen hat, bekommt Lukas Hausarrest. Er flüchtet mit Birol ans Meer. Ihr-kriegt-mich nicht. Ihr-kriegt-mich-nicht. Ihr-kriegt-mich-nicht. Bis Anja sich entscheidet, mit ihrem Sohn über den Vater zu reden.

„Frei Schwimmen“ ist Vera Kissels Erstlingswerk, es erschien unter dem Titel „Was die Welle nahm“ bereits 2012 im Dressler Verlag. Es wurde damals für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert. 2015 erschien bei Dressler die Fortsetzung „Der Glückssucher“.

Die Autorin verwebt die besonderen Themen Tsunamikatastrophe, Homosexualität und Wahrheit literarisch anspruchsvoll mit den normalen Themen der Pubertät Selbstfindung, Alkohol, Ausreißen, über die Stränge schlagen und Freundschaft. Die Berliner Szenerie passt gut dazu – bis hin zu Knuth, dem Eisbären. Nicht nur der Protagonist, sondern auch seine Mutter, sein Freund und Kim werden überzeugend dargestellt. Die Suche des Protagonisten nach seiner eigenen Identität erzeugt eine emotionale Spannung, die die Lesenden mit hineinziehen. Seine Trauer, Wut und Verzweiflung lassen sich an der Sprache gut erkennen. Der Ich-Erzähler spricht seinen Vater immer direkt an, als könne er mit ihm noch reden. Lukas Gedanken erscheinen oft als kurze Gedankenblitze. Nein. Da. Ist es ja. Immer seltener kommen die Katastrophenträume.

Die 253 Seiten lesen sich schnell und sind nicht nur für Jugendliche interessant.
[est 15 Hamburg]
  
       

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