AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

9732 aktuelle Rezensionen, weitere 74095 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Alexander, Nora,     
Titel:
Opa und die Nacht der Wölfe
ISBN:
978-3-7891-0954-6  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Christians, Julia
Seitenanzahl:
205
Verlag:
Oetinger, Hamburg
Gattung:
Erzählung
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
14,00 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Das Thema Demenz eignet sich nicht für ein Kinderbuch? „Opa und die Nacht der Wölfe“ von der Autorin Nora Alexander lehrt alle, die so denken, eines Besseren. Der Plot des Romans hat einen ernsten Hintergrund, nämlich die Demenzerkrankung des Großvaters. Doch die Autorin erzählt locker und lustig vom Alltag und der Freundschaft des 9-jährigen Ollis und seinem Opa, der etwas anders ist als andere Erwachsene.
[jha 15 Hamburg]
       
Lesealter:
8 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Alter / Familie / Freundschaft / Kindheit / Krankheit
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Nora Alexander arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Senioren und hat nun mit „Opa und die Nacht der Wölfe“ ihr erstes Kinderbuch geschrieben. Der Senior, um den es in ihrem Roman geht, ist schwer an Demenz erkrankt. Sein großes Glück ist, dass er bei seiner Familie leben darf. Die jungen Menschen kümmern sich rührend um den alten Herrn, allen voran Olli, sein 9-jähriger Enkel. Dieser springt immer dann ein, wenn Mama und Papa keine Zeit haben oder eine Pause brauchen. Olli liebt seinen Großvater und tut dies gerne, doch manchmal ist es auch wirklich unpassend, den Opa im Schlepptau zu haben. So auch zu Beginn des Buches. Olli will zu einem Bandentreffen. Es geht darum, gemeinsam mit seinen Jungs zu überlegen, wie sie ihren Feinden, den „Löwen“, den fiesen Angriff mit rosa Sprühfarbe auf ihr Banden-Hauptquartier heimzahlen können. Und zu diesem wichtigen Treffen soll Olli Opa mitnehmen? Olli versucht, Mama zu erklären, dass dies wirklich unpassend ist. Doch diese lässt sich nicht erweichen und so geht es gemeinsam zum Spielplatz.

„Am besten gehst du vorher nochmal aufs Klo“, sagt er und macht Opa schon mal die Tür auf.
Aber Opa will nicht.
„Brauch ich nicht“, nuschelt er, und weil er sein Gebiss nicht angezogen hat, klingt es ganz blubberte.
„Im Park kann man Pipi machen, wenn man will!“
Nein, kann man nicht, denkt Olli. Aber er sagt es nicht. Auch nicht, dass Opa besser seine Zähne reinmachen soll, weil er ohne ganz schön gruselig aussieht.
Ob man den Löwen mit Opas Gruselgesicht wohl einen ordentlichen Schrecken einjagen könnte? So im Dunkeln? Beim alten Friedhof? Vielleicht halten sie Opa ja für einen Zombie...
Olli unterdrückt ein Kichern. Dann guckt er Opa streng an und sagt: „Zieh deinen Mantel an, draußen ist es kalt.“
Aber Opa will keinen Mantel. Er klammert sich an seine kirschrote Sommerjacke.
„Mir ist warm“, ruft er und reckt das Gesicht zum Flurfenster. Durch das scheint die Märzsonne genau auf die Nase.
„Schau doch, Sommer!“
Oh man!
„Und was ist dann das da?“ Olli macht das Flurfenster auf, nimmt ein bisschen von dem frisch fallenden Puderzuckerschnee in die Hand und hält ihn Opa hin. „Sand vielleicht?“
Opa sagt nichts. Er nimmt den Schnee von Ollis Hand und steckt ihn in den Mund.
„Eis“, strahlt er.
Und auf einmal ist Olli gar nicht mehr sauer auf Opa. Er sieht Opas Augen, die einen nicht mehr richtig angucken können, sondern dauernd woanders hinschauen. Er sieht Opas Hände, die zittern und wohl nie wieder Pfeile oder Holzpferdchen schnitzen können. Er sieht Opas Schuhe, die vorne einen Klettverschluss haben, weil er keine Schnürsenkel mehr binden kann. Und in Ollis Hals steckt schon wieder ein Kloß. Aber diesmal ist es ein Kummerkloß.“ (S. 15 f.)

Die Krankheit Demenz wird an keiner Stelle des Buches explizit benannt, aber Nora Alexander beschreibt deutlich, wie sehr die Demenz einen Menschen verändern kann und wie kurios der Alltag mit ihnen dann plötzlich sein kann. Der obige Textausschnitt zeigt den lockeren, herzlichen Schreibstil der Autorin. Nora Alexander rückt die Thematik in das Bewusstsein der Leser, aber hinterlässt keinen „Kloß“. Vielmehr ist das Umfeld des Großvaters dieser Geschichte so rührend und gleichzeitig lustig und abenteuerlich, dass man nur allen Erkrankten eine so schöne Zeit wünschen kann.

Die Geschichte wird am Anfang eines jeden Kapitels von den liebevollen Schwarz-Weiß- Illustrationen Julia Christians unterstützt. Das „Harzer Urgestein“, wie es in der Kurzbiografie zu Beginn des Buches heißt, hat an der HBK Braunschweig Kommunikationsdesign studiert und arbeitet nun als freiberufliche Illustratorin.

Ein rundum empfehlenswertes Buch, das sich sowohl für den Büchereigrundstock als auch als Klassenlektüre empfehlen lässt.
[jha 15 Hamburg]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.