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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Tordasi, Kathrin,     
Titel:
Brombeerfuchs - Das Geheimnis von Weltende
ISBN:
978-3-7373-5693-0  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
380
Verlag:
Fischer Sauerländer / Meyers / Duden, Frankfurt/Main
Gattung:
Fantastik
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ohne zu ahnen, was sie tut, öffnet Portia dem Gestaltwandler Robin Goodfellow die Tür zum Niemandsland, dem Land zwischen der Menschenwelt und dem Feenreich. Wie schon eine Gruppe junger Leute vor vielen Jahren, macht auch sie sich keine Gedanken darüber, ob sie die Tür nicht lieber wieder abschließen sollte, und so kann der Graue König, der den Nebel des Vergessens bringt, sich wieder ausbreiten.
[Gudrun Stenzel 15 Hamburg]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / fantastisch / märchenhaft / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Portia macht Ferien bei ihrer Großtante und deren Lebensgefährtin in einem kleinen Ort in Wales. Als sie beobachtet, wie ein Fuchs im Hause herumschnüffelt und anscheinend etwas aus einer Schreibtischschublade holen will, wird sie neugierig und findet dort tatsächlich einen seltsamen Schlüssel. Da das Feenreich auf Menschen eine große Anziehungskraft ausübt, auch wenn sie nicht wissen, worum es geht, lässt sie sich vom Fuchs überzeugen, die Tür zu öffnen, bass erstaunt, als er sich in einen Menschen verwandelt. Auch wenn ihr in dem leblosen Zwischenreich unheimlich ist, geht sie mit ihm weiter. Rettung gäbe es nicht, wenn nicht eine Amsel aus dem Volk der Adar (walisisch für Vögel), auch ein Gestaltwandler, die Großtante Rose informiert. Diese macht sich auf, die größte Katastrophe für Menschen- und Feenwelt zu verhindern, nämlich dass der Graue König überall die Macht an sich reißt.
Rose, ihre Lebensgefährtin Bramble und ihre Universitätsclique hatten vor Jahren schon einmal den Schlüssel gefunden und sind zwischen den Welten hin- und hergependelt. Doch auch damals waren sie nicht vorsichtig genug, der Graue König konnte sich ausbreiten. In dem Kampf gegen ihn haben sie eine ihrer Freundinnen zurückgelassen, und Robin Goodfellow blieb unfreiwillig in der Menschenwelt zurück.
Rose und der Junge Ben, der eigentlich an dem Tag einen Ausflug mit Portia unternehmen sollte, machen sich auf in die Feenwelt. Nun entfalten sich auf der einen Seite wundersame Begegnungen mit den Wesen der Feenwelt, unter anderem mit der nicht sehr freundlichen Feenkönigin Titania, und Wege durch die schöne Landschaft, aber auch große Gefahren. Ben und Portia suchen beide nach Wegen, den Grauen König aufzuhalten. Portia hat Unterstützung durch Robin Goodfellow und Ben durch einen der vielen Salamander, die auch ihre Gestalt wandeln können und die ein tristes Leben als Titanias Leibeigene fristen.
Rose ist zum Schutz der anderen im Zwischenreich zurückgeblieben, und es bleibt lange offen, ob sie aus dem Nebel des Vergessens gerettet werden kann.
Ein schwerer Kampf am Ende des Buches drängt den Grauen König zurück. Portia wendet einen Trick an, um ihn ins Totenreich zu locken, und versperrt rechtzeitig die Tür. Rose kann gerettet werden, Portia hat der Feenkönigin das Versprechen abgerungen, die Salamander aus der Leibeigenschaft zu entlassen, und (fast) alle können nach Hause. Für die Menschen bedeutet es jetzt wirklich, dass sie niemals mehr ins Feenreich können, und Robin Goodfellow darf nicht mehr in Titanias Feenreich.
Das Buch ist hervorragend erzählt. Die Protagonist*innen sind lebendig und in sich schlüssig, die Schauplätze anschaulich und atmosphärisch geschildert. So ist es, vordergründig, eine spannende Lektüre. Walisische Überlieferungen sind die Grundlage der Handlung, in der es um glaubwürdig dargestellte heutige Kinder an der Schwelle zum Jugendlichen-Alter geht.
Hinter oder unter dieser vordergründigen gut erzählten Handlung aber hat die Autorin kunstvoll Vorstellungen von einem Zwischenzustand, einem Übergang mit der Vorstellung einer mythischen Zwischenwelt verwoben. Portia und Ben sind ungefähr zwölf und haben beide mit einer schwierigen familiären Situation zu kämpfen. Portias Mutter leidet unter Schüben einer psychischen Erkrankung und musste deshalb den mit Portia geplanten Andalusienurlaub absagen. Deshalb ist Portia in Wales. Ben hat früh seinen Vater verloren und ist seitdem sehr zurückgezogen. Dass er etwas mit Portia unternehmen wird, ist die Idee seiner Mutter, der er sehr skeptisch gegenübersteht. Umso erstaunter ist er, als er feststellt, dass Portia sich auf den Ausflug gefreut hatte, damit hatte er nicht gerechnet.
So ist der Aufenthalt im Zwischenreich und in der Feenwelt für beide eine klassische Initiationsreise, während der sie über sich selbst hinauswachsen müssen. Die Autorin hat hier sicherlich auch ihre eigene Forschung zur "Liminalität" (Übergangs- und Schwellenzustand) in lebendige Literatur eingearbeitet.
Kathrin Tordasi, deutsche Anglistin, hat in Wales studiert und sich offensichtlich sehr intensiv mit den dortigen Überlieferungen und Mythen beschäftigt. Ein wirklich gelungener fantastischer Roman in der Tradition von Alan Garner, John Masefield und Geraldine McCaughrean.
[Gudrun Stenzel 15 Hamburg]
  
       

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