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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Stark, Ulf,     
Titel:
Als ich die Pflaumen des Riesen klaute
ISBN:
978-3-8251-5222-2  
Übersetzer:
Kicherer, Birgitta
Originalsprache:
Schwedisch
Illustrator:
Kehn, Regina
Seitenanzahl:
91
Verlag:
Urachhaus, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine weitere Erzählung des 2017 verstorbenen Autors Ulf Stark, die autobiographische Elemente enthält, aber trotzdem auch an heute aktuelle Kindheitserlebnisse und -erfahrungen anknüpft: Ulf und sein bester Freund Bernt wollen dem "Riesen" Oskarsson Pflaumen klauen. Dass das Abenteuer ganz anders verläuft und neue Freundschaften ermöglicht, ist klar.
[Gudrun Ste 15 Hamburg]
       
Lesealter:
8 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Alter / Familie / Freundschaft / Außenseiter / Musik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Oskarsson, ein alleinlebender und wenig redseliger sehr großer alter Mann, wird von den Kindern der Umgebung gefürchtet, aber auch verspottet. Für Ulf ist besonders beunruhigend, dass Oskarsson täglich vor seinem Haus steht, und zwar immer, wenn Ulfs Mutter Klavier spielt. Für erwachsene Leser*innen ist schnell deutlich, dass der alte Mann die Musik genießt, und so wundert es auch nicht, dass er wütend und traurig wird, als Ulfs Mutter in eine Depression fällt und das Klavierspiel einstellt.

Die Mutter wird depressiv, als eine Waldhütte, in der sie am Wochenende ein bisschen für sich sein kann und die Einsamkeit und Ruhe genießt, durch einen umgestürzten Baum zerstört wird. Leider ist der Vater nicht bereit, die Hütte wieder aufzubauen. Als Oskarsson Ulf beim Pflaumen klauen erwischt, hat letzterer erst furchtbare Angst, aber als Oskarsson ihm aufträgt, dafür zu sorgen, dass die Mutter wieder Klavier spielt, entwickelt Ulf einen guten Plan: Er erklärt Oskarsson die Sache mit der Hütte, und dieser, handwerklich geschickt und erfahren, baut sie nicht nur wieder auf, sondern baut sie neu und besonders schön. Nun spielt die Mutter wieder Klavier, denn sie hat wieder regelmäßig ihre Auszeit, und sie lässt auch Oskarsson sich am Klavier erproben, der sich als Naturtalent erweist. Eine Nebenhandlung ist die Entwicklung der Freundschaft zwischen Bernt und Ulf, die auf eine harte Probe gestellt wird, und die Schikane durch einen älteren Jungen, der Oskarsson ein Ende bereitet. Diese verschiedenen Handlungsstränge greifen nachvollziehbar und stimmig ineinander.

Erzählt wird aus Ulfs Perspektive in der ersten Person, aber retrospektiv und im Präteritum. Ulf und Bernt unterhalten sich über viele Dinge des Lebens und stellen dabei Vermutungen an, von denen sie eigentlich bereits wissen, dass das so nicht sein kann: Die Baskenmütze, die Oskarsson immer trägt, sei, so Bernt z.B., eine Art Telepathie-Apparat, und der kleine Filzstummel obendrauf eine Antenne, damit unterhielte er sich mit den anderen Riesen. Dabei ist es vor allem Bernt, der Lehrerssohn, der viel Wissen und viel Vermutung kombiniert und bei dem man nicht immer sicher ist, was er davon glaubt und ob er nicht seinen Freund Ulf auch manchmal hinters Licht führt. Tatsache ist, dass Bernt sehr viel weiß, aber auch auf Ulf angewiesen ist, denn ansonsten ist er als "Klugscheißer", wie Ulf ihn in Gedanken manchmal nennt, nicht sehr beliebt. Die beiden passen in ihrer Neugierde auf fast alles und mit ihrer Lust, Seltsames zu erkunden, wirklich gut zusammen. Manche Motive und Themen erinnern an "Kannst du pfeifen, Johanna?", dieses großartige Buch über Kindheit und die Begegnung mit dem Alter und dem Tod, in dem wir Leser*innen dem Jungen Ulf zum ersten Mal begegnet sind.

Dies ist eine berührende Geschichte über Menschen, über Freundschaft, übers Verschiedensein und darüber, dass Menschen mehr als Brot und ein Dach über dem Kopf zum Leben brauchen, die aber durchaus auch Spannung und Komik aufweist.

Die zweifarbigen Illustrationen von Regina Kehn, meist Vignetten, gelegentlich ganzseitige Bilder, unterstützen diese Stimmung des Buches wunderbar, so z.B. auf dem Bild von Oskarsson, der lächelnd und mit geschlossenen Augen und hingebungsvoll zur Seite geneigtem Kopf dem Klavierspiel von Ulfs Mutter lauscht.
[Gudrun Ste 15 Hamburg]
  
       

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