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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Sylvander, Matthieu,     
Titel:
Beatrice die Furchtlose
ISBN:
978-3-499-21798-2  
Übersetzer:
Lutz, Lisa-Marie
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Barrier, Perceval
Seitenanzahl:
93
Verlag:
Rowohlt, Reinbek
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2017
Preis:
9,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Beatrice ist eine furchtlose Heldin, die sich mit Mut, Witz und viel Scharfsinn auf den Weg macht, der Welt zu helfen und das Unrecht aus dem Weg zu räumen. Das muss sie auch, denn Jungen, Männer und Helden sind aus diesem Buch fast komplett verbannt.
[kst 15 Hamburg]
       
Lesealter:
6 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Komik / Humor
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Weil eine Leserin ihm sagte, dass es nicht genügend Heldinnen in seinen Büchern gäbe, erschuf Matthieu Sylvander Beatrice, welche sich selbst den Beinamen „die Furchtlose“ gibt. Beatrice ist anders als alle weiblichen Wesen um sie herum: Sie ist furchtlos – wie der Name schon sagt: abenteuerlustig, kühn und eine Heldin an vorderster Front. Gemeinsam mit ihrer unerschrockenen und meist recht starrsinnigen Stute Veronique startet Beatrice direkt nach einer kurzen Einführung in Beatrice Leben in ihr erstes Abenteuer, als sie einer Prinzessin begegnet, welche sich auf ihrem Weg zum erkrankten Prinzen befindet und dabei ständig in das ein oder andere Unglück schlittert. Mit stoischer Gelassenheit hilft Beatrice ihr, wo sie nur kann, wird aber mit Überheblichkeit und Undank von Seiten der Prinzessin gestraft. Stute Veronique verliebt sich Hals über Kopf in den attraktiven Hengst der Prinzessin. Beatrice kann solche Sentimentalitäten nicht nachvollziehen, übergeht sie aber kommentarlos. Als Beatrice schließlich, so wie Dutzende andere Prinzessinnen auch, beim Prinzen eintrifft, wird schnell klar, dass Beatrice keinerlei typisch weibliche Attribute oder Fähigkeiten besitzt. Am besten kann Beatrice nämlich Leberwurststullen schmieren. Damit kommt sie bei der Königin aber gut an und diese lässt sie zum Prinzen, welcher wie befürchtet einer seltenen Krankheit verfallen ist. Zum Glück kennt Beatrice ein schnelles Heilmittel. Sie rät der Königin, die Stromzufuhr zur Spielekonsole zu kappen und schon ist der Prinz gerettet.
In ihrem zweiten Abenteuer begegnet Beatrice dem Teufel selbst, welcher einer Dorfgemeinschaft sämtliche Söhne geraubt hat und nun auch deren Kühe möchte. Schnell wird klar, dass der Teufel vollkommen mit der Jugendbande überfordert ist und diese die regellose Zeit beim Teufel in vollen Zügen genießt. Beatrice zögert nicht lange, sondern ruft die Jungen zu einem geordneten, maßvollen Leben auf, woraufhin diese gern freiwillig wieder nach Hause gehen.
Besonders ist nicht allein die Tatsache, dass Beatrice eine weibliche Heldin ist. Sie schwört sämtlichen Vorurteilen gegenüber Mädchen ab. Zudem sind alle männlichen Figuren im Buch unselbstständig, überfordert oder schlicht nicht anwesend. Die Frauen und Mädchen allein müssen sich um alles kümmern. So wird auch nicht die Prinzessin von Prinzen aus einer Not befreit, in die sie sich üblicherweise nicht selbst gebracht haben. Der Prinz hat sich so naiv wie Schneewittchen in die Fänge einer Spielekonsole begeben. Beatrices Art, ihre Einsatzbereitschaft und ihre Tatkraft sind erfolgreicher als alle Versuche der Königin oder die der Dorfbewohnerinnen im zweiten Abenteuer. Dabei ist Beatrice keineswegs feministisch. Männer kommen in ihrer Welt einfach nicht vor oder es muss ihnen geholfen werden. Die Heldin macht aber auch keinerlei Geschlechterunterschiede beim Helfen. Sie ist eine Heldin und hilft selbstlos jedem oder jeder, der oder die es nötig hat. Sie kümmert sich nicht um Äußerlichkeiten; hebt sich selbst von der Masse mit ihren roten Haaren und Sommersprossen ab.
Neben dem Schwung, mit dem Beatrices Abenteuer erzählt werden, sind besonders die versteckten Hinweise witzig und unterhaltsam. So wird nie ausgesprochen, dass der Prinz einer Spielekonsole verfallen ist. Lediglich zuckende Hände an einem Objekt mit vielen Knöpfen (Controller), ein seltsames sich veränderndes Bild (Bildschirm) und ein Apparat weisen auf die Spielkonsole hin.
Nicht nur das Beispiel der Spielekonsole zeigt, wie gelungen vermischt die Moderne mit dem traditionellen Bild von Helden und Prinzessinnen wird. Beatrice zum Beispiel hat ein Handy, neben dem Heizkessel des Schlosses ist der Sicherungskasten.
Das Buch ist wie die Protagonistin selbst: witzig, clever und ziemlich auf Zack. Dies unterstützen die sehr passenden Illustrationen, welche vorwiegend in Orange und dunklen Blautönen gehalten ist. Bereits das Buchcover fasst treffend den Buchinhalt zusammen. Zu sehen ist Beatrice mit ihrer Stute und ihre sagenhaften Leberwurststulle. Links davon sind der Hintergrund und die Prinzessinnen aus dem ersten Abenteuer. Rechts davon sind die Dorfbewohnerinnen und die Burg des Teufels zu erkennen. Dank der Illustrationen sind auch hintergründige Informationen und Witze zu verstehen, da sie hier mehr verdeutlicht werden.
Ein Buch für Heldinnen genauso wie für Helden, für Prinzessinnen und sogar für den Teufel, der von Beatrice noch eine Menge lernen kann.
[kst 15 Hamburg]
  
       

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