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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Parvela, Timo,     
Titel:
Ella in der Schule. Abenteuer am Schulanfang
ISBN:
978-3-446-26811-1  
Übersetzer:
Stohner, Anu/ Stohner, Nina
Originalsprache:
Finnisch
Illustrator:
Wilharm, Sabine
Seitenanzahl:
64
Verlag:
Hanser, München
Gattung:
Erstlesebuch
Reihe:
Erstes Lesen
Jahr:
2020
Preis:
10,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die erste Ella-Geschichte wird nun erstmals als Einzelband vorgelegt - voller Witz und verschraubter Denkdrehungen, die das Buch nicht nur für Kinder in den ersten Schuljahren interessant machen.
[Christoph Jantzen 15 Hamburg]
       
Lesealter:
6 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Schule / Schüler / Liebe / Kriminalität
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Timo Parvelas Kinderfiguren stehen ganz in der Tradition von "Der kleine Nick", erzählen aber in einer deutlich naiveren Sicht Geschichten (vornehmlich) aus der Schule. Der erste Band erschien auf Deutsch 2007 und enthielt drei Geschichten. Nun erscheint die erste der Geschichten (ursprünglicher Titel: "Der Erpresser") als Einzelband, versehen mit neuen Illustrationen von Sabine Wilharm und wird als Erstlesebuch (Reihe: "Erstes Lesen") eingeordnet.

Die Geschichte ist eigentlich einfach: Der Lehrer benimmt sich seltsam, anscheinend, weil er seltsame Briefe bekommt. Die Kinder vermuten, dass er erpresst wird und versuchen alles, ihm - ohne sein Wissen - zu helfen. Die Geschichte gipfelt abends im Park: Die Kinder wollen die Geldübergabe vereiteln, es stellt sich aber heraus, dass sich der Lehrer dort mit der Lehrerin der Parallelklasse verabredet hat, weil sie zusammen auf Hochzeitsreise gehen wollen.

Der Plot hört sich zunächst wenig interessant an. Spannend wird die Erzählung einerseits durch die liebevollen vielfältigen Charaktere der Kinder und die intradiegetische Erzählweise der Erstklässlerin Ella, die durch ihren "naiven Blick" auf die Handlung viel Komik für die lesenden Kinder (und Erwachsenen) schafft. Man könnte sagen, dass Parvela offensichtlich "Kindern aufs Maul geschaut hat", um diesen Blick dann noch zu verdichten. So ist vieles aus Ellas Perspektive selbstverständlich-fragwürdig, von dem auch lesende Erstklässler*innen schon durchschauen, was dahintersteckt: Z. B. in der Schwimmstunde, als der Lehrer die Frage stellt: "Wer kann denn schon schwimmen?":

"Da wollten wir natürlich zeigen, was wir können und sprangen ins Wasser. Gleich nach uns sprang der Lehrer ins Wasser und rettete Timo, Pekka, Tiina und Heidi, die noch gar nicht schwimmen konnten. Wir wunderten uns, dass der Lehrer in seinen Kleidern ins Becken kam. Wir hatten natürlich alle unsere Badeanzüge und Badehosen an. Nur Mika nicht. Seine Badehose lag auf dem Grund des Beckens. Er hatte vergessen, sie zuzuschnüren."

Die Bilder von Sabine Wilharm setzen Ausschnitte des Geschehens um. Sie sind für diese Ausgabe neu gemacht, sind nun durchgängig bunt und haben eine dichtere Frequenz.

Die Einordnung der Geschichte in eine Erstlesereihe überrascht zunächst, denn es wird der Text von 2007 verwendet, der damals ja nicht als Erstlesetext erschien. Nun ist aber nur eine Geschichte in diesem Band, damit wird die Textmenge deutlich geringer. Zudem wurde eine Fibelschrift verwendet, die auch deutlich größer als in der ersten Ausgabe ist. Um dieses Buch selbstständig zu lesen, braucht es schon etwas Leseerfahrung. Trotzdem ist die Kennzeichnung als Erstlesebuch gerechtfertigt. Zum einen liegt es daran, dass Parvela (und/oder die Übersetzer*innen Anu und Nina Stohner) die Erzählperspektive dazu nutzen, in relativ kurzen Sätzen und einer dem Lesealter entsprechenden Sprache zu schreiben. Das kommt Erstlesenden erheblich entgegen, ohne dass es gekünstelt wirkt, wie in manch anderen Erstlesebüchern. Zum anderen braucht es Bücher, die nicht nur das allererste Lesen begleiten, vielmehr ist der Übergang vom ersten (Erstlese-) Buch zur Buchleserin lang und von vielen Zwischenstadien gekennzeichnet. Im Sinne von Gudrun Stenzel, die als Erstlesebücher diejenigen bezeichnet, die inhaltlich, sprachlich und im Layout Rücksicht auf die Belange von Kindern im Leselernprozess nehmen, ist dies demnach ein Erstlesebuch.

Und da ist es durchaus sinnvoll, dass hier die erste Geschichte als Einzelband erscheint.
[Christoph Jantzen 15 Hamburg]
  
       

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