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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Maar, Paul,     
Titel:
Die goldene Schildkröte
ISBN:
978-3-7891-2101-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Muggenthaler, Eva
Seitenanzahl:
28
Verlag:
Oetinger, Hamburg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein neues Märchen von Paul Maar, meisterhaft illustriert von Eva Muggenthaler!
[Christoph Jantzen 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
fantastisch / märchenhaft / lesen
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Viele Erzählungen von Paul Maar sin märchenhaft und immer wieder hat er neue Märchen geschrieben. So auch "Die goldene Schildkröte". Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Hofmaler malt der Schildkröte von Prinzessin Bea einen goldenen Panzer, worauf sich diese einiges einbildet. Doch dann entdeckt die Katze, dass hinten auf dem Panzer etwas steht, aber keines der Tiere kann das Lesen: Nicht die Katze, nicht die Pferde, nicht die Schweine etc. Schließlich wird die Schildkröte von einem Adler ergriffen, der sie wieder fallen lässt. Zufällig gerade in Prinzessin Beas Arme. Und nun klärt sich, was auf dem Panzer steht: "Falls diese Schildkröte verloren geht: Bitte bei Bea abgeben!"

Die Geschichte lebt von der Kettenerzählung - ehrlich gesagt hat Paul Maar schon bessere, originellere Geschichten und auch Märchen geschrieben. Dagegen machen die Illustrationen von Muggenthaler das Bilderbuch zum Erlebnis. Wie auf einer Bühne inszeniert sie die Handlungen, leuchtend gelb strahlt der goldene Panzer über die Bilder. Den Figuren verleiht sie eine eigenständige Gestalt, einen eigenen Charakter. Aber es sind die ergänzenden Elemente, die die Illustrationen so besonders machen:

1. Schriftelemente im Bild: Immer wieder wird mit Schrift gespielt. Zeitungen mit Schlagzeilen geistern durch viele Bilder und kommentieren so das Nebengeschehen, so z. B. beim Pudel: "Top Frisuren am Königshof" oder bei den Pferden: "Sport - Pferd des Tages". Hinzu kommen Beschriftungen, z. B. in der Malerwerkstatt gibt es "Schildlack" oder auf dem Schild der Hundehütte erfahren wir, dass der Pudel wohl "Lothaar" heißt. Damit fordert das Buch gerade Kinder, die schon ein klein wenig lesen können, zum Entdecken heraus. Bemerkenswert ist, dass über ein Bild vorweggenommen wird, dass Bea ihre Schildkröte vermisst. Das können wir einem Zeitungsblatt entnehmen, auf dem auch ein Finderlohn von 1000,- ausgesetzt wird.
2. Nebenfiguren: Über den Text hinaus setzt Muggenthaler viele andere Tiere ins Bild, manche tauchen immer wieder auf, so ein Papagei mit Tischtennisball im Schnabel, ein Frosch oder auch ein Schachfigurenpferd. Zudem kommen manche der befragten Tiere auch schon vor oder nach "ihrem Auftritt" ins Bild. Gerade dies macht das Buch auch für mehrmaliges Lesen/Betrachten interessant, denn diese Vor- oder Nachdeutungen eröffnen ein breites Feld an Nebengeschichten, die Muggenthaler hier in Ansätzen erzählt.
3. Das Vorsatzblatt. Es wird gern übersehen, nimmt hier aber eine zentrale Stellung ein. Pluriszenisch erzählt es von einer Suche durch Prinzessin Bea: Zwischen den Bildern, bei einem Pferd, in der Kanalisation sucht sie - ja was? Auch hier bekommen die Handlungen durch die Kontextualisierung des Erzählten einen nachträglichen Sinn.

Dieses "neue Märchen" lebt von den Illustrationen Muggenthalers und macht das Bilderbuch so nicht nur zu einer Entdeckerherausforderung, sondern bietet auch Anlass zum Weiterspinnen, Neu- und Umdenken sowie zum Weitererzählen. Das wird vielen Kindern und ihren vorlesenden Eltern, Großeltern oder großen Geschwistern Freude bereiten!
[Christoph Jantzen 15 Hamburg]
  
       

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