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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
aprilkind; van den Speulhof, Barbara,     
Titel:
Der Grolltroll... grollt heut nicht!?
ISBN:
978-3-649-63164-4  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Pricken, Stephan
Seitenanzahl:
24
Verlag:
Coppenrath, Münster
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Band 2
Jahr:
2019
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wie fühlt sich Wut an? Und wie entsteht sie? Und wie wird man sie wieder los? Der Grolltroll kann davon ein Lied singen. Er ist sozusagen der Experte des Gefühls Wut, denn er kann so richtig wütend werden. Mit Donner und Blitzen und auf dem Boden werfen, dass die Erde bebt. „Der Grolltroll ... grollt heut nicht!?“ ist ein wunderschön illustriertes Kinderbuch, das sich mit dem Gefühl Wut auseinandersetzt und es für Kinder zugänglich macht.
[mla 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ja, ja, die Sache mit den Gefühlen. Das ist gar nicht so leicht. Wenn einfach mal alles schief geht und gar nichts klappt, wie man sich das vorstellt, dann kann man schon mal aus der Haut fahren. Ganz laut brüllen, sich auf den Boden werfen und einfach allem Frust freien Lauf lassen. Genau das möchte der Grolltroll auch machen, wenn er mal wieder so richtig wütend ist. Denn dann brodelt so ein kleines Gewitter in ihm und er schießt mit Donner und Blitzen um sich. Es beginnt ganz langsam, erst grummelt es in seinem Bauch, dann fühlt es sich an wie ein Wutgewitter, es ziehen richtige Gewitterwolken auf und irgendwann kann er die Wut nicht mehr zurückhalten, denn sie ist schon da. Und dann will der Grolltroll sie auch gar nicht zurückhalten. Er will nur noch grollen, blitzen und donnern, so lange, bis er keine Luft mehr hat.


Dem Grolltroll passiert das öfter mal und seine Freunde die Maus, der Hase, der Igel, der Vogel und der Frosch sind das schon gewöhnt. Darum lassen sie sich auch auf die Wette mit dem Grolltroll ein. Der Grolltroll wettet, dass er auch anders kann und nicht grollt und wütend wird. Seine Freunde halten dagegen und der Verlierer muss Apfelmus kochen. Doch es ist gar nicht so leicht, nicht wütend zu werden, wenn alles nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt. Zum Beispiel beim gemeinsamen Kuchenessen, da futtern Maus, Vogel, Igel und Hase so schnell, dass für den Grolltroll nur ein paar Krümel übrigbleiben. Und dabei hat der Grolltroll doch solchen Hunger. Aber er versucht, ruhig zu bleiben und schlägt vor, mit dem Ball zu spielen. Doch das geht auch nicht lange gut, schon landet der Ball im Apfelbaum und beim Versuch, ihn wieder herunterzuholen, bekommen alle Freunde lauter Blätter und Zweige ab. Doch der Ball hängt fest im Baum. Allerdings wurde durch das starke Schütteln des Baumes einigen Würmern in den Äpfeln schwindelig und eine Krähe hat sich so erschreckt, dass sie sich erleichtert hat. Und das landete zu allem Unglück genau auf der Nase des Grolltrolls. Oh nein, wie eklig. Seine Freunde sind richtig angeekelt und der Grolltroll versucht mit aller Kraft, das Gewitter in seinem Bauch wegzuschieben. „1 - 2 - 3, Wut vorbei.“ Er denkt an die Wette, die er gewinnen will und macht sich auf zum Bach, um sich das Gesicht zu waschen. Dabei stolpert er auch noch über einen Ast und fällt kopfüber ins Gras. Wie soll man da nicht wütend werden? Doch der Grolltroll rappelt sich auf und wäscht sich endlich Hände und Gesicht im kühlen Nass. Als plötzlich einer der Frösche seinen besten Sprung zeigt und damit eine riesige Wasserfontäne erzeugt, die sich über den Grolltroll ergießt. Der Grolltroll ist nun über und über mit Wasser bedeckt und sieht unglaublich komisch aus. Das finden zumindest seine Freunde und lachen sich kringelig. Sie werfen sich auf den Boden und amüsieren sich über den nassen Grolltroll. Und es brodelt und donnert im Grolltroll. Kann er die Wut diesmal runterschlucken oder wird er mit den Füßen trampeln, sich auf den Boden werfen und ganz laut losbrüllen?


Genügend Gründe für seine Wut hat er ja. Und tatsächlich, der Grolltroll grollt und wie er grollt. Die Erde bebt, es schießen Blitze durch die Luft und es donnert gewaltig. Ups, nun wird auch dem Vogel, der Maus, dem Frosch, dem Igel und dem Hasen klar, dass ausgelacht zu werden gar nicht lustig ist. Mit bedröppelten Gesichtern sitzen sie im Gras und entschuldigen sich alle für ihr Verhalten beim Grolltroll. Der hat sich nach seinem Tobsuchtsanfall wieder beruhigt und schmollt nur noch ein bisschen. Sofort ist die Wette vergessen und seine Freunde schlagen vor, dass sie für ihn Apfelmus kochen. Das funktioniert eigentlich ganz gut, bis auf einmal alle aufeinander wütend sind und sich am liebsten auf den Boden schmeißen und laut losbrüllen würden. Doch da ist es der Grolltroll, der seine Freunde wieder zum Lachen bringt und „1 - 2 - 3“ ist die Wut von allen vorbei. Denn so schnell geht das manchmal mit dem Wechsel der Gefühle und am besten gegen Wut hilft Lachen. Lachen gemeinsam mit seinen Freunden. Der Grolltroll, der Vogel, der Igel, die Maus, der Hase und der Frosch sind wirklich gute Freunde, darum können sie einander auch nie lange böse sein. Und am liebsten essen sie das Apfelmus gemeinsam, dann schmeckt es am besten.


Gefühle für Kinder zu erklären, ist eine Kunst, denn häufig ist einem nicht einmal als Erwachsenem bewusst, welches Gefühl in einem gerade vorgeht. Dieses Bewusstmachen von Emotionen, auch das Finden passender Wörter, um diese Emotionen zu beschreiben, ist eine Herausforderung und gehört zum Lernprozess auf dem Weg zum Älterwerden. Sonst würden wir uns vielleicht noch als Erwachsene auf den Boden schmeißen und mit den Fäusten um uns hauen, wenn wir frustriert sind und etwas nicht so läuft wie geplant. Der richtige Umgang mit Emotionen muss also erlernt werden und für das Verstehen von Wut eignet sich dieses Bilderbuch „Der Grolltroll... grollt heut nicht!?“ hervorragend. Warum?

- Weil dem Gefühl Wut in Wort und Bild Ausdruck verliehen wird. Es wird beschrieben, wie es sich anfühlt, wenn man wütend ist und die Illustrationen zeigen die Intensität des Gefühls.
- Weil erklärt wird, wie das Gefühl Wut entsteht. So passiert dem Grolltroll eine ganze Menge, bevor er richtig losgrollt.
- Weil erklärt wird, wie man sich verhält, wenn man jemanden verletzt hat. Die Freunde vom Grolltroll entschuldigen sich alle für ihr unfaires Verhalten ihm gegenüber.
- Weil erklärt wird, wie man aus der Wut wieder „herauskommt“. Durch die gegenseitige Hilfe, die Aufmunterungen der Freunde, das Vertrauen untereinander und das gemeinsame Lachen konnten sich alle wieder beruhigen.
- Weil erklärt wird, dass man nicht nachtragend zu sein braucht. Es wird deutlich, wie wichtig die Freundschaft und das gemeinsame Miteinander sind und nicht das ewige Vorhalten von schlechtem Verhalten. Denn fehlerfrei ist niemand.

- Weil deutlich wird, dass jeder mal wütend sein kann. Das ist nicht schlimm, wenn man sich aber auch wieder beruhigt und mit der Sache abschließen kann. Das konnten die Freunde und der Grolltroll wunderbar, nachdem sich erst alle geärgert hatten und dann wieder vertragen haben.

Das Bilderbuch „Der Grolltroll... grollt heut nicht!?“ ist bereits der zweite Band des Autorenteams aprilkind, Barbara van den Speulhof und Stephan Pricken. „Der Grolltroll“ Band 1 kam bereits im November 2018 in die Buchläden und passend dazu gibt es auch zahlreiche Merchandise-Artikel, wie den Grolltroll als Plüschfigur, einen Knautschball, einen Stempel, Tattoos, einen Becher und das Liederbuch mit CD. Dabei zeigt sich der Grolltroll sowohl mit guter als auch mit schlechter Laune. Die Entwicklung der Idee hinter dem Grolltroll sowie der passenden Artikel entstammt dem Kreativ-Duo und Ehepaar aprilkind, als ihre sechsjährige Tochter morgens am Frühstückstisch einen gewaltigen Wutausbruch bekam. Stephanie und Michael Gerharz haben verschiedenste, pädagogisch wertvolle Kuscheltiere, Bücher, Spiele, Musik etc. entwickelt, um Kindern beispielsweise das Zeigen von Gefühlen zu erleichtern oder ihnen beim Einschlafen zu helfen. Für die Grolltrollbücher wurde die Kinderbuchautorin, Hörspielproduzentin, Texterin und Regisseurin Barbara van den Speulhof ins Boot geholt. Sie hat u.a. Kinderbücher für den Duden Leseprofi oder auch die Kinderbuchreihen „Pippa und die Elfe Emilia“ und „Olga & Co.“ verfasst. Stephan Pricken, der Illustrator des Grolltrolls, verleiht der Erzählung von Barbara van den Speulhof Leben. Bei weitem wäre die Geschichte nicht so lebendig, wenn nicht die farbenfrohen Illustrationen auf jeder Seite des Buches wären. Auch Stephan Pricken hat bereits an einer Vielzahl von Kinderbüchern als Illustrator mitgewirkt u.a. auch für den Duden Leseprofi, „Leserabe“ und für die Reihen um „die drei Weihnachtsdetektive“ und um die „Ritter von Rasselstein“.

„Der Grolltroll... grollt heut nicht!?“ ist ein Bilderbuch und jede einzelne Seite des Buches sowie der Einband sind farbig illustriert. Mit viel Detail werden die Geschehnisse in Szene gesetzt. Im Vordergrund handeln die Figuren und im Hintergrund werden die Wiese, der Himmel, das Baumhaus und der Bach dargestellt. Die Natur wird sehr realistisch und friedvoll präsentiert. Die Maus, der Hase, der Igel, der Frosch und der Vogel sind als Waldtiere dargestellt und tragen z.T. auch Kleidungsstücke wie Hosen, Mützen oder Pullover. Der Grolltroll ist ein blaues Fantasiewesen. Er ist größer als seine Freunde und trägt keine Kleidung. Das Buch wird lebendig, sowohl durch die Mimik und Gestik der handelnden Figuren, als auch durch die Darstellung von Bewegungen und durch Lautmalerei. Eine Besonderheit ist die zeichnerische Interpretation des Gefühls Wut. So gibt es eine schwarze Gewitterwolke mit Blitzen über dem Kopf und schnelle, hektische Bewegungen des Grolltrolls.

Insbesondere weil das Gefühl Wut bereits in der frühen Kindheit vorkommt, eignet sich das Bilderbuch zum Vorlesen bereits ab 4 Jahren. Die Bilder sind einladend und unterhaltsam und so kann das Buch sowohl beim Vorlesen verfolgt als auch selbsterklärend betrachtet werden. Auch für Erstleser ist „Der Grolltroll... grollt heut nicht!?“ geeignet. Allerdings empfiehlt es sich erst einmal, das Buch gemeinsam mit Eltern oder Großeltern zu lesen, um über das Gefühl Wut zu reden und dann kann es auch selbstständig gelesen werden.

Eigentlich wünscht man sich weitere Figuren, die andere Gefühle wie Traurigkeit, Freude und Angst in Wort und Bild erklären. Das Bilderbuch zeigt sehr ansprechend das Gefühl Wut und ist wirklich empfehlenswert.
[mla 15 Hamburg]
  
       

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