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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Thengilsdóttir, Eva,     
Titel:
Nála. Ein Rittermärchen
ISBN:
978-3-947079-07-0  
Übersetzer:
Marehn, Gisa
Originalsprache:
Isländisch
Illustrator:
Thengilsdóttir, Eva
Seitenanzahl:
34
Verlag:
Kullerkupp, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
19,90 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Diese isländische Rittergeschichte besticht durch eine kluge Erzählung und eine sehr individuelle Gestaltung des Bilderbuches.
[cja 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Frieden / Liebe
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Kinderliteratur aus Island kommt nur selten auf den deutschen Markt. Der neu gegründete Verlag Kullerkupp hat es sich zur Aufgabe gemacht, qualitätvolle neue Kinderliteratur aus den nordischen Ländern in Deutschland herauszugeben. Das hier vorliegende Bilderbuch kann als wunderbare Bereicherung gelten.

Ein Ritter, Wagemut mit Namen, hat ein flinkes Pferd, ein scharfes Schwert und gewinnt jeden Kampf. Gegen Drachen, Riesen, Gespenster, Völker. Nur irgendwann ist nichts mehr da, gegen das er kämpfen kann. Dadurch hatte der Ritter nichts mehr zu tun, er wird einsam und betrübt, so dass er in einen tiefen Schlaf fällt. Da kommt ein Mädchen, Nála, entdeckt das Schwert, fädelt einen Faden ein und nutzt es als Sticknadel. Es stickt Vögel und Tiere, Jungen und Mädchen und vieles mehr. Als Wagemut aufwacht, lernt er auch sticken und schafft sich nun eine neue Welt - so werden Wagemut und Nála gemeinsam glücklich: "Jeden Abend küsste Wagemut das Tagewerk und die Nadel. Zuerst aber küsste er das Mädchen und das Mädchen küsste ihn.?

Schwerter zu Pflugscharen? Nein: Schwerter zu Sticknadeln, das ist die friedensfrohe Botschaft dieses Buches. Vom zerstörerischen Kampf geht es zum lebensschaffenden Sticken, ohne dass diese Botschaft plakativ die Erzählung bestimmen würde. Denn da ist ja auch noch die Liebe zu dem Mädchen und die Deutung wird nicht explizit als Moral benannt. So ist es auch möglich, dieses Buch als Rittergeschichte ohne tiefgründige Hintergedanken zu lesen.
Erzählt wird in kürzeren Sätzen aus einer auktorialen Erzählperspektive, an vielen Stellen wirkt die Sprache lyrisch verdichtet, was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Zeilensprünge oft nicht am rechten Rand orientiert sind:

"Sie stickte Jungen und Mädchen,
Frauen und Männer, Fische und Vögel,
große Tiere und kleine. Sie stickte
und sie stickte und sie stickte.

Wagemut schlief."

Besonders sind auch die Illustrationen. Sie können durchgängig auf quadratische Grundformen von 3 x 3 mm zurückgeführt werden, aus denen sich die Abbildungen zusammensetzen. Dadurch gibt es keine Rundungen. Die Abbildungen sehen daher ein wenig wie aus Lego gebaut aus oder wie stark verpixelte Bilder. Oder sie erinnern an Stickbilder, wenn auch da die Kreuzstiche die Grundform bilden. Die Darstellungen sind insgesamt sparsam: Personen, das Pferd, einzelne Gegenstände sowie immer wieder abstrakte Muster finden sich in den Bildern. Nach wenigen Seiten des Befremdens ist man als Betrachtende*r in den Bildern, kann sich darauf einlassen und bewundern, was alles aus dieser einen Grundformen heraus dargestellt werden kann. Mit der optischen Nähe zu gestickten Bildern wird auch auf die Fiktionalität des Erzählten aufmerksam gemacht, eine spannende Perspektive, die sich für die Arbeit im Unterricht anbietet.


Mit dem vorliegenden Buch wird deutlich, dass es sich lohnt, nach guten Bilderbüchern in anderen Ländern zu schauen und sie nach Deutschland zu holen!

Christoph Jantzen
[cja 15 Hamburg]
  
       

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