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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
Silis-Hoegh, Bolatta,     
Titel:
Aima
ISBN:
978-3-947079-08-7  
Übersetzer:
Wilms, Carsten
Originalsprache:
Dänisch
Illustrator:
Silis-Hoegh, Bolatta
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Kullerkupp, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
15,90 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Aima lebt in Grönland. In Episoden erfahren wir viel über sie und ihren Alltag - das alltägliche Leben eines Kindes. Hervorragend werden die Episoden bildlich in Szene gesetzt.
[cja 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Fremde Kulturen / Kindheit / Gender / Geschlecht / Emanzipation
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Aima ist Kind, sie ist fünf oder sechs Jahre alt und kommt in die Schule. Sie darf im Laden mithelfen - vielleicht wird sie ja später im Laden arbeiten? Und sie hilft bei der Ernte von Heidelbeeren - nur leider verschwinden nicht nur selbstgepflückte Beeren in ihrem Mund, sondern auch einige von ihrer Tante. "Wenn ich groß bin, werde ich auch so eine tolle Beerenpflückerin wie meine Tante. Oder ich bekomme einfach noch mehr Tanten", kommentiert Aima. Und sie baut im Wohnzimmer eine Räuberhöhle, zeigt, dass sie schreiben kann, indem sie ihren Namen an die Wand schreibt und baut dort noch einen laaaaangen Weg aus Sand aus dem Garten. Das finden die Eltern nicht so toll. Als sie dann auch noch beim Kochen helfen soll, zieht Aima aus, in das Iglu im Garten. Zumindest, bis der nächste interessante Film im Fernsehen läuft. Ach ja, und eines Tages heißt Aima plötzlich Axel Thomsen und der muss ja natürlich im Stehen pinkeln...

Ja, Aima ist ein munteres Kind und macht es ihren Eltern nicht immer leicht. Dies wird allerdings durch die Fokalisierung auf Aimas Sicht nur indirekt deutlich. Erzählt werden einzelne Episoden, die in sich weitgehend abgeschlossen sind und jeweils eine Doppelseite einnehmen. Und doch bauen die Episoden aufeinander auf und spannen einen Bogen über das Buch. Aima ist uns als literarische Figur sehr vertraut, sie ist ein wenig Lotta aus der Krachmacherstraße und auch ein wenig Conni. Dass sie nicht in Deutschland, sondern in Grönland aufwächst, zeigen einige wenige Handlungsschritte, etwa wenn sie mit ihrem aataa, ihrem Opa, aufs Meer hinausfährt, das voller Eisberge ist. Und es durch einige wenige grönländische Begriffe deutlich, die im Haupttext im Original stehen und mit einem Sternchen übersetzt werden. So schafft der Text eine Ambivalenz zwischen Vertrautheit und Fremdheit.

Die Bilder arbeiten mit kräftigen Farben und vielen Collageelementen. Aima z. B. wird im Körper mit sehr unterschiedlichen Kleidern dargestellt, aus denen eher mickrige Arme und Beine kommen. Der Kopf ist ein einmontiertes Foto, für das Maya Geisler Modell gestanden hat. Die Illustrationen arbeiten auch mit Perspektiven und Ausschnitten, etwa wenn Aima etwas trotzig im linken Bilddrittel steht und wir rechts aus der Froschperspektive große Beine sehen, die nach oben aus dem Bild herauslaufen.

Bolatta Silis-H?egh gelingt es in diesem literarisch und ästhetisch anspruchsvollen Bilderbuch hervorragend, einen Einblick in den Alltag eines grönländischen Kindes zu geben. Dies ist auch das Anliegen des neu gegründeten Verlages Kullerkupp, der es sich zum Anliegen macht, hochwertige neue nordische Kinderliteratur auf den deutschen Markt zu bringen. Das Buch kann von Kindern so gelesen werden, dass sie die Fremdheit als etwas Selbstverständliches wahrnehmen und nicht als Blick auf eine gänzlich fremde, andere Welt. Damit eignet sich das Buch für transkulturelles Lernen in Kita und Grundschule.

Christoph Jantzen
[cja 15 Hamburg]
  
       

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