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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Klein, Stefan,     
Titel:
der Traumwolf
ISBN:
978-3-7373-5537-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Harjes, Stefanie
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Fischer Sauerländer , Frankfurt/Main
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
17,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Stefanie Harjes Bildkompositionen beherrschen die Traumwelt dieses Buches und machen es zu einem wunderbaren Erlebnis. Sie verleihen der Geschichte um Elias, der sich seiner Träume bewusst wird, eine großartige Tiefe.
[cja 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Angst / Gefühle / Kindheit
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Bilderbücher zum Thema "Angst im Dunkeln" und zum Einschlafen gibt es in Hülle und Fülle. "Kannst du nicht schlafen, kleiner Bär?" von Martin Waddell und Barbara Firth ist ein Klassiker. Andere Bücher stellen das Thema noch expliziter in den Mittelpunkt, etwa "Ferdinand & Paula - Emil32: Keine Angst im Dunkeln" von Michael Engler und Maja Bach oder "Ab in die Kiste" von Anouk Bloch-Henry und Pronto. Nun legt der Sachbuchautor Stefan Klein zusammen mit der Illustratorin Stefanie Harjes ein Bilderbuch vor, das anschaulich machen möchte, was Träume sind.

Trotz der offensichtlichen aufklärerischen Ambition, die auf der Rückseite des Buches herausgestellt wird, wird die Form einer Geschichte für die Darstellung von Elias Traumerfahrungen gewählt. Sie fängt damit an, dass dieser nicht so recht einschlafen kann und in der Zwischenwelt zwischen Wachen und Schlafen einem Wolf begegnet, der ihm Angst macht. Doch seine Eltern zeigen wenig Anteilnahme: "Ach, Elias. [...] Das hast du bestimmt nur geträumt.", sagt seine Mutter. Elias drückt seinen Kuschelpinguin Olaf fest an sich und kann im Halbschlaf fliegen. Zusammen fliegen sie nun durch die Traumnacht und entdecken eine Schatzkiste - bloß: Es fehlt der Schlüssel. Da wacht Elias auf und er erzählt seiner Oma von seinem Traum. Sie klärt Elias über das Träumen auf: Die Geschichten "entstehen in deinem Kopf, während du schläfst. Das nennt man träumen." Sie sprechen auch darüber, dass im Traum verarbeitet wird, was man am Tag passiert ist, auch, wenn nicht wörtlich geträumt wird, was man erlebt hat. Nun kann Elias wieder einschlafen und das Träumen genießen, doch den Schlüssel zur Schatztruhe findet er auch nicht mit Hilfe des Traumwolfes. "Aber dass er vor Träumen keine Angst haben muss, das weiß er von nun an ganz sicher."

Vielleicht ist die Erzählung zu eng um die Erzählintention gestrickt und erhält damit ein klein wenig zu viel Informationsvermittlung und zu wenig literarische Ausgestaltung. Dies wird jedoch durch die Bilder von Stefanie Harjes ausgeglichen. Mit verschiedensten Materialien und Techniken gestaltet sie offene Collagen; Figuren und Gegenstände schweben im Raum, mal sorgfältig gezeichnet, mal mit groben Kritzelstrichen mit verwischter Kohle auf das Papier gebracht. Dann leuchten wieder Körper in kräftigen Farben und groben Pinselstrichen. Immer wieder sind Fassadenelemente eingearbeitet, die von Fotos oder realistischen Zeitungen stammen und Augen schauen uns aus den Illustrationen heraus an. Dadaistische Traumanarchie wird hier vermittelt. Viel besser als viele Worte können diese Bilder das Traumgeschehen abbilden, denn im Traum passiert vieles nebeneinander, was wir gar nicht alles erfassen können. Damit sind Bilder vielleicht das bessere Medium für die Darstellung von Träumen als lineare, geordnete Texte, in denen das geschehen sukzessiv geordnet dargestellt wird. Immer wieder taucht der Wolf auf, mal Fahrrad fahrend, mal mit schrecklichem Gebiss, mal mit einer freundlichen Maske. Und wer andere Bilderbücher von Stefanie Harjes kennt, z. B. "Wenn ich das 7. Geißlein wär" oder "Als die Esel Tango tanzten", kennt viele der Figuren. Auf den Bildern können Kinder und Erwachsene viel entdecken und deuten. Dadurch gelingt es, die klare Diktion des Textes durch offene Elemente zu erweitern und das Buch gewinnt erheblich an Tiefe.

Am Ende des Bilderbuches werden Sachinformationen zu fünf Fragen rund um das Schlafen und Träumen gegeben, etwa zu der Frage: Warum können Träume unheimlich sein? Hier ist die Sachinformation gut aufgehoben und eine hilfreiche Erweiterung zum Erzählten.

Christoph Jantzen
[cja 15 Hamburg]
  
       

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