AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

6802 aktuelle Rezensionen, weitere 74028 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Yarlett, Emma,     
Titel:
Drachenpost
ISBN:
978-3-522-45896-2  
Übersetzer:
Naumann, Ebi
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Yarlett, Emma
Seitenanzahl:
56
Verlag:
Thienemann, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Der kleine Alex findet eines Tages einen Drachen in seinem Keller. Um herauszufinden, wie man einen Drachen versorgen muss, schreibt er Briefe und bekommt prompt qualifizierte Ratschläge per Post. Diese „echten“ Briefe machen das Buch zu einem Erlebnis.
[gre 15 Hamburg]
       
Lesealter:
8 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Stell Dir vor, Du öffnest die Kellertür, und da sitzt plötzlich ein Drache – groß, leuchtend rot und, wer weiß, vielleicht gefährlich. Das Buch beginnt genauso: man öffnet den Buchdeckel und ist sofort mittendrin in der Geschichte. Keine leeren Seiten, keine Vorwarnung.
Was kann man machen, wenn man auf einmal in seinem Keller einen Drachen findet? Was würde ein kleiner Junge machen? Einer, der sich schon so lange einen Drachen gewünscht hat? Er will diesen Drachen natürlich behalten. Aber wie sorgt man für einen Drachen? Was braucht ein Drache? Der kleine Alex schreibt Briefe an zahlreiche Experten, die ihm helfen sollen. Er schreibt an die Feuerwehr wegen der Gefährlichkeit des Tieres, an die Metzgerei wegen der Fütterung, an den Tierschutzverein wegen der artgerechten Haltung und an seine beste Freundin, um zu erfahren, wie es mit dem Tier weitergehen solle. Alex erkennt schließlich, dass er sich nicht angemessen um das Wohlbefinden des Drachen kümmern kann und entlässt ihn deshalb in die Freiheit. Sehnsüchtig wartet er auf ein Lebenszeichen, bis eines Tages tatsächlich eine Nachricht im Briefkasten landet.

In „Drachenpost“ ergreift ein Kind ganz eigenständig die Initiative, überlegt und organisiert sich Hilfe und Unterstützung von Erwachsenen, um seinen Traum vom Leben mit einem Drachen zu erfüllen. Der kleine Alex wird ernst genommen, bekommt zum Teil sehr ausführliche und in der Sprache anspruchsvolle Briefe, die ihm aber immer weiterhelfen. Niemand sagt ihm, dass seine Idee unmöglich sei, keiner hält ihn auf. Außer die Nachbarn, die sich über den Lärm beschweren und Maßnahmen androhen, falls der Lärm nicht aufhören sollte. Alex regelt die Situation auf eine sehr entschlossene Art und Weise. Seine Handlungen sind so glaubwürdig und sein Überlegungen so uneigennützig, dass man als Leser ganz gerührt ist. Alex wird ernst genommen und das tut auch dem Leser gut, der sich freut, wenn Alex wieder einen ermutigenden Brief bekommt. Hier wird nicht telefoniert, eine Mail geschickt oder mit Erwachsenen geredet. Hier werden ganz altmodisch Briefe geschrieben und beantwortet.

In dem für englische Kinderbücher typischen absurden Humor hat Emma Yarlett sowohl Text als auch Grafik dieses Kinderbuches gestaltet. Die ausdrucksstarken Illustrationen der Rahmengeschichte sind grafisch klar und reduziert, die Sprache ist die eines Kindes. Die fünf „echten“ Briefe hingegen sind sprachlich anspruchsvoll, wirken wie aus einer anderen Welt und sind es auch. Sie sind voller Details, voller Bilder, voller Text - von Erwachsenen geschrieben. Man muss schon sehr genau lesen, um die vielen liebevollen Details darin zu entdecken. Ein Brief stammt von einem Kind und ist voller Rechtschreibfehler – authentisch bis ins Detail. Die Rahmengeschichte wäre sicher auch für jüngere Kinder spannend und lustig, aber das sprachliche Niveau der Briefe ist für sehr junge Kinder sicher zu hoch. Dafür amüsieren sich die Vorleser umso mehr.

Die Übersetzerin leistet ganze Arbeit und überträgt geschickt die Wortspiele: der Feuerwehrhauptmann heißt A. Larm, der Metzger S. C. Hinken, die Rechtsanwälte Petra Dantisch & E. T. P. Tete (Adresse: Aggroweg, Klagenfurt). Ältere Kinder wissen diesen Humor sicher auch schon zu schätzen und werden unter Umständen sogar dazu angeregt, sprachlich kreativ zu werden.

Dieses Buch eignet sich zum Vorlesen, aber auch als Einstieg in eine Einheit zum Thema „Briefe schreiben“ oder „Fortsetzungsgeschichte“ in der Grundschule.

Von Kathrin Hey
[gre 15 Hamburg]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.