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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Wenz, Tanja,     
Titel:
Hanna auf den Spuren einer mutigen Frau
ISBN:
978-3-7615-6423-3  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
140
Verlag:
Aussaat, Neukirchen-Vluyn
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2017
Preis:
9,99 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Hanna (14) muss ein Schul-Referat über Katharina von Bora schreiben. Sie findet allerdings nicht die richtigen Quellen im Internet, um sich in das Leben dieser Frau einfühlen zu können. Was kann da besser sein als eine Zeitreise? Also, auf ins 16. Jahrhundert nach Wittenberg!
[wb 14 Bremen]
       
Lesealter:
10 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
empfehlenswert
Schlagwörter:
Reformation,Katharina von Bora
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Ach ja, das Internet ist doch eine dürftige Angelegenheit, zumindest dann, wenn es um Katharina von Bora geht. Hanna sucht und sucht, aber so richtig kann sie sich das Leben dieser Frau nicht vorstellen. Überall findet sie nur die gleichen Fakten und Daten aus der Zeit der Reformation. Sie war die Frau von Martin Luther, hatte Kinder mit ihm und führte den Haushalt selbstbewusst und sehr professionell, was mit dem ständig wiedergekäuten Lutherzitat („In häuslichen Dingen füge ich mich Käthe“) zur Genüge belegt sein dürfte. Wie aber soll sich eine Vierzehnjährige das Leben im 16. Jahrhundert vorstellen? Da wacht sie eines Morgens in einem Schlafsaal auf. Maria, die aussieht, als sei sie einem "Heimatmuseum" (S.12) entstiegen, leuchtet ihr mit einer Lampe ins Gesicht. Sie ist ungefähr so alt wie Hanna, lebt aber in einer anderen Zeit und spricht eine Sprache (Frühneuhochdeutsch), die Hanna im Grunde nicht verstehen kann, doch über solche Petitessen setzt sich das Buch generös hinweg. Die beiden Mädchen freunden sich natürlich an, haben jetzt auch ein gemeinsames Geheimnis - nämlich das der Zeitreise - und es gelingt ihnen, Hanna im Haus der Luthers eine Anstellung zu besorgen. So kann sie das Leben vor 500 Jahren aus der Nähe betrachten und sich eine gute Grundlage für ihre Hausarbeit erarbeiten.
Hört sie den Meister rülpsen oder furzen? Oder sieht sie ihm dabei zu, wie er in der Nase popelt und gedankenverloren auf seinen Nägeln kaut? Um Gotteswillen nein! Sie hat genug mit sich zu tun. Das Leben im schwarzen Kloster von Wittenberg ist für ein Mädchen aus dem 21.Jahrhundert sehr gewöhnungsbedürftig. Das fängt mit dem Gang zur Latrine am Morgen an und geht mit der Katzenwäsche, natürlich mit sehr kaltem Wasser, weiter. Maria hat nie eine Schule von innen gesehen, sie ist ein ungebildetes, aber herzensgutes Küchenmädchen im Kloster, eine Figur, die dazu dient, die Lebensverhältnisse dieser einfachen Schicht sichtbar und verstehbar zu machen. Ein wenig anstrengend wird es, wenn es um christliche Werte geht, die natürlich nicht fehlen dürfen bei diesem Thema. Hanna spürt, dass der Glaube an Gott Maria Kraft gibt. „Vielleicht auch genug Kraft, um Sorgen und Probleme zu ertragen. Ja, so musste es sein: Getragen im Glauben. Hanna wurde schon wieder neidisch. Sie wollte auch so leben.“(S.39) Tja, liebe Hanna, denken wir. Dann tue Dir keinen Zwang an. Es gibt noch genügend Elend und Dummheit, Unglaube und Verbrechen auf der Welt, wo du gute und gottgefällige Werke tun kannst, da musst du keine Zeitreise unternehmen. Aber nein, nun möchte Luther ihr auch noch einen Wunsch erfüllen, doch Hanna fällt nichts ein, was sie sich wünschen kann. „...da musste sie auf Gott vertrauen. Tief in ihrem Herzen wusste sie es nun...Und jetzt nach diesem besonderen Tag spürte sie ihren eigenen Glauben und das Vertrauen in Gott so deutlich, dass Hanna sich sicher war: Dies war ihr Geschenk und sie würde es sogar mit nach Hause nehmen dürfen.“(S.118) Da können wir nur hoffen, dass sie nicht auch noch den Luther´schen Teufelsglauben und die Gewissheit der ewigen Verdammnis im Gepäck hat, denn davon gibt es hier und heute noch immer viel zu viel.
Schön sind die Dialoge der beiden Mädchen aus so unterschiedlichen Welten. Wenn sie sich über das Leben unterhalten und dabei die Unterschiede zur Sprache kommen. Das am Ende des Buches noch einige gute Taten vollbracht, Kinder vor dem Ertrinken gerettet und Hanna und Maria zu Heldinnen werden, wäre nicht nötig gewesen. Und ob sich ein Küchenmädchen aus jener Zeit danach gesehnt hat, endlich ein Buch lesen zu können, ist eher unwahrscheinlich. Bücher gab es damals nur sehr wenige, in der Welt der Küchenmädchen wohl eher keine. Aber der Gedanke an Alphabetisierung und Schulpflicht auch für Mädchen ist natürlich heldenhaft. Der eigentliche Grund der Zeitreise, Katharina von Bora, kommt dabei ein bisschen kurz. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Leser*innen ein besseres Bild vom Leben vor 500 Jahren machen können. Im Lutherjahr ist dieses Buch eine gute Ergänzung zu den vielen Büchern, die sich nur mit dem Reformator beschäftigen.
[wb 14 Bremen]
  
       

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